24.01.2022

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Folge 21-21 vom 28. Mai 2021 / Klassik / Licht am Ende des Tunnel / Konzerte in Pandemie-Zeiten – Schleswig-Holstein-Musik-Festival wagt sich im Sommer aus der Deckung

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-21 vom 28. Mai 2021

Klassik
Licht am Ende des Tunnel
Konzerte in Pandemie-Zeiten – Schleswig-Holstein-Musik-Festival wagt sich im Sommer aus der Deckung
A. Guballa

Schleswig-Holstein war eines der ersten Bundesländer, das sich nach dem Lockdown langsam wieder geöffnet hat. Noch vor Pfingsten waren auch Kulturveranstaltungen vor Publikum möglich – sofern sie draußen stattfanden. Wie gut, dass das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) in diesem Jahr zu einem guten Teil aus Freiluftkonzerten besteht. Nach der Absage im vergangenen Jahr wird es diesen Sommer stattfinden, und zwar vom 3. Juli bis 29. August. Corona-gerecht sind dabei rund zwei Drittel aller Konzerte draußen zu erleben.

„Unter freiem Himmel lassen sich momentan deutlich entspanntere Konzerterlebnisse schaffen“, erklärt Intendant Christian Kuhnt. 157 Konzerte, fünf „Musikfeste auf dem Lande“, zwei Kindermusikfeste und einen Werftsommer sollen in 79 Spielstätten an 51 Orten in Schleswig-Holstein, Hamburg, im Süden Dänemarks und im Norden von Niedersachsen veranstaltet werden. 

Eingeladen sind wieder Stars der Szene. So gibt ein Wiedersehen mit dem britischen Violinisten Nigel Kennedy, einem der Publikumslieblinge in Schleswig-Holstein. Er wird mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen Beethovens Violinkonzert spielen. Seine deutsche Kollegin Anne-Sophie Mutter wird ebenso auftreten wie die Pianisten Daniil Trifonov und Jan Lisiecki sowie die Cellistin Sol Gabetta oder der Tenor Rolando Villazón.

Um neue Zielgruppen zu erreichen, bewegt sich das Festival mit dem Format „Luustern“ wieder abseits der Klassik. In rund 40 Konzerten stehen Pop, Rock, Chanson, Jazz, Klezmer und Folk auf dem Programm. Auf großer Bühne erwartet man etwa Tom Jones. Das Konzert der walisischen Popikone fiel im vergangenen Sommer Corona-bedingt aus und soll nun am 13. August nachgeholt werden.

In den Mittelpunkt der 36. Ausgabe des größten Klassikfestivals Deutschlands steht der österreichische Komponist Franz Schubert, der die Gattung des deutschen Liedes maßgeblich geprägt hat. Die französische Pianistin Hélène Grimaud, die inzwischen Dauergast beim SHMF ist, wird als sogenannte Porträtkünstlerin in elf Konzerten die enorme Bandbreite ihrer Kunst präsentieren.

Keinen Notfallplan in der Tasche

„Der Optimismus ist grenzenlos und damit verbunden auch die Vorfreude. Denn wir brauchen alle dringend so etwas wie eine Perspektive, ein Licht am Ende des Tunnels“, sagt Kuhnt. Sollte nicht ein neuer Lockdown kommen oder Dauerregen das Festival vermasseln, könnte das SHMF einen Hoffnungsschimmer an die gebeutelte Kulturwelt senden: Es geht wieder weiter.

Einen Plan B für den Fall, das kurzfristig manche Konzerte zum Beispiel wegen Corona-Erkrankungen abgesagt werden müssen, habe man nicht in der Schublade. Und wenn die Dinge doch anders kommen, müsse man eben wieder improvisieren. Aber das könne man noch nicht planen. „Für uns Kulturschaffenden ist es jetzt wichtig, Konzerte zu planen, in die Zukunft zu schauen und somit ein Zeichen für die Kultur zu setzen“, erläutert Kuhnt, „wir müssen jede Gelegenheit nutzen, um aktiv zu sein und uns Gehör zu verschaffen. Es reicht nicht, für die Kultur zu brennen, wir müssen für sie kämpfen! Wir können vielleicht eine gewisse Zeit auf Kultur verzichten, aber das kann kein Dauerzustand sein. Sonst werden wir seelisch vertrocknen.“

Wie sehr das Publikum nach Kultur brennt, sieht man beim Vorverkauf. Schon jetzt sind viele Konzerte ausgebucht. Es lohnt aber, sich in Wartelisten einzutragen, da kurzfristig je nach dann geltender Landesverordnung zusätzliche Plätze zur Verfügung gestellt werden dürfen.

Karten über die Telefon-Hotline (0431) 237070 oder www.shmf.de