17.01.2022

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Folge 21-21 vom 28. Mai 2021 / Göltzschtalbrücke / 175. Jahrestag eines Baus der Rekorde

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-21 vom 28. Mai 2021

Göltzschtalbrücke
175. Jahrestag eines Baus der Rekorde
Manuel Ruoff

Die Göltzschtalbrücke im sächsischen Vogtlandkreis ist die erste statisch berechnete Brücke der Welt. Zum Zeitpunkt der Einweihung war sie die weltweit höchste Eisenbahnbrücke. Und noch heute gilt sie als die größte Ziegelbrücke auf Erden. Immerhin wurden 26.021.000 Ziegel verbaut. Nur an den besonders beanspruchten Stellen wie Fundamenten, Pfeilerschäften und Tragebögen wurde auf Bruchsteine und Quader aus Granit zurückgegriffen. Die Verwendung von Ziegeln bot sich an, da sich in der Nähe große Lehmlager befanden. Von fast 20 Ziegeleien entlang der Bahnstrecke wurden während des Baus täglich rund 50.000 Ziegel im sogenannten Dresdner Format 27,73 mal 13,57 mal 6,49 Zentimeter gebrannt. 

Theoretisch hätte man auch anderes Baumaterial aus der Ferne herbeischaffen können, aber der Bauträger wollte beziehungsweise musste sparen. Es handelte sich um die Sächsisch-Bayerische Eisenbahn-Companie. Die private Eisenbahngesellschaft war 1841 mit dem Geschäftsmodell gegründet worden, die Ferneisenbahnstrecke Leipzig–Hof mit einem Abzweig nach Zwickau zu bauen und zu betreiben. Sie war finanziell indes derart schwach auf der Brust, dass sie noch vor der Fertigstellung der Strecke deswegen 1847 verstaatlicht wurde. 

Eine der größten Herausforderungen beim Bau der Strecke war die Überwindung des Tales der Göltzsch. Um zu einer möglichst billigen Überbrückungslösung zu kommen, wurde 1845 ein landesweiter Wettbewerb ausgeschrieben. Wettbewerbsbeiträge gingen genügend ein, doch bei keinem war die nötige Belastbarkeit wissenschaftlich erwiesen. Deshalb nahm sich schließlich der Leiter der Prüfungskommission, Johann Andreas Schubert, der beim Bau der 1845 fertiggestellten ein-etagigen Eisenbahnviadukts in Leubnitz mit statischen Berechnungen gearbeitet hatte, selbst der Aufgabe an.

Vor 175 Jahren, am 31. Mai 1846, wurde der Grundstein zu einer 78 Meter hohen und 574 Meter langen grundsätzlich vier-etagigen Bogenbrücke gelegt. Eigentlich hatten die Bögen alle die gleiche Spannweite haben sollen. Da man jedoch wider Erwarten bei der Pfeilergründung an der Talsohle nicht auf ausreichend festen Boden stieß, wurde von der ursprünglichen Planung abgewichen. Nach einem Entwurf des Oberingenieurs Robert Wilke wurde an dieser problematischen Stelle auf Standardbögen verzichtet und das Areal durch zwei aufeinander stehende Bögen größerer Spannweite überbrückt.

Auf der Baustelle waren zeitweise bis zu 1736 Arbeiter im Einsatz. 31 bezahlten ihren Einsatz mit dem Leben. Abgesehen von diesen Menschenleben kostete der Bau rund 2,2 Millionen Taler. Das entspricht gut 65 Millionen Euro. Nach einem guten halben Jahrzehnt Bauzeit, am 15. Juli 1851, erfolgte die Einweihung.