17.01.2022

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Folge 22-21 vom 04. Juni 2021 / Mietmarkt / SPD und CDU begrüßen Fusion der Giganten / Übernahme von Deutsche Wohnen durch Vonovia: Linkspartei und Grüne schimpfen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 22-21 vom 04. Juni 2021

Mietmarkt
SPD und CDU begrüßen Fusion der Giganten
Übernahme von Deutsche Wohnen durch Vonovia: Linkspartei und Grüne schimpfen
Frank Bücker

Die Nachricht war eine Bombe: Der im DAX 30 notierte Wohnungskonzern Vonovia will den gleichfalls in der Spitzengruppe deutscher Unternehmen rangierenden Konkurrenten Deutsche Wohnen aufkaufen. Sofern eine ausreichende Anzahl von Aktionären der Deutsche Wohnen das Übernahmeangebot annimmt, entstünde so Europas größter Wohnimmobilienkonzern mit einer gemeinsamen Marktkapitalisierung von etwa 45 Milliarden Euro. Vonovia soll sich bereits rund zehn Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktien gesichert haben. 

Berlins SPD und CDU haben den Schritt verhalten begrüßt. SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey sprach davon, der Handel sei „ein gutes Signal“. Der neue Wohnungsriese will der Stadt Berlin 20.000 Wohnungen zum Kauf anbieten. Der Preis richtet sich nach dem „Ertragswert“. Die beiden größten deutschen Vermieter kommen zusammen auf mehr als 500.000 Wohnungen. Der gemeinsame Immobilienwert wurde auf knapp 90 Milliarden Euro taxiert.

Mitarbeiter fürchten Entlassungen

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) berichtet von intensiven Gesprächen zwischen Senat, Deutsche Wohnen und Vonovia: „Ein gemeinsames Interesse verfolgen wir zum Beispiel im Bereich der Mietenstabilität“, die Mieterhöhungs-Deckelung auf ein Prozent und damit unter dem Inflationsausgleich sei „eine wichtige sozialpolitische Aussage“. 

Grund für die freundliche Bewertung der Megafusion seitens der Politik scheint die Ankündigung zu sein, bei Modernisierungen massiv in den „Klimaschutz“ zu investieren und die Modernisierungsumlage auf maximal zwei Euro pro Quadratmeter zu begrenzen. Derweil geht bei den Mitarbeitern von Deutsche Wohnen die Angst vor Kündigungen um. Die soll es jedoch frühestens zum 1. Januar 2024 geben. Beide Unternehmen wollen ihre jährlichen Kosten um zusammen 105 Millionen Euro senken.

Die Linkspartei lehnt die Fusion ab. Ihr finanzpolitischer Sprecher im Bundestag Fabio De Masi: „Die angestrebte Fusion ... sollte von den Kartellbehörden unterbunden werden. Die Feststellung der Kartellbehörde aus dem Jahr 2015, dass ein hinreichender Wettbewerb durch kommunale und private Vermieter gegeben sei, überzeugt nicht.“ Giffey hingegen will andere Wege gehen: „Wir müssen weg von der Konfrontation hin zur Kooperation.“ CDU-Spitzenkandidat Kai Wegner lobt die Fusion: „Es zeigt vor allen Dingen, dass die Immobilienwirtschaft bereit ist, an den Problemen mitzuarbeiten und dass man in Gesprächen mit der Immobilienwirtschaft ganz offenkundig viel erreichen kann.“ 

Klaus Lederer von der Berliner Linkspartei bleibt dennoch bei seiner Kritik: „Nichts an dem zu Grunde liegenden Geschäftsmodell der großen börsennotierten Immobilienunternehmen“ ändere sich. „Sie sind weiter ihren Aktionärinnen und Aktionären verpflichtet und erwirtschaften Gewinne auf Kosten der Mieterschaft.“ Deshalb unterstütze die Linkspartei das Volksbegehren zur Vergesellschaftung. Bettina Jarasch, Bürgermeisterkandidatin der Grünen, schimpft ebenfalls: „Wer eine solch große Machtkonzentration anstrebt, muss zeigen, dass das einen Mehrwert für die Berlinerinnen und Berliner hat.“