18.01.2022

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Folge 22-21 vom 04. Juni 2021 / Vorpommern / Ranzin – Kirche des Jahres 2021

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 22-21 vom 04. Juni 2021

Vorpommern
Ranzin – Kirche des Jahres 2021

Die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa) wählt sowohl „Kirchen des Monats“ als auch „Kirchen des Jahres“. Die Stiftung hat sich die Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland verschrieben. Durch die jährlichen Wettbewerbe werden nicht nur die Sanierungsprojekte unterstützt, die Kirchen erlangen dazu eine überregionale Bekanntheit.

Fast 14.000 Menschen haben mitgemacht und für ihre Lieblingskirche abgestimmt. Mit 3960 Voten hat sich die Dorfkirche im vorpommerschen Ranzin klar durchgesetzt – vor der zweitplatzierten Stiftskirche St. Cyriakus in Frose (Sachsen-Anhalt, 2187 Stimmen). Den dritten Rang belegte (mit 1432 Stimmen) die Kirche im sächsischen Klitten. 

Der einschiffige, rechteckige Bau aus Feldstein mit geradem Chorschluss wurde im 13. Jh. als wehrhafte Dorfkirche erbaut. Der Turmaufsatz mit achtseitigem, kupferbeschlagenem Spitzhelm wurde 1861 aus Backstein nach Plänen von Eduard Knoblauch aus Berlin auf einem spätgotischen Feldstein-Unterbau errichtet. Chor und Kirchraum sind weiß verputzt und haben ein Kreuzrippengewölbe. In Wandnischen sind Malereien vom Anfang des 14. Jh. zu sehen. Diese wurden 1966/67 freigelegt. Sie zeigen die Erschaffung Evas, den Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies. Zur Ausstattung gehört eine Brüstungsorgel. Mehrere Grabplatten mit dem Wappen der Familie Horn von 1315, 1357 und 1407 gehören zu den ältesten in Vorpommern. Beim Ort liegt ein bronzezeitliches Hügelgrab.

Die Dorfkirche Ranzin war auch die „KiBa-Kirche des Monats Juni 2020“ und gehört zur Evangelisch Lutherischen Nordkirche. Das Gebäude durchläuft derzeit eine umfangreiche Baumaßnahme. Nachdem Dach und Innenraum des Kirchenschiffs saniert worden sind, steht die Renovierung des Turms an, die rund 500.000 Euro kostet. Die Stiftung KiBa förderte die Instandsetzung der Ranziner Kirche im Jahr 2020 mit 10.000 Euro. Etwa 30.000 Euro fehlen aktuell noch an der Gesamtfinanzierung. „Bei der Turmsanierung geht es vor allem um die statische Sicherung, wir freuen uns aber, dass mit den Arbeiten auch eine optische Aufwertung verbunden ist“, erläuterte Ulf Harder die anstehende Baumaßnahme.

„Natürlich sind alle Kirchen in Deutschland besondere und bemerkenswerte Gebäude“, sagt Catharina Hasenclever, die Geschäftsführerin der Stiftung. „Aber wir freuen uns sehr, dass wir mit unserem Wettbewerb in jedem Jahr die Aufmerksamkeit auf ein von uns unterstütztes Gotteshaus lenken können, für das sich so offensichtlich viele Menschen begeistern.“

Daueraufgab: Erhalt der Kirchen

Am Mittwoch, dem 19. Mai, überreichte Hartmut Dobbe, Mitglied des Vergabeausschusses der Stiftung KiBa, die Urkunde „Kirche des Jahres“ an den Pastor der Kirchengemeinde, Dr. Ulf Harder. „Damit haben wir nicht gerechnet“, sagte dieser hocherfreut. Sein besonders aktiver Einsatz wurde belohnt. Er hatte unter anderem per Messenger-Dienst und auf dem Internetportal www.kirche-mv.de mit großem Engagement die Werbetrommel für die Ranziner Kirche gerührt. Als er vom Gewinn der Wahl erfuhr, hat er umgehend zwei Banner anfertigen lassen, mit denen er auf den Titel „Kirche des Jahres“ aufmerksam machen will, „Ranzin – Wir sind Nummer 1“ ist in großen Lettern auf den Bannern zu lesen. Eines der Banner wird demnächst am Baugerüst weithin sichtbar sein.

Wichtig: „Offene Kirchen“

Die Urkundenübergabe nahm auch Tilman Jeremias, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern, zum Anlass, um erstmals Ranzin zu besuchen. „Ich freue mich sehr für die Kirchengemeinde und bin erstaunt, wie viele Stimmen mobilisiert werden konnten. Der Titelgewinn ist eine wunderbare Möglichkeit, um zu zeigen, wie schön unsere Kirchen und wie engagiert die Menschen vor Ort sind“, so der Bischof. Die Sanierung einer Kirche sei stets eine riesige Kraftanstrengung und eine Aufgabe, die eine Kirchengemeinde allein nicht bewältigen könne. Sein Dank gelte daher allen Menschen, die sich für diese Vorhaben einsetzen sowie den vielen Geldgebenden, den Spenderinnen und Spendern. Der Erhalt der Kirchen bleibe eine Daueraufgabe, hob der Bischof hervor. Kirchen seien in vielerlei Hinsicht bedeutende Anziehungspunkte. Er sei daher dankbar für jede „Offene Kirche“ und ermutige Kirchengemeinden, ihre Kirchen offen zu halten. BS

Info https://www.kirche-mv.de 

https://www.stiftung-kiba.de