18.01.2022

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Folge 23-21 vom 11. Juni 2021 / Kaiserliche Fotoalben / Die Pin-Up-Bilder Ihrer Majestät / Kölner Museum Ludwig zeigt „Sisi privat“ – Die österreichische Kaiserin war leidenschaftliche Sammlerin von Fotografien

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 23-21 vom 11. Juni 2021

Kaiserliche Fotoalben
Die Pin-Up-Bilder Ihrer Majestät
Kölner Museum Ludwig zeigt „Sisi privat“ – Die österreichische Kaiserin war leidenschaftliche Sammlerin von Fotografien
Siegfried Schmidtke

Das Museum Ludwig in Köln plant, nach der Pandemie-bedingen Zwangspause die Ausstellung der Fotobücher Kaiserin Sisis fortzusetzen. Sie erlauben intime Einblicke in die Privatsphäre der Monarchin und korrigieren das dominante Bild der Romy-Schneider-Sissi aus den bekannten „schmalzigen“ 50er-Jahre-Filmen.

Was heute als Massenprodukt von Jedem zu jeder Zeit mit dem Smartphone hergestellt werden kann und meist im digitalen Papierkorb landet, war vor 150 Jahren eine Kostbarkeit: Fotografien. Die Herstellung war zeit- und materialaufwendig und deshalb ziemlich kostspielig. Nur wohlhabende Menschen konnten sich damals Fotoaufnahmen leisten.

Elisabeth (1837–1898), kurz: Sisi, bayerische Prinzessin und schließlich Kaiserin von Österreich, gehörte zu den Schönen und Reichen ihrer Zeit. Sie konnte sich Fotos leisten, und – im Gegensatz zu anderen begüterten Zeitgenossen – wollte sie sich diese auch leisten. Ja, sie entwickelte geradezu eine fast schon manische Sammelwut.

„Ich lege mir ein Schönheiten-Album an und sammele nun Photographien, nur weibliche dazu“, schrieb sie ihrem Schwager, dem österreichischen Erzherzog Ludwig Viktor, 1862 aus Venedig, das damals noch zu Österreich gehörte. „Was Du für hübsche Gesichter auftreiben kannst beim Angerer (Wiener Hoffotograf, d. Red.) und anderen Photographen, bitte ich Dich, mir zu schicken.“

Der Schwager tat, wie ihm geheißen, und schon bald landete die Bitte der Kaiserin bei den Botschaftern Österreichs in Konstantinopel, St. Petersburg, Paris, London und Berlin. „Allerhöchstdieselbe“ wünschte sich besonders auch Fotos von orientalischen Schönheiten und Haremsdamen.

Die erbetenen Bilder trudelten ein – jeweils an den Aufenthaltsort der Kaiserin, die Anfang der 1860er Jahre nicht in Wien, sondern vorwiegend in Venedig, Korfu oder auf Madeira lebte. Und Sisi sammelte und sammelte. Wie viele Fotoalben entstanden, ist nicht bekannt. Das Museum Ludwig konnte Anfang der 1990er Jahre 18 Fotobücher mit 2000 Fotos erwerben. Drei dieser Alben waren den „Schönheiten“ gewidmet.

Erstaunlich für jene Zeit: Nicht nur Adelige und Hofdamen wurden abgebildet, sondern auch Stars und Sternchen der internationalen Bühnen – sprich: bürgerliche Damen. Häufig in ausgefallenen Theater- oder Tanzkostümen und nicht selten in – für damalige Moralvorstellungen – schlüpfrigen Positionen. Breitbeinig auf einem Stuhl sitzend oder den Rock hochgezogen, dass der Oberschenkel entblößt war – das waren quasi Pin-Up-Bilder der 1860er Jahre. Die Herren Botschafter hatten sicher ihre Freude beim Beschaffen der Fotos.

Warum aber diese Sammelleidenschaft? Warum speziell Frauenbilder? Kuratorin Miriam Szwast meint, dass Sisi „diese hoch inszenierten Bilder für die Konturierung ihres eigenen Images nutzte“. Abseits von den Zwängen am Hofe konnte die Kaiserin zu einer „selbstbewussteren Persönlichkeit“ reifen. Vorbilder fand sie bei eben jenen Stars der internationalen Bühnen. 

Sisi privat. Die Fotoalben der Kaiserin, bis 4. Juli im Museum Ludwig am Dom, Köln, aktuelle Öffnungshinweise: www.museenkoeln.de/portal/Museum_Ludwig