24.01.2022

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Folge 23-21 vom 11. Juni 2021 / Nachkriegszeit / Liebesgaben aus der neuen für die alte Heimat / Comité de Socorro a Europa Faminta: Vor 75 Jahren erfolgte der erste Hilfstransport aus Brasilien für das hungernde Deutschland

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 23-21 vom 11. Juni 2021

Nachkriegszeit
Liebesgaben aus der neuen für die alte Heimat
Comité de Socorro a Europa Faminta: Vor 75 Jahren erfolgte der erste Hilfstransport aus Brasilien für das hungernde Deutschland
Bodo Bost

Schon schnell nach Kriegsende hatte sich im Süden Brasiliens ein Verein namens „Comité de Socorro a Europa Faminta“ (SEF, Hilfsverein für das hungernde Europa) unter Trägerschaft der Jesuiten gebildet. Mit „Europa“ war dabei vor allem Deutschland einschließlich Österreich gemeint. Die beiden Gründer waren der deutschbrasilianische Jesuitenpater Balduino Rambo SJ (1906–1961) und Pater Henrique Pauquet (1907–1986), der als Heinz Pauquet in Köln zur Welt und 1936 als Jesuit nach Brasilien gekommen war. Sie gewannen zwei lutherische Pfarrer aus den beiden deutschbrasilianischen Synoden sowie zwei Journalisten vom deutschsprachigen „Sankt Paulusblatt“ für eine Mitarbeit. Der Verein war die erste überkonfessionelle, ökumenische Initiative in Rio Grande do Sul. Im südlichsten der 27 Bundesstaaten Brasiliens waren die ökumenischen Beziehungen seit Beginn der deutschen Einwanderung 1824 sehr gespannt.

Die Geldsammelaktionen des SEF begannen im April 1946 unter den drei Millionen Deutschstämmigen Brasiliens. Bereits am 6. Juni verließ das erste Hilfsschiff mit 91 Tonnen Hilfsgüter an Bord den Hafen von Porto Alegre, der Hauptstadt von Rio Grande do Sul. Zielhafen war Göteborg in Schweden, wo das Schiff am 16. Juli 1946 ankam. An Bord waren vor allem Lebensmittel, Kleider, Samen und Medikamente. Später kamen Haushaltsgegenstände und Baumaterial hinzu. Die Güter gingen zur einen Hälfte an katholische Hilfswerke und zur anderen an protestantische Gemeinden. Größter Einzelspender war das Textilunternehmen Renner in Porto Alegre, deren Besitzerfamilie aus dem Hunsrück stammte. Im Gründungsjahr von Bundesrepublik und DDR wurde das Ende der Hilfsaktion mit einem großen Maifest in Porto Alegre gefeiert. Bis dahin waren hatten elf Hilfslieferungen per Schiff nach Europa stattgefunden. Die Deutschen Südbrasiliens spendeten für das am Boden liegende Deutschland Liebesgaben mit einem Gesamtgewicht von 4600 Tonnen. Der brasilianische Staat beteiligte sich durch die Befreiung der Hilfssendungen von den Transportkosten sowie Hafen-, Zoll- und sonstigen Abgaben an der Hilfe.