17.01.2022

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Folge 23-21 vom 11. Juni 2021 / Vor 125 Jahren / Wie die Würstchen in die Dose kamen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 23-21 vom 11. Juni 2021

Vor 125 Jahren
Wie die Würstchen in die Dose kamen

Vor 125 Jahren, am 18. Juni 1896, wurde das Kaiser-Wilhelm-Denkmal im Kyffhäusergebirge eingeweiht. Entsprechend der Größe des Denkmals war das ein großes Ereignis. Ein mit der Bewirtung der Festteilnehmer beauftragter Gastwirt aus Eisleben beauftragte seinerseits den Wurstfabrikanten Friedrich Heine, 40.000 Paar Würstchen bereitzustellen.

Eine derartige Menge konnte Heine nur über einen größeren Zeitraum herstellen, und so stellte sich das Problem der Konservierung. Der Unternehmer hatte bereits zuvor mit Dosenwürsten experimentiert, allerdings mit wenig Erfolg. Der Inhalt war in den Dosen schlecht geworden. Nun versuchte es Heine erneut. 

Von den 40.000 Paaren, die er zusammen mit Waschkesseln zum Erwärmen und weiterem Zubehör vom Produktionsort Halberstadt über knapp hundert Kilometer mit Pferd und Wagen zum Kyffhäuser transportierte, war nur ein Viertel Frischware. Die übrigen 30.000 Paare waren zu je 24 Paaren in Großdosen verpackt. 

Über den 18. Juni schrieb Heine in seinen Memoiren: „Leider hatte uns die Festleitung falsch unterrichtet, denn der Haupttrupp der Teilnehmer zog auf der unserem Standpunkte entgegengesetzten Seite vorüber. Unsere Stände wurden nur von 5000 Mann passiert … Meine ganze Hoffnung setzte ich nun auf den Abmarsch der Krieger, denn die meisten mussten ja an meinen Ständen vorüber.“

Die Hoffnung trog indes. Nach der Einweihungsfeier brach ein Unwetter los. „Nun gab es kein Halten mehr. Alles, was Beine hatte, stürmte davon, drängte zu den Fuhrwerken und Zügen, machte sich zu Fuß auf den Heimweg“, so Heine, statt sich die Zeit zu nehmen, ein Paar von den bereitgehaltenen Würstchen zu genießen. „Ich berechnete meinen Schaden auf mindestens 6000 Mark – und sagte mir, dass ich für alle Zeit ruiniert sei, denn ich musste ja damit rechnen, dass auch die Dosenwürstchen verdorben seien“, so Heine, „Doch meine Frau und eine Zeitungs-Annonce machten mir neue Hoffnungen: Gewerbe- und Kochkunstausstellung in Wiesbaden.“ 

Heine ließ also seinen Bruder Wilhelm die 1200 24er-Großdosen, auf denen er bei der Denkmaleinweihung sitzengeblieben war, auf der Ausstellung in Wiesbaden ausstellen und verkaufen. Heine hatte Glück. Diesmal hatte er die Würstchen richtig konserviert, sodass sie schmeckten. Sie ließen sich verkaufen, und Heine hatte einen tollen Werbeeffekt.M.R.