23.01.2022

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Folge 24-21 vom 18. Juni 2021 / Zeitgeist / Fachleute entlarven Mythen bei der Ernährung / Drei Bücher zeigen, wie die „Nachhaltigkeits“-Mode zu absurden Resultaten führt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 24-21 vom 18. Juni 2021

Zeitgeist
Fachleute entlarven Mythen bei der Ernährung
Drei Bücher zeigen, wie die „Nachhaltigkeits“-Mode zu absurden Resultaten führt
Wolfgang Kaufmann

Das Private ist mittlerweile politisch geworden. Dies gilt auch und gerade für die Ernährung. Satt zu werden oder vielleicht noch gesund zu essen, reicht längst nicht mehr. Nun ist „Nachhaltigkeit“ angesagt, um das Klima und damit letztlich den Planeten samt der darauf wandelnden Menschheit zu retten. In diesem Zusammenhang wurden von den Propagandisten einer ökologisch bewussten Ernährung diverse Mythen in die Welt gesetzt, mit denen jetzt drei neu erschienene Bücher aufzuräumen versuchen.

Das erste stammt von dem Briten Mike Berners-Lee, Professor am Institut für Soziale Zukunft an der Lancaster University, und heißt „Wie schlimm sind Bananen? Der CO₂-Abdruck von allem“. Darin steht unter anderem, dass gegen Bananen und andere Südfrüchte, welche mit dem Schiff von weither geholt würden, eigentlich nichts einzuwenden sei, wenn es um die CO₂-Bilanz gehe. Ganz im Gegensatz zu dem eingeflogenen Obst oder Gemüse, von dem sich die Veganer und Vegetarier im Winter zu ernähren pflegen.

Vegane Butter schadet Regenwald

Der zweite Titel „Köche, hört die Signale!“ kommt als „Ein kulinarisches Manifest“ daher. Sein Verfasser ist der Schweizer Koch und „Ernährungsaktivist“ David Höner. Der arbeitet sich ebenfalls an den Veganern ab, welche ihre Essgewohnheiten als das Nonplusultra der nachhaltigen Lebensweise preisen: Wer beispielsweise auf tierische Fette verzichte und statt dessen Butter aus Kokosöl verwende, tue der Umwelt absolut nichts Gutes. Denn für die Produktion von Kokosöl müsse noch deutlich mehr Regenwald gerodet werden als für die Herstellung von Palmöl, dessen ökologische Bilanz ebenfalls verheerend sei.

Hierauf verweist auch die Österreicherin Cornelia Diesenreiter, welche Umwelt- und Bioressourcenmanagement studierte, in „Nachhaltig gibt’s nicht“. Die Inhaberin eines Geschäfts auf dem Wiener Schwendermarkt, in dem vor der Vernichtung bewahrte Lebensmittel auf möglichst umweltverträgliche Art und Weise weiterverarbeitet und an eine ökobewusste Kundenklientel verkauft werden, bringt noch weitere Beispiele für den Etikettenschwindel unter dem Deckmantel der sogenannten Nachhaltigkeit. 

Plastik wäre besser, aber ...

So muss sie ihre Produkte in Pappkartons an den Mann bringen, weil die Leute das so wollen. Dabei hätten Plastikverpackungen einen sechs Mal kleineren „ökologischen Fußabdruck“. Aber was zähle, so die desillusionierte Unternehmerin weiter, sei vielfach eben nicht die Logik oder das wissenschaftliche Argument, sondern das Image: Wer zur „Szene“ dazugehören wolle, brauche sein „Jutesackerl“ und verteufele jegliches Plastik.

Ansonsten sind sich alle drei Autoren darüber einig, dass man aufhören solle, Selbstkasteiung und Verzicht zu predigen, was die Ernährung betreffe. Zudem sei es keine Lösung, die Massen der finanziell benachteiligten Menschen auf diesem Planeten zum Konsum teurer Ökoprodukte zu nötigen. Wenn die Politik tatsächlich „Nachhaltigkeit“ anstrebe, dann müsse sie entsprechend produzierte Nahrungsmittel subventionieren. Das sei allemal kostengünstiger als aufwendige Klimaschutzprojekte.