18.01.2022

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Folge 25-21 vom 25. Juni 2021 / Verkehrspolitik / Lieber teuren Deckel als günstigen Lückenschluss / Berliner Senat sorgt mit seiner wirren Schwerpunktsetzung für Kopfschütteln

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 25-21 vom 25. Juni 2021

Verkehrspolitik
Lieber teuren Deckel als günstigen Lückenschluss
Berliner Senat sorgt mit seiner wirren Schwerpunktsetzung für Kopfschütteln

Berlins Stadtautobahn A 100 gehört neben dem Kölner Ring zu den Autobahnabschnitten in Deutschland, die am stärksten befahren werden. Als die Bundesanstalt für Straßenwesen im Jahr 2015 eine Zählung durchführte, ermittelte sie dabei die Zahl von 168.000 Fahrzeugen, die täglich auf dem Berliner Stadtring unterwegs sind. Der Senat hat nun eine Überdeckelung der A 100 zwischen Knobelsdorffbrücke und Kaiserdammbrücke über eine Machbarkeitsstudie prüfen lassen. 

Die beauftragte Firma Deutsche Einheit Fernstraßenplanung und -bau (Deges) hat abschreckend hohe Kosten ermittelt: Soll der Autobahnabschnitt samt S- und Fernbahngleisen auf 300 Metern Länge komplett unter einem Betondach verschwinden, ist nach den Berechnungen mit Kosten von 280 Millionen Euro zu rechnen. Etwas günstiger schneidet eine Variante ab, bei der lediglich links und rechts die Fahrbahnen unter einer Betondecke verschwinden und die Bahngleise in der Mitte der Verkehrsschneise weiter offen bleiben. Die Kosten dieser Variante beziffert die Deges auf 148 Millionen Euro.

Hohe Folgekosten kommen dazu

Hauptargument des Senats für den Deckel ist vor allem der Lärmschutz für die Anwohner. Ob die Pläne angesichts der hohen Kosten tatsächlich umgesetzt werden, ist allerdings offen. Neben den reinen Baukosten ist nämlich auch noch mit erheblichen Aufwendungen für den Unterhalt zu rechnen. Bei einer angenommenen Nutzungsdauer von 70 Jahren ermittelte die Deges für die Volldeckelung zusätzliche Kosten für den Unterhalt von 190 Millionen Euro.

Sehr viel preiswerter ist dagegen ein Lückenschluss im Berliner U-Bahnnetz zu haben. Im Berliner Südwesten müsste die U-Bahnlinie 3 nur um einige Hundert Meter verlängert werden, um am Mexikoplatz eine neue Umsteigemöglichkeit zur Wannseebahn der S-Bahn zu schaffen. Bislang ist Krumme Lanke die Endstation der U3. Mit der Streckenverlängerung würde die U-Bahnlinie beim S-Bahnhof Mexikoplatz enden. Verkehrsplaner und erstaunlicherweise auch alle Parteien sind sich einig, dass die Strecke gebaut werden soll. 

Seit hundert Jahren baubereit

Trotzdem kommt das Projekt nicht voran. Bislang ungeklärt ist vor allem die Finanzierung. Die Kostenschätzungen belaufen sich auf etwa 49 Millionen Euro. Aus Sicht des Senats besonders attraktiv ist die Aussicht, dass möglicherweise der Bund 75 Prozent der Baukosten übernimmt. Dazu müsste Berlin jedoch über eine Untersuchung ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis des Projekts nachweisen. Für das Vorhaben bedeutet dies allerdings eine weitere Verzögerung um zwei Jahre. 

Mit Glück könnte der kurze Lückenschluss im Jahr 2030 bereits fertig sein. Der Platz für die Strecke wird mittlerweile schon seit fast hundert Jahren von Bebauung freigehalten. Bereits in den 1930er Jahren hatte der Bauunternehmer Adolf Sommerfeld Pläne, die U-Bahnlinie sogar bis nach Kleinmachnow zu verlängern. Der Sommerfeld-Konzern hatte Ende der 1920er Jahre die Kosten für eine Verlängerung der U-Bahnlinie von der Station Thielplatz bis Krumme Lanke übernommen und der Stadt Berlin damit drei Kilometer U-Bahn geschenkt.   N.H.