18.01.2022

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Folge 25-21 vom 25. Juni 2021 / Steuervermeidung / Superreiche in den USA zahlen kaum Steuern / Doch wie sich Jeff Bezos, Elon Musk und George Soros verhalten, ist völlig legal

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 25-21 vom 25. Juni 2021

Steuervermeidung
Superreiche in den USA zahlen kaum Steuern
Doch wie sich Jeff Bezos, Elon Musk und George Soros verhalten, ist völlig legal
Wolfgang Kaufmann

Dass Multi-Milliardäre in den Vereinigten Staaten relativ wenig Steuern zahlen, ist bekannt. Allerdings drangen bisher kaum konkrete Einzelheiten hierzu an die Öffentlichkeit. Nun hat die US-Investigativ-Plattform „ProPublica“ Zugang zu vertraulichen Daten der Bundessteuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) erlangt und diese am 8. Juni unter dem Titel „Fundgrube noch nie dagewesener Aufzeichnungen, die zeigen, wie die Reichsten Einkommensteuern vermeiden“ ins Internet gestellt.

Die Auflistung zeigt das riesige Ausmaß der Steuerminimierung durch die Geltendmachung herbeigerechneter Verluste seitens der 25 vermögendsten US-Bürger während der Jahre 2003 bis 2018. So zahlte der Amazon-Chef Jeff Bezos, inzwischen reichster Mensch der Welt, 2007 und 2011 keinen einzigen Cent Einkommensteuer. Dieses Kunststück gelang auch Tesla-Gründer Elon Musk im Jahre 2018. Ebenso überwies der berüchtigte „Unternehmensplünderer“ Carl Icahn zwei Jahre lang nichts an den Fiskus. Und der Investor und „Philanthrop“ George Soros drückte sich sogar drei Jahre in Folge um jegliche Einkommensteuer.

Wie „ProPublica“ errechnete, lag der Steuersatz von Musk zwischen 2014 und 2018 bei 3,27 Prozent. Noch weniger zahlte Bezos in diesen fünf Jahren, nämlich 

0,98 Prozent. Der Spitzenreiter der Steuervermeidung war die derzeitige Nummer Sechs in der Forbes-Rangliste der reichsten Personen weltweit, der Großinvestor Warren Buffett. Sein Vermögen wuchs von Anfang 2014 bis Ende 2018 um 24,3 Milliarden Dollar. Trotzdem berappte er nur 23,7 Millionen Dollar Steuern. Das sind 0,1 Prozent vom erzielten Einkommen.

3,4 Prozent Durchschnittsteuersatz

Letztlich betrug der durchschnittliche reale Steuersatz der US-Super-Reichen zwischen 2014 und 2018 rund 3,4 Prozent. Zum Vergleich: Das mittlere Einkommen aller US-Haushalte lag im fraglichen Zeitraum bei 70.000 Dollar pro Jahr, die mit 14 Prozent besteuert wurden. Der Spitzensteuersatz belief sich auf 37 Prozent und galt ab einer Grenze von 628.300 Dollar.

Die Steuervermeidungsstrategien sind nach US-Recht legal. Dennoch verzichteten die meisten der 25 Multi-Milliardäre auf eine Stellungnahme gegenüber „ProPublica“. Der Amazon-Chef reagierte überhaupt nicht und Tesla antwortete auf eine entsprechende Anfrage der Plattform lediglich mit „?“ Der Börsen-Guru Buffett, der in der Vergangenheit immer wieder öffentlich höhere Steuern für Spitzenverdiener gefordert hatte, erklärte, er plane  doch ohnehin, 99 Prozent seines Vermögens für wohltätige Zwecke zu stiften.

Die investigativen Journalisten von „ProPublica“, die bereits vier Mal mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurden, erhielten die brisanten Daten zu den Einkommensteuererklärungen der Superreichen auf anonymem Wege. Für den IRS-Chef Charles Rettig ist diese unautorisierte Weitergabe eine schwere Straftat. Deshalb laufen nun Ermittlungen, um die Verantwortlichen zu finden.