29.01.2022

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Folge 25-21 vom 25. Juni 2021 / USA / Damals Japan – heute China / Wie heute das Reich der Mitte versuchten die Vereinigten Staaten bereits vor 80 Jahren das Land der aufgehenden Sonne in die Enge zu treiben

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 25-21 vom 25. Juni 2021

USA
Damals Japan – heute China
Wie heute das Reich der Mitte versuchten die Vereinigten Staaten bereits vor 80 Jahren das Land der aufgehenden Sonne in die Enge zu treiben
Wolfgang Kaufmann

In dem von der einzigen verbliebenen Supermacht losgetretenen aktuellen Handelskrieg gegen China geht es nur vordergründig um die Verringerung des eigenen Handelsbilanzdefizits sowie den Schutz geistigen Eigentums und die Verhinderung unerwünschter Technologietransfers. Vielmehr wollen die USA vor allem einem zu stark gewordenen geopolitischen Rivalen schaden, indem sie seine Wirtschaft sabotieren. Das provoziert nicht nur ökonomische Gegenmaßnahmen, sondern auch militärisches Säbelrasseln auf Seiten Pekings. Und das wiederum hat nur so lange keine dramatischen Folgen für den Frieden in der Welt, wie die USA daran scheitern, den Kontrahenten in eine aussichtslose Lage zu lavieren und zum – angesichts des militärischen Kräfteverhältnisses momentan noch selbstmörderischen – Losschlagen zu nötigen. 

Diese derzeitige US-Politik gegenüber China ähnelt dem Vorgehen der USA gegen Japan in der Zeit zwischen 1937 und 1941. Damals gelang es den USA, den asiatischen Widerpart mit dem Rücken an die Wand zu drängen und zur Auslösung eines Krieges zu provozieren, den er nicht gewinnen konnte.

Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges strebten die USA danach, zur unangefochtenen Weltmacht aufzusteigen. Das bekam auch das fernöstliche Kaiserreich Japan zu spüren, das bis 1918 aufseiten der Alliierten gekämpft hatte, dann aber mit den Beschlüssen der Washingtoner Seemächtekonferenz von 1921/22 zur politisch-militärischen Zweitklassigkeit verdammt wurde. Die japanische Kriegsflotte durfte fortan nur noch reichlich halb so stark sein wie die amerikanische. Das sollte gewährleisten, dass die USA den gesamten Pazifikraum dominieren konnten. 

Wirtschaftskrieg aus Rivalität

In der Folgezeit litt der dergestalt gedemütigte, aber wirtschaftlich immer stärker auftrumpfende Inselstaat unter Rohstoffmangel. Desgleichen suchte er händeringend nach Siedlungsraum für seine stark wachsende Bevölkerung. 

Hieraus resultierte ein zunehmendes militärisches Engagement Nippons auf dem ostasiatischen Festland, beginnend mit der Annexion der Mandschurei ab 1931 über den Beginn des Zweiten Sino-Japanischen Krieges im Juli 1937 bis hin zur Stationierung von Truppen in Französisch-Indochina auf der Basis mehrerer Vereinbarungen mit der dortigen Kolonialverwaltung unter dem Generalgouverneur Jean Decoux ab Juli 1940.

Die US-Führung, an deren Spitze seit März 1933 der neue demokratische Präsident Franklin Delano Roosevelt stand, wertete all dies als Gefährdung der Interessen der Vereinigten Staaten. Deshalb entfesselte Washington einen sich stufenweise steigernden Wirtschaftskrieg gegen Japan, um das Land daran zu hindern, seinen Einfluss in Ostasien auszudehnen.

Der Beginn dieses Konflikts datiert auf den 5. Oktober 1937. An jenem Tage hielt Roosevelt seine berühmt gewordene Quarantäne-Rede, in der er erstmals offen über die weitreichenden weltpolitischen Ambitionen der USA sprach sowie zugleich Wirtschaftssanktionen gegen Länder wie Deutschland, Italien und Japan androhte, was Joseph Grew, als „schwerwiegenden Fehler“ bezeichnete.

Im Prinzip wollte Roosevelt unter dem Vorwand, die Interessen Chinas zu wahren, Japan ökonomisch in die Ecke drängen und von allen wichtigen Ressourcen abschneiden. Dabei kalkulierte er ein, dass dem Kaiserreich dann keine andere Wahl mehr blieb, als mit allen Mitteln um sein Überleben zu kämpfen. 

Vorgeschichte von Pearl Harbor

Den Worten des Präsidenten folgte im Juli 1939 die Ankündigung, den 1940 auslaufenden amerikanisch-japanischen Handelsvertrag nicht mehr zu verlängern. Darüber hinaus trat im Oktober 1940 ein Embargo in Kraft, dass die Lieferung strategisch wichtiger Güter wie Schrott und Flugbenzin nach Japan massiv einschränkte. Tokio reagierte hierauf im März 1941 mit der Entsendung von Nomura Kichisaburō als Botschafter nach Washington. Der vormalige Außenminister führte anschließend mehr als 40 Gespräche mit dem US-Außenminister Cordell Hull, durch die der Konflikt entschärft werden sollte. Dabei stellte Hull ständig neue Forderungen an Japan, ohne in substantieller Weise auf die Angebote der Gegenseite einzugehen. 

Am 21. Juni 1941, übergab Hull Nomura eine Verbalnote, die ein kaum verhohlenes Ultimatum war. Aus Sicht der USA, so der Inhalt, könnten die Verhandlungen nur dann zum Erfolg führen, wenn Japan sich vom Dreimächtepakt mit Deutschland und Italien distanziere sowie eine Friedensregelung mit China finde, deren Details von Washington abgesegnet werden müssten. Japan verwies daraufhin vergeblich auf seine eigenen früheren Vorschläge.

Wegen weiterer Truppenverlegungen nach Französisch-Indochina verhängten die Vereinigten Staaten im Verein mit Großbritannien und Niederländisch-Indien Ende Juli 1941 ein vollständiges Erdöl-Embargo gegen Tokio und sperrten die Konten des Kaiserreiches in den USA. Damit war klar, dass die japanischen Ölreserven ohne die Inbesitznahme der Erdölfelder Südostasiens in wenigen Monaten verbraucht sein würden, denn der Inselstaat förderte selbst nur etwa ein Zehntel seines Bedarfes an dem Rohstoff. Außerdem stoppten die USA am 4. August noch jeglichen Schiffsverkehr zwischen ihren Häfen und Japan.

Tokio reagierte hierauf einerseits mit der Generalmobilmachung, andererseits aber auch mit abermaligen Gesprächsangeboten einschließlich des Vorschlages eines persönlichen Treffens zwischen Roosevelt und dem japanischen Premierminister Fürst Konoe Fumimaro. 

Der US-Präsident versteifte sich jedoch auf seine ablehnende Haltung, sodass alle weiteren Initiativen des Kaiserreiches sowie das formelle Friedensangebot des neuen japanischen Regierungschefs, General Tōjō Hideki, vom 17. November 1941 ins Leere liefen. 

Das Fass zum Überlaufen brachte dann eine weitere Verbalnote Hulls vom 26. November, die noch ultimativer gehalten war als jene vom 21. Juni. Da befand sich der japanische Angriffsverband bereits seit einigen Stunden auf dem Wege nach Pearl Harbor, und niemand in der Tokioter Führung sah nunmehr noch einen Grund, diesen zur Umkehr zu veranlassen.





Kurzporträts

Der mit Franklin D. Roosevelt befreundete US-Diplomat Joseph Grew war von 1932 bis 1941 Botschafter in Japan und leitete 1945 das Außenministerium

Der US-amerikanische Jurist und Politiker Cordell Hull war von 1933 bis 1944 Außenminister seines Landes und bekam 1945 den Friedensnobelpreis

Japans Außenminister 1939 und 1940, Nomura Kichisaburō, war nach dem Kriegsende nicht verfemt. So war er von 1954 bis zum Lebensende Oberhausmitglied