18.01.2022

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Folge 26-21 vom 02. Juli 2021 / Altes Testament / Das Rätsel einer legendären Königin / In einem historischen Roman interpretiert Sigurd Göttlicher die sagenumwobene Reise der Königin von Saba zum jüdischen König Salomon

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 26-21 vom 02. Juli 2021

Altes Testament
Das Rätsel einer legendären Königin
In einem historischen Roman interpretiert Sigurd Göttlicher die sagenumwobene Reise der Königin von Saba zum jüdischen König Salomon
Dagmar Jestrzemski

Man mag sich wundern, dass Sigurd Göttlicher nicht der erste Autor ist, der ein Buch über die Königin von Saba und ihre legendenumwobene Begegnung mit dem jüdischen König Salomo in Jerusalem, der Hauptstadt des von König David errichteten Großreichs in Kanaan, geschrieben hat. Die Quellenlage ist dürftig: In den biblischen Geschichten finden sich Ungereimtheiten, und auch die sonstigen Überlieferungen ergeben keinen Beweis für die Existenz der Königin von Saba. Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse darüber, ob das Treffen der beiden Herrscher in der Mitte des 10. Jahrhunderts vor Christus tatsächlich stattgefunden hat. 

Göttlichers ebenso sachkundiges wie fantasievolles Werk „Die Königin aus Saba“ ist eine Art Mischprodukt aus Roman und Sachbuch. Den Autor des Romans „Die Geschichte des feinen Königs David“ und eines Buches über den Schiffbau in der Antike hat das Rätsel um die Identität der jemenitischen Fürstin fasziniert, desgleichen ihre Motivation für die lange Reise durch die Wüste von ihrer Residenz in Marib zum Hofe König Salomos. Für ihn ergab sich unter Rückgriff auf gesicherte Quellen zur Landeskunde ein reizvoller Spielraum für eigene Interpretationen. 

Zog die Sabäerfürstin mit ihrer langen Karawane wirklich nur nach Jerusalem, um dem für seine Weisheit und seinen Reichtum berühmten König Salomo einige Rätselfragen zu stellen? Es ging dabei vor allem um Handelskontakte und kulturellen Austausch, ist sich Göttlicher sicher. In seiner Schilderung pendelt er zwischen der Rolle eines  subjektiven Berichterstatters und der eines allwissenden Erzählers.

Man erfährt Einzelheiten über Bewässerungsanlagen im sabäischen Reich, über Seehandelsfahrten bis nach Indien und Südafrika in einer Zeit des Friedens und Wohlstands. Das finale Kapitel der Geschichte der Königin von Saba handelt von der ebenso rätselhaften Überlieferung aus der heiligen Stadt Aksum im Norden Äthiopiens. Gemäß einem äthiopischen Mythos haben König Salomo und die schöne Fürstin aus dem Süden einen Sohn gezeugt, Menelik, der in Aksum residiert und das Kaiserreich Abessinien gegründet haben soll. Auf ihn führt die Salomonische Dynastie der äthiopischen Kaiserfamilie ihren Ursprung zurück. Nach äthiopisch-orthodoxer Tradition wird in der Kirche der Heiligen Maria von Zion zu Aksum die Bundeslade aufbewahrt, das heiligste Kultobjekt der Israeliten, über deren Verbleib andernorts viel spekuliert wird. Göttlicher bietet eine Antwort auf die Frage an, wie die Bundeslade nach Äthiopien gelangt sein könnte. 

Sigurd Göttlicher: „Die Königin aus Saba. Ein historischer Roman“, Erich Weiß Verlag, Bamberg 2021, gebunden, 216 Seiten, 17,50 Euro