27.01.2022

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Folge 27-21 vom 09. Juli 2021 / Für Sie gelesen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-21 vom 09. Juli 2021

Für Sie gelesen

In schwieriger Zeit

Mit dem Band „Quintus und der Feuerreiter“ ist die Romantrilogie von Thomas Persdorf über den jungen, hochbegabten Journalisten Quintus Schneefahl vollständig. In den ersten beiden Bänden erzählt der 1941 geborene Autor, ein promovierter Tiermediziner, von Quintus als Reporter im Ersten Weltkrieg und vom Beginn seiner journalistischen Karriere im Berliner Außenamt. 

Im vorliegenden Buch bilden die politischen Ereignisse der Weimarer Republik bis zum schwarzen Januar 1933 eine mit dem beruflichen Alltag des Protagonisten verknüpfte Handlungsebene, neben den sehr interessanten Einblicken, die der Leser in das private Leben des Quintus Schneefahl erhält. 1923 wird Quintus persönlicher Pressereferent Kurt von Schleichers, dem Leiter des politischen Referats im Truppenamt und engen Mitarbeiter des Generals Hans von Seeckt. 

Dieser erhält 1929 als Chef eines neu errichteten Ministeramts im Rang eines Generalmajors zunehmend politischen Einfluss. Schleichers schwankende Haltung und des greisen Reichspräsidenten Hindenburg Rolle während des Aufstiegs der Nationalsozialisten machen Quintus’ Arbeit durchaus kompliziert. Er selbst, der konservativ und nationalliberal eingestellt ist, schreibt Artikel mit kritischen Untertönen über die Staatsmacht und wird von denselben Sorgen geplagt wie sein Chef. „Der apokalyptische Reiter, Schneefahl, ich sehe ihn auf uns zukommen. Sein Pferd – feuerrot. Und der auf ihm sitzt, wird ermächtigt, der Erde den Frieden zu nehmen, damit die Menschen sich gegenseitig abschlachten.“ Das kursiv gestellte Zitat ist authentisch. 

Dialog im Berliner Milieu

Damit kontrastieren die kurzweiligen Momentaufnahmen aus dem ebenfalls nicht unkomplizierten Privatleben des Protagonisten. Dieser ist inmitten der schwierigen Zeitverhältnisse durch seine Festanstellung zwar wirtschaftlich begünstigt, aber immer noch auf der Suche nach einer dauerhaften Liebesbeziehung. Davon erzählt Persdorf flott mit lebhaften, pointierten Dialogen, die aus den zeittypischen Berliner Milieus gegriffen scheinen. 

Den Demagogen Adolf Hitler kann von Schleicher durch seinen Zähmungs- und Abnutzungsplan nicht verhindern, auch nicht durch eine letzte verzweifelte Aktion nach seiner Berufung zum Reichskanzler am 3. Dezember 1932. In diesem Jahr ist Quintus endlich glücklich verheiratet und hat zwei kleine Töchter. Das Glück bleibt ihm hold: Wenige Tage nach dem Reichstagsbrand kann er sich mit seiner Familie in die Schweiz absetzen. Im schweizerischen Neuchâtel (Neuenburg) übernimmt er eine Gastprofessur. Hilfreich beim Lesen sind die mit einem Sternchen versehenen Textstellen, zu denen im Anhang inhaltliche Erläuterungen geboten werden. Dagmar Jestrzemski

Thomas Persdorf: „Quintus und der Feuerreiter. Roman“, Copyright Shaker Media, Düren 2019, broschiert, 493 Seiten, 14,90 Euro