17.01.2022

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Folge 28-21 vom 16. Juli 2021 / Karl Steinhoff / Mehr als einmal der Erste

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 28-21 vom 16. Juli 2021

Karl Steinhoff
Mehr als einmal der Erste

Karl Steinhoff war nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur von 1946 bis 1949 der erste Ministerpräsident erst der Provinz und dann des Landes (Mark) Brandenburg, sondern auch nach der Gründung der DDR von 1949 bis 1952 deren erster Innenminister. Der am 24. November 1892 in der Kreisstadt Herford, Provinz Westfalen geborene Beamtensohn studierte nach Schulbesuch und Abitur unter anderem auch in Königsberg Jura. 1921 schloss er das Studium mit der Promotion ab. 

Die Beamtenkarriere des Juristen begann 1922 im Reichsdienst. Im darauffolgenden Jahr trat er in die SPD ein und wechselte in den Dienst des im Gegensatz zur Weimarer Republik traditionell SPD-geführten Freistaates Sachsen. Mitte der 20er Jahre wechselte er dann ein weiteres Mal, diesmal in die Dienste des durch seinen Parteifreund Otto Braun geprägten Freistaates Preußen. Dort stieg er erst zum Landrat in Zeitz, 1928 zum Vizepräsidenten im Regierungsbezirk Gumbinnen und im darauffolgenden Jahr schließlich zum stellvertretenden Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen auf. 

Als Folge des sogenannten Preußenschlags 1932 zunächst beurlaubt, wurde er im Jahr darauf von den Nationalsozialisten endgültig entlassen. Erst 1940 fand er in der Privatwirtschaft eine Anstellung als Syndikus einer Kartonagengroßhandlung in Berlin. 

Nach dem Ende von Krieg und NS-Herrschaft wurde der Sozialdemokrat 1945 von den Sowjets als Verwaltungs- beziehungsweise Regierungschef der Provinz Mark Brandenburg eingesetzt. Ganz im Sinne der neuen Machthaber setzte sich Steinhoff im folgenden Jahr für die Vereinigung von SPD und KPD ein, da er der Ansicht war, nur eine solche Zusammenarbeit hätte 1933 Adolf Hitlers Machtübernahme verhindern können. Bei der gesamtdeutschen Ministerpräsidentenkonferenz 1947 trat er allerdings nachdrücklich für die deutsche Einheit ein. 

Steinhoff blieb noch bis 1949 im Amt. Zu seinem Nachfolger als brandenburgischer Ministerpräsident wurde der Kommunist Rudolf Jahn gewählt. Er selbst wurde vier Tage nach der Gründung der DDR deren erster Innenminister. Auch in diesem Amt folgte ihm ein Kommunist, nämlich 1952 Willi Stoph. Politisch kaltgestellt, lebte das einstige SPD-Mitglied zurückgezogen und vielleicht deshalb auch geehrt bis zu seinem Tode am 19. Juli 1981 in Wilhelmshorst bei Potsdam.W.R./M.R.