26.01.2022

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Folge 28-21 vom 16. Juli 2021 / Lektüre zum 20. Juli / Verschiedene Zugänge zu den NS-Gegnern / Im Buchangebot findet sich sogar die Gattung „Graphic Novel“, und auch Hans Scholl erfährt eine biographische Würdigung

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 28-21 vom 16. Juli 2021

Lektüre zum 20. Juli
Verschiedene Zugänge zu den NS-Gegnern
Im Buchangebot findet sich sogar die Gattung „Graphic Novel“, und auch Hans Scholl erfährt eine biographische Würdigung

Mangel an Literatur über Opposition und Widerstand gegen den Nationalsozialismus ist nicht zu beklagen. Sucht man nach einem Überblick über Ereignisse und Zusammenhänge des 20. Juli 1944 in einem zu beherrschenden Umfang, so sei auf den in Verbindung mit einer Ausstellung zum 75. Jahrestag des Geschehens im Militärhistorischen Museum Dresden entstandenen Band „,Der Führer Adolf Hitler ist tot.‘ Attentat und Staatsstreichversuch am 20. Juli 1944“ hingewiesen, herausgegeben von Magnus Pahl und Armin Wagner im be.bra-Verlag. 

Dem Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg wird hier zwar – erwartungsgemäß – auch breiter Raum gewidmet, aber auch viele andere Persönlichkeiten des Widerstands werden zumindest greifbar, so Carl Friedrich Goerdeler oder Julius Leber. Das Buch enthält zudem eine ambitionierte Darstellung der „Persönlichen Netzwerke der Beteiligten“. Das nicht immer auf allgemeinen Konsens stoßende „Gedenken in Bundesrepublik und Bundeswehr“ wird ebenso behandelt. 

Gefälschte Stauffenberg-Briefe

Vor allem aber vermittelt das Werk, welches zum Teil auch Katalog ist, durch eine Vielzahl von Fotos und abgedruckten Dokumenten ein ganzes Stück Atmosphäre der damaligen Zeit. Und, das darf als Besonderheit oder Kuriosum bewertet werden, es ist inzwischen selbst ein Stück Wissenschaftsgeschichte. Ausgestellt und entsprechend in den Katalog aufgenommen wurden auch – inhaltlich wenig relevante – Schreiben Stauffenbergs, die sich inzwischen als Fälschung erwiesen haben. Unstimmigkeiten sind bereits bei den Erläuterungen zu den Briefen vermerkt, aber die Tatsache, dass ihre Echtheit erst einmal nicht grundsätzlich in Zweifel gezogen wurde, zeigt, wie stark die Zauberkraft des Namens ist, der wie kein anderer für den 20. Juli steht.

Im Trend befindet sich ein ebenfalls anlässlich des 75. Jahrestages des Staatsstreichversuchs gewählter, bislang eher ungewohnter Zugriff auf die Thematik. In Form einer Bildergeschichte – auch auf dem deutschen Markt als „Graphic Novel“ bezeichnet – erzählt Niels Schröder mittels Sprechblasen und Zeichnungen der Akteure, die mäßig geschickt an den von historischen Aufnahmen bekannten Gesichtern orientiert sind, die „Biographie eines Tages“, des 20. Juli 1944 (ebenfalls be.bra-Verlag). 

Auch vom Duktus her dürfte dieses Werk eher für junge oder mit der Thematik noch nie in Berührung gekommene Leser gedacht sein – wobei sich die Frage stellt, ob eine solche Vermittlung über den Umweg von ungelenken Malereien stattfinden muss.

Unter der umfangreichen Literatur zu den Themen „Scholl“ und „Weiße Rose“ ragen die Veröffentlichungen des Theologen Robert M. Zoske heraus. Klassische Biographien hat er sowohl Hans Scholl („Flamme sein!“, C.H. Beck-Verlag) als auch Sophie Scholl („Es reut mich nichts“, Propyläen-Verlag) gewidmet, die unter Berücksichtigung einer Vielzahl von Originaltönen die Werdegänge nachzeichnen. Hans Scholl wird auf diese Weise wieder ein wenig von seiner die allgemeine Erinnerung dominierenden Schwester emanzipiert. Und die Sophie-Scholl-Biographie sollte man ruhig lesen, bevor man ein komplettes Verdammungsurteil über „Jana aus Kassel“ spricht.  E.L.