18.01.2022

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Folge 28-21 vom 16. Juli 2021 / Vertriebenendenkmal in Arsfeld / Geschichte hat kein Verfallsdatum / Die Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler weiht restauriertes Wegekreuz in Arsfeld ein

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 28-21 vom 16. Juli 2021

Vertriebenendenkmal in Arsfeld
Geschichte hat kein Verfallsdatum
Die Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler weiht restauriertes Wegekreuz in Arsfeld ein

Das Vertriebenendenkmal in Alsfeld wurde unter Beteiligung einer Projektgruppe des Albert-Schweitzer-Gymnasiums wieder eingeweiht.

„Wir sind Kinder von der Eger…“ so schallten die Klänge der bekannten böhmischen Blasmusik von Ernst Mosch, dargeboten vom Musikverein Leusel bei strahlendem Sonnenschein über dem heißen Alsfelder Marktplatz. Anlass für die erste Präsenzveranstaltung nach langer Zeit mit Vertretern aus Politik, Verbänden und Einwohnerschaft war die Wiedereinweihung des Vertriebenendenkmals, zu welcher Hessens Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, ein Grußwort sprach und die Grüße der Landesregierung überbrachte. 

Das Vertriebenendenkmal war vor vielen Jahren auf Initiative der Sudetendeutschen Landsmannschaft auf dem Alsfelder Ludwigsplatz errichtet worden und besteht aus einem Holzpfahl mit mehreren Hinweisschildern in Richtung der Herkunftsorte, aus denen die Heimatvertriebenen stammten: Königsberg, Marienburg, Berlin, Breslau, Troppau, Stettin, Danzig und Eger. Anhand der Kilometerangaben werden die Entfernungen zu den genannten Städten deutlich, so zum Beispiel Eger: 300 Kilometer, Breslau: 600 Kilometer, Königsberg: 1000 Kilometer.

Über die Jahre war das Holz des Vertriebenendenkmals brüchig geworden und hatte eine Restaurierung nötig gemacht. In der Region Alsfeld waren nach dem Zweiten Weltkrieg 5000 Heimatvertriebene aufgenommen worden. „Dieser Wegweiser erinnert sehr konkret an die Vertreibung dieser Menschen aus der Heimat. Denn er nennt nicht nur die Orte in den ostdeutschen Herkunfts-Regionen wie West- und Ostpreußen, Schlesien und das Sudetenland, sondern verdeutlicht auch anhand der Kilometerangaben, welch weite Strecken die Heimatvertriebenen zurücklegen mussten. Dies geschah unter großen Strapazen zu Fuß oder in Vertriebenentransporten, bei denen die Menschen in Güterwaggons dicht gedrängt unter schlimmen Bedingungen nach Westdeutschland verfrachtet wurden. An all diese Not, das zwangsweise Verlassen der geliebten Heimat und die Zerschlagung der Lebensgrundlage von Millionen Menschen soll dieses Denkmal erinnern“, verdeutlichte Margarete Ziegler-Raschdorf. 

Hervorzuheben sei die Initiative der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Landesverband Hessen – bei der Gedenkfeier vertreten durch den Vorsitzenden des BdV- und der Sudetendeutschen Landsmannschaft-Hanau Lothar Streck und der Stadt Alsfeld unter Bürgermeister Stephan Paule, ein morsches Vertriebenendenkmal nicht einfach abzuräumen, weil seine Zeit abgelaufen sei, sondern zu restaurieren. Für dieses Vorhaben habe sie als Landesbeauftragte gerne eine Förderung aus Landeskulturmitteln unterstützt. Geschichte habe kein Verfallsdatum. 

„Besonders freue ich mich über die großartige Initiative von Oberstudienrat Michael Rudolf, der mit seiner Projektgruppe des Albert-Schweitzer-Gymnasiums die Eröffnungsveranstaltung mitgestaltete. Seine Schülerinnen und Schüler hatten Informationen zu jeder genannten Stadt des Wegweisers erarbeitet, welche die jungen Leute bei großer Hitze bemerkenswert konzentriert den anwesenden Gästen vorstellten. 

Dem Beispiel folgen

Das bemerkenswerte Engagement von Rudolf und seiner Schülergruppe macht große Freude. Es zeigt, dass es möglich ist, für diesen Teil deutscher Geschichte das Interesse der jungen Generation zu wecken. So plant die Schüler-Projektgruppe, eine Broschüre über die Heimatvertriebenen in der Region Alsfeld zu erarbeiten. 

„Ich würde mir wünschen, dass viele Lehrkräfte diesem Beispiel folgen, schließlich ist die Thematik von Flucht und Vertreibung Teil des Kerncurriculums Geschichte für die gymnasiale Oberstufe in Hessen. Als Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler ist es meine Aufgabe, darauf zu achten, dass die Erinnerung an das Schicksal der Heimatvertriebenen wachgehalten und auch an die nächsten Generationen weitergegeben wird. Daher ist das Engagement des Albert-Schweitzer-Gymnasiums nicht hoch genug zu loben“, so Hessens Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, abschließend.

HMDIS, Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler 

HMDIS, Margarete Ziegler-Raschdorf, Friedrich-Ebert-Allee 12, 65185 Wiesbaden, www.vertriebenenbeauftragte.hessen.de