25.01.2022

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Folge 28-21 vom 16. Juli 2021 / Leserforum

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 28-21 vom 16. Juli 2021

Leserforum

Persona non grata

Zu: Kein Abschied von Königsberg (Nr. 26)

Der Autor hat einen schönen ausführlichen Artikel über die Umbenennung von Königsberg geschrieben, der auch für Nicht-Königsberger interessant zu lesen ist. Viele Städte, Dörfer, Straßen, Fabriken und Museen trugen seinerzeit den Namen Kalinin. Während der Perestroika wurde vom Politbüro der KPdSU ein Untersuchungsausschuss über den stalinistischen Terror eingesetzt. Darin wurde auch die Rolle Kalinins untersucht und festgestellt, dass er für den Tod (Verhaftung, Verschleppung und Erschießung) von Millionen Sowjetbürgern mitverantwortlich ist. Die Konsequenz war, den Namen Kalinin zu eliminieren und die mit ihm verbundenen Städte, Dörfer, Straßen oder Kolchosen umzubenennen.

In Moskau wurde das Kalinin-Museum in Staatliches Zentralmuseum umbenannt. U-Bahnstationen und Straßenschilder wurden mit neuen Namen versehen. In keinem Buchladen gibt es mehr Bücher über Kalinin zu finden. 

Die Stadt Twer hieß von 1931 bis 1990 Kalinin und wurde danach wieder in Twer zurückbenannt. Ebenso Koroljow, die zuvor Kaliningrad (1938–1996) mit dem Zusatz „in der Oblast Moskau“ hieß, bekam den neuen Namen.

Der Name Kaliningrad für Königsberg ist heute ein nicht zu haltender Anachronismus.

Karsten Packhäuser, Kaufering






Anerkennendes Zeichen

Zu: Am Ende eines langen Weges (Nr. 25)

Für die deutschen Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg stellt das Dokumentationszentrum „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, wenn es auch sehr spät zustande kam, ein bedeutsames, ihr Leid anerkennendes Zeichen dar. Man wundert sich allerdings, warum die Dauerausstellung unbedingt mit der aktuellen Flüchtlingsproblematik verknüpft werden musste. Als ob 14 Millionen ost-, südost- und sudetendeutsche Vertriebene und zwei Millionen Vertreibungstote nicht genug wären, um ihnen einen eigenen, alleinigen Gedenkort zu widmen. 

Das Dokumentationszentrum sollte zudem, so steht zu hoffen, vor allem die nichtvertriebenen Deutschen ansprechen und diese stetig an das gemahnen, was sie nicht zu erdulden hatten: Entrechtung, Enteignung, Internierungslager und Zwangsarbeit, demütigende Behandlung, Verjagung aus der angestammten Heimat sowie soziale Entwürdigung in der neuen „Heimat“ Restdeutschland. Und es sollte sie daran erinnern, dass die Hauptlast für die Verbrechen der Nationalsozialisten einseitig den Vertriebenen aufgebürdet wurde und ein einigermaßen gerechter „Lastenausgleich“ zwischen vertriebenen und nichtvertriebenen Deutschen nicht stattgefunden hat. 

Dr. Walter Kreul, Germering






Joppe der Erinnerung

Zu: „Vertreibung bleibt ein universelles Thema“ (Nr. 25)

Im PAZ-Gespräch mit Gundula Bavendamm (der Direktorin der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, d. Red,) hat mich der vorletzte Absatz innerlich stark angerührt, weil auch ich die Joppe aufbewahrt habe, die mich bei unserer Vertreibung am 18. Oktober 1945 durch polnische Milizionäre (darf man das noch sagen?) aus Stolp vor Regen und Kälte schützte.

Ich war damals sechs Jahre. Die Joppe hing bis auf den Boden und war normalerweise viel zu schwer für mich. Trotz allem zwischenzeitlich verloren gegangenen „Glanz“ erinnert sie mich an viele bittere Stunden und an die Heimat. Mit mir soll die Joppe – das letzte Stück Heimat – an meinem Lebensende beerdigt werden. 

Dass der Mantel des jungen Eitel Koschorreck in Berlin gezeigt wird, freut mich ebenso wie die Wertung der Leiterin des Dokumentationszentrum, den Mantel als Lieblingsexponat zu bezeichnen. 

Gottfried Loeck, Beusloe






Haackes neue Kollwitz-Pietà

Zu: Betrifft: Sozialistin und Mutter (Nr. 24)

Ich möchte etwas Wesentliches zur Rekonstruktion der Kollwitz-Statue hinzufügen. Sie erwähnen die vierfach vergrößerte Kopie der „Pietà“ von 1993, nennen aber leider nicht den Namen des renommierten Berliner Bildhauers, dem die Kunstwelt unzählige Rekonstruktionen zu verdanken hat: Harald Haacke (1924–2004). Hier kurz ein paar Details: 

Haacke, geboren 1924 in Wandlitz in der Mark Brandenburg, Schüler von Fritz Diederich, der für die Kollwitz arbeitete, Soldat und schwere Verwundung, nach dem Krieg Bildhauerstudium an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, Schüler und Meisterschüler von Professor Richard Scheibe (1897–1964), einer derjenigen auf Hitlers „Gottbegnadeten“-Liste. 1951 Georg-Kolbe-Preis (für Haacke, nicht für Scheibe!). 

Unzählige Rekonstruktionen von Reliefs und Statuen im Berliner Raum sind von Haacke kongenial ausgeführt worden: Kollwitz „Mutter mit Kindern“ auf dem Käthe-Kollwitz-Platz, Rathenau-Bronze am Rathaus Wedding, Figuren an der Schlossbrücke, Tritonenbrunnen im Tiergarten oder die Ännchen-von-Tharau-Figur in Memel [Klaipėda].

Das eigentliche Können bei der Wiederherstellung der Kollwitz-Statuette ist die Tatsache, dass das Original nur 

38 Zentimeter hoch war. Dank der persönlichen Bekanntschaft mit der Künstlerin und aufgrund der Tatsache, dass ihn seine künstlerischen Qualitäten als „einzigen Bildhauer in Berlin für eine derartige Aufgabe qualifizierten“, löste er diese Aufgabe meisterlich (so Festschrift des Käthe-Kollwitz-Museums zu seinem 70. Geburtstag 1994). 

In der gleichen Festschrift schreibt Martin Sperlich, damaliger Chef der Staatlichen Schlösser und Gärten in Berlin: „Die Kunst Harald Haackes kommt auf leisen Sohlen; es ist eine sehr stille, sehr kluge und ... gebildete Kunst.“ 

Antje Olivier, Wuppertal






Den Volksgeist getroffen

Zu: Musikalischer Volltreffer (Nr. 24)

Wie auch in Ihrem Beitrag deutlich wird, hat die Oper „Der Freischütz“, soweit man sich heute in die Zeit ihrer Entstehung hineinfühlen kann, eine ganz eigene Stellung in der deutschen Kulturgeschichte. Sie bringt Befindlichkeiten jener Jahre zum Ausdruck, die als klassisches Beispiel für die (deutsche) Romantik gesehen werden können:  Eine gewisse Euphorie des Befreit-Seins von der napoleonischen Fremdherrschaft in dieser Nachkriegszeit, verbunden mit der Rück- oder auch Neubesinnung auf die eigene Identität.

Das Lied der Brautjungfern muss den Volksgeist besonders getroffen haben, denn es gilt als der erste „Schlager“ der Musikgeschichte. 

Bestimmt spielt in dieser historischen Phase der Selbstfindung eine große Rolle, dass mit dem „Freischütz“ als der „deutschesten Oper“ (ähnlich wie schon durch Mozart) der italienischen Vorherrschaft auf diesem Gebiet der Kunst weiter etwas Eigenes entgegengesetzt wurde. Alles das muss im Zusammenhang mit der übrigen europäischen Kultur gesehen werden.

In Smetanas „Verkaufte Braut“ beispielsweise meine ich eine ähnliche Volkstümlichkeit klingen zu hören wie im soeben betrachteten „Freischütz“. Und schon sind wir bei der ganzen Tragödie Europas, das sich mit seinem Nationalismus und den blutigen Bruderkriegen in der jüngeren Vergangenheit so viel Schaden an sich selbst zugefügt hat. 

Sind nun die für seine Selbstbewahrung nötigen Kräfte verzehrt? Jedenfalls droht dieses Erbe angesichts einer aus allen Fugen wachsenden Weltbevölkerung und der daraus entstehenden Überflutung unseres Kulturkontinents im sogenannten Multikulti unterzugehen. Ob die in unserer gegenwärtigen Zivilisation massenhaft stattfindenden Kurzschlüsse zwischen den so verschieden entwickelten Kulturen eine bessere Welt hervorbringen werden, erscheint nicht nur mir wenig glaubhaft.

Gerhard Basedow, Dannenberg