20.01.2022

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Folge 29-21 vom 23. Juli 2021 / Ausstellung / Abgekupferter Raffael

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 29-21 vom 23. Juli 2021

Ausstellung
Abgekupferter Raffael
Harald Tews

Wer heute etwas in Dissertationen oder Sachbüchern abkupfert, hat schnell die Plagiatsjäger am Hals. In Zeiten, als es noch keine Fotografie gab, war das Abkupfern von Gemälden aber eine legitime Methode, um große Kunstwerke einem größeren Publikum bekannt zu machen. Der Renaissancemaler Raffael ist dadurch zu einem der einflussreichsten Künstler überhaupt geworden. Raffael selbst arbeitete mit dem Kupferstecher Marcantonio Raimondi zusammen, der auf Kupferplatten in oft monatelanger Arbeit präzise Reproduktionen von Raffaels Gemälden und Fresken anfertigte und diese vervielfältigen ließ.
In der Hamburger Kunsthalle kann man jetzt erleben, warum „Il Divino“, der Göttliche, wie Raffael genannt wurde, durch dieses Abkupfern seiner Werke bis ins 19. Jahrhundert hinein berühmter war als sein Zeitgenosse Leonardo da Vinci, dessen Nachruhm erst so richtig im 20. Jahrhundert einsetzte. Die bis zum 3. Oktober laufende Ausstellung „Raffael – Wirkung eines Genies“ hätte eigentlich schon vergangenes Jahr zum 500. Jahrestag seiner Geburt präsentiert werden sollen, musste aber Pandemie-bedingt um ein Jahr verschoben werden.
Für die Besucher ist das sogar ein Vorteil. So konnte man Lücken schließen in der 1500 Werke umfassenden und bundesweit größten Graphiksammlung, die sich mit dem Werk Raffael und seinem Kult beschäftigt. Unter den davon ausgestellten 200 Druckgraphiken ist nun auch Nicola-André Monsiaus Federzeichnung „Der Tod Raffaels“ von 1804 zu sehen, die erst kürzlich erworben werden konnte.
Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt aber auf graphischen Adaptionen von Raffael-Meisterwerken wie „Verklärung Christi (Transfiguration)“, die in Dresden hängende „Sixtinische Madonna“ mit den beiden berühmten Engeln oder das Fresko „Die Schule von Athen“ aus den Stanzen (Zimmer) des Apostolischen Palasts des Vatikans. Auch Maler wie Philipp Otto Runge oder die Nazarener um Johann Friedrich Overbeck malten kräftig bei Raffael ab und trugen so zu seiner Popularität in Deutschland bei.
Fünf kleine Original-Handzeichnungen Raffaels aus dem Besitz der Kunsthalle bilden das abschließende Schmankerl der Schau. Darüber hinaus ist das „Raffael-Album“ mit sämtlichen 1500 Graphiken digital abrufbar unter: www.hamburger-kunsthalle.de/sammlung-online