20.01.2022

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Folge 29-21 vom 23. Juli 2021 / Debatte / Ein Brite wagt, dem Dogma vom bösen Kolonialismus zu widersprechen / In seinem jüngst erschienenen Buch „Verteidigung des deutschen Kolonialismus“ nimmt sich der Politologieprofessor an der Portland State University Bruce Gilley die Schutzgebiete des Kaiserreichs vor

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 29-21 vom 23. Juli 2021

Debatte
Ein Brite wagt, dem Dogma vom bösen Kolonialismus zu widersprechen
In seinem jüngst erschienenen Buch „Verteidigung des deutschen Kolonialismus“ nimmt sich der Politologieprofessor an der Portland State University Bruce Gilley die Schutzgebiete des Kaiserreichs vor
Wolfgang Kaufmann

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges zeichneten die Siegermächte die deutsche Kolonialgeschichte in den schwärzesten Farben. Keine Lüge war zu dreist und kein Vorwurf zu abstrus, um nicht dafür herhalten zu müssen, den Raub der Kolonien des Deutschen Reiches durch den Frieden von Versailles zu legitimieren. So enthielt das „Blaubuch“ des britischen Außenministeriums über die Behandlung der Eingeborenen in den deutschen Kolonien ein wildes Sammelsurium von Propagandamythen und böswilligen Verleumdungen. Damit schlug die Geburtsstunde des Narrativs von der Kollektiv- und Erbschuld unserer Nation auch in Bezug auf die koloniale Vergangenheit.

Deutsch-Südwestafrika

Später wurde dieses vor allem von DDR-Historikern wie Horst Drechsler aufgegriffen, die mehr kommunistische Propagandisten als Wissenschaftler waren. Deren These von der strukturellen Ähnlichkeit zwischen dem Kolonialismus des deutschen Kaiserreiches und der Lebensraum-Eroberung der Nationalsozialisten schwappte nach 1968 an die Universitäten des Westens über. Und dort konstruierte Jürgen Zimmerer dann nachfolgend sogar noch einen direkten und zwangsläufigen Weg von der Ankunft der ersten Deutschen in Afrika bis zum Holocaust.

Angesichts dieser geistigen Verirrungen wurde allerdings auch Widerspruch laut, der unter anderem von Bruce Gilley kam. Der jetzige Professor für Politikwissenschaft an der Portland State University publizierte zunächst den Artikel „The Case for Colonialism“, in dem er darauf verwies, dass der Kolonialismus letztlich doch mehr Vorteile als Nachteile gebracht habe und die Herrschaft der Kolonialmächte zudem auf die breite Zustimmung der Kolonisierten gestoßen sei. Das führte zu wütenden Protesten. Gilley wurde als „Rassist“ gebrandmarkt und von einem gewalttätigen Mob bedroht. Dies hielt ihn allerdings nicht davon ab, nun das Buch „Verteidigung des deutschen Kolonialismus“ vorzulegen, in dem er seine These am Beispiel von Deutsch-Südwest- und Deutsch-Ostafrika, Kamerun, Togo, Deutsch-Neuguinea, Deutsch-Samoa und Kiautschou untermauert.

Deutsch-Ostafrika

Dabei ergreift Gilley das heißeste Eisen, nämlich Deutsch-Südwestafrika, gleich zu Beginn seiner Darstellung. Immerhin soll es dort zwischen 1904 und 1908 zum „Völkermord“ an den Herero und Nama gekommen sein. Die meisten Angehörigen dieser beiden Völker starben allerdings im Kampf oder verdursteten auf der Flucht in die Nachbarkolonien, nachdem sie bei ihrem „Aufstand“ zahlreiche Deutsche hingemetzelt, deren Vieh geraubt und Farmen niedergebrannt hatten. Darüber hinaus massakrierten sich die Herero und Nama auch gerne gegenseitig, bis die Kolonialmacht dem ein Ende setzte. Des Weiteren, so Gilley,  wären die meisten Herero wohl schon während der Rinderpest-Epidemie von 1896/97 verhungert, wenn die deutsche Kolonialverwaltung damals keine Gegenmaßnahmen ergriffen und Nahrungsmittel verteilt hätte. Zudem waren in Deutsch-Südwestafrika vergleichsweise wenige Autochthone vom deutschen Kolonialismus betroffen, weil das Gebiet extrem dünn besiedelt war.

Kamerun und Togo

Ungleich besiedelter war Deutsch-Ostafrika mit seinen acht Millionen Einwohnern. Dort erlebte der deutsche Kolonialismus eine Erfolgsgeschichte nach der anderen. Er führte zur Vertreibung der arabisch-islamischen Sklavenhändler und einem Ende der blutigen Stammeskriege einheimischer Warlords, deren letztes Aufbegehren im Maji-Maji-Aufstand niedergeschlagen wurde, sorgte für die Einrichtung von Wildreservaten, löste eine wirtschaftliche Blüte in der gesamten Region aus und brachte neben Wohlstand auch Bildung und Gesundheitsfürsorge – bei minimaler Präsenz von Kolonialbeamten und Militärs aus Deutschland.

Ähnlich lief es in Kamerun und Togo. Die Deutschen verbesserten die Lebensumstände der Menschen dort und gewannen dadurch Ansehen und Legitimität. Sie drängten die muslimischen Frauen- und Sklavenjäger zurück und sorgten dafür, dass die grausam geführten Stammesfehden aufhörten. Außerdem etablierten die Abgesandten des Reiches liberale Verwaltungsstrukturen. Die Einheimischen erhielten die Gelegenheit, zu Unternehmern zu werden und zahlreiche eigene Kakao- und Kautschuk-Plantagen zu betreiben. Ein Landraub durch Siedler fand nicht statt. So entstand eine ebenso wohlhabende wie gebildete einheimische Oberschicht. Deshalb kann es auch kaum verwundern, dass nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 117 Häuptlinge aus Kamerun an den spanischen König appellierten, sich dafür einzusetzen, dass die Deutschen bald wieder die Kontrolle über die Kolonie übernehmen.

Südsee

In der Südsee wiederum initiierte die Kolonialverwaltung vor allem den Ausbau der Häfen, damit einheimische Produkte wie Kopra und Guano gewinnbringend exportiert werden konnten. Außerdem rotteten die Deutschen den Kannibalismus aus, was von manchen Kolonialkritikern indes auch als Form von „Unterdrückung“ gegeißelt wird. Dazu kam eine Gesundheitsfürsorge, welche die Lebenserwartung der Einheimischen rapide steigen ließ.

Aus alldem zieht Gilley den berechtigten Schluss, „dass die Kolonialzeit für die Kolonisierten objektiv gewinnbringend und für die Kolonisatoren subjektiv gerechtfertigt war. Je länger ein Land kolonisiert war, umso schneller in der Folge das Wirtschaftswachstum und umso höher der Lebensstandard, der Grad an politischer Teilhabe, die Qualität der Gesundheitsversorgung, der Bildung, der Menschenrechte und der Rechtssicherheit.“ Daher sei es unsinnig, wenn frühere Kolonialmächte wie Deutschland sich auf dem Feld der internationalen Beziehungen sowie in ihrer Einwanderungs- und Entwicklungshilfepolitik „lediglich von einem fehlgeleiteten Schuldbewusstsein“ leiten ließen.

Bruce Gilley: „Verteidigung des deutschen Kolonialismus“, Manuscriptum Verlagsbuchhandlung, Lüdinghausen 2021, 199 Seiten, broschiert, 25 Euro.