21.01.2022

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Folge 29-21 vom 23. Juli 2021 / Anna Lühring / Eine Bremerin bei den Lützowern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 29-21 vom 23. Juli 2021

Anna Lühring
Eine Bremerin bei den Lützowern
Erik Lommatzsch

Im Zuge der patriotischen Begeisterung für die Erhebung gegen die napoleonische Fremdherrschaft gaben mehrere Frauen vor, Männer zu sein, um als Soldaten mit der Waffe in der Hand kämpfen zu können. Eleonore Prochaska, die im Oktober 1813 in den Reihen des Lützowschen Freikorps fiel, ist dabei sicher die prominenteste. Aber gerade zu den populären „Schwarzen Jägern“ fanden auch andere Frauen den Weg.
Die am 3. August 1796 in Bremen geborene Zimmermeistertochter Anna Lühring verließ 1814 heimlich in einer Februarnacht in der Kleidung ihres Bruders ihre Heimatstadt. Ludwig Adolf Wilhelm von Lützows Truppen waren in den Monaten zuvor mehrfach dort gewesen. Vor Jülich, das sie inzwischen belagerten, stieß Lühring zum Freikorps.
Sie behauptete, Eduard Kruse aus Oldenburg zu sein. Während der mehrwöchigen Belagerung und auch danach war sie an verschiedenen Kampfhandlungen beteiligt.
Auf dem Marsch nach Westen, in Richtung Paris, kam es zur Aufdeckung ihrer Identität gegenüber ihren Vorgesetzten. Ihr Vater, der von ihrer Flucht wenig angetan war, hatte Nachforschungen angestellt. Dennoch verblieb sie, wohl auf Aufforderung ihres Hauptmanns, bei der Truppe. Dass sie eine Frau war, wurde den meisten angeblich erst später bekannt.
Im Juli 1814 wurden nichtpreußische Freiwillige der Lützower Jäger in Berlin entlassen, auch Lühring. 122 Tage hatte sie gedient und erfreute sich inzwischen großer Bekanntheit. In der Hauptstadt wurde sie in einer wohlhabenden Familie aufgenommen. Prinzessin Marianne von Preußen lud sie ein, ebenso die Fürstin Radziwill. Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher ließ sie sich vorstellen.
In Bremen hingegen hatte ihr Vater ihr das Haus versperrt und musste erst mühsam überzeugt werden, sie wieder aufzunehmen. Schließlich kehrte sie – mit großem Aufwand verabschiedet und in der Heimat mit ebenso großem Aufwand empfangen – Anfang 1815 zurück, in Uniform. Der Berliner Kommandant, General Bogislav Friedrich Emanuel von Tauentzien, hatte ihr seine eigene Erinnerungsmedaille für 1813 und 1814 angeheftet und geschrieben, nicht „Schwärmerei, sondern allein heisse Vaterlandsliebe“ habe sie bei ihrem Vorhaben geleitet.
Allerdings geriet sie bald in Vergessenheit. Früh verwitwet, lebte sie in Hamburg-Horn in materieller Not. Eine kleine Pension wurde ihr durch den Bremer Senat erst 1860 auf Initiative eines ehemaligen Lützowers zugestanden. Am 25. August 1866 ist sie gestorben