27.01.2022

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Folge 30-21 vom 30. Juli 2021 / Hanns Seidel / Ein vergessener Gestalter Bayerns

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 30-21 vom 30. Juli 2021

Hanns Seidel
Ein vergessener Gestalter Bayerns
Erik Lommatzsch

Der Name des ehemaligen Ministerpräsidenten Hanns Seidel ist selbst in Bayern für die meisten wohl höchstens noch im Zusammenhang mit der nach ihm benannten politischen Stiftung präsent. Dabei hat er nachhaltig dazu beigetragen, die CSU zur Volkspartei zu formen und den Freistaat zum wirtschaftlichen Erfolgsmodell zu entwickeln.


Geboren wurde er am 12. Oktober 1901 in Schweinheim, heute ein Stadtteil von Aschaffenburg. Der Vater, ein Kaufmann, starb früh. Seidel wurde Rechtsanwalt. Er engagierte sich ab 1932 in der Bayerischen Volkspartei, 1933 wurde er kurzzeitig durch die Nationalsozialisten verhaftet. Nach Kriegsteilnahme und Kriegsgefangenschaft wurde er im Oktober 1945 Landrat von Aschaffenburg.


Noch im selben Jahr trat er der CSU bei. Ein Jahr später erhielt er ein Landtagsmandat. Unter Ministerpräsident Hans Ehard (CSU) wurde Seidel 1947 bayerischer Wirtschaftsminister, 1952 kam der Bereich Verkehr hinzu. Bundeskanzler Konrad Adenauer hätte ihn gern als Staatssekretär im Bonner Kanzleramt gesehen, aber Seidel lehnte ab. Er blieb Minister in Bayern, bis der SPD-Politiker Wilhelm Hoegner 1954 dort eine Regierung ohne die CSU bildete.


1955 wurde Seidel Ehards Nachfolger als CSU-Vorsitzender. Im Gegensatz zu Franz Josef Strauß, gegen den er sich in einer Kampfabstimmung durchsetzte, lag ihm der öffentliche Auftritt weniger. Das wirkte sich allerdings auch ansonsten kaum nachteilig auf seine Erfolge aus. Laut einem CSU-Kenner, dem Journalisten Roman Deininger machten Seidels organisatorische Reformen „die CSU zu der schlagkräftigen Partei, die sie bis heute ist“. Auch um die Klärung des damals äußerst problematischen Verhältnisses zwischen den Konfessionen innerhalb der CSU machte er sich verdient.
Nachdem Hoegners Regierungskoalition auseinandergebrochen war, wurde Seidel 1957 dessen Nachfolger. Die Öffentlichkeit nahm insbesondere das unter ihm auf den Weg gebrachte Lehrerbildungsgesetz wahr. Vor allem aber hatte er die Umformung des Freistaates vom Agrar- zum Industrieland im Blick.


1958 erlitt er einen Autounfall, von dem er sich nie wieder ganz erholte. 1960 trat er als Ministerpräsident zurück, ein Jahr später gab er auch den CSU-Vorsitz auf. Vor 60 Jahren, am 5. August 1961, ist Hanns Seidel in München gestorben.