25.01.2022

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Folge 31-21 vom 06. August 2021 / Demokratie / Die „multisexuelle Gesellschaft“ wird das Volk noch mehr spalten / Die immer stärkere Hervorhebung sexueller Unterschiede teilt die Bevölkerung in immer kleinere konkurrierende Grüppchen auf. Lauert dahinter eine neue Version von „Divide et impera“?

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 31-21 vom 06. August 2021

Demokratie
Die „multisexuelle Gesellschaft“ wird das Volk noch mehr spalten
Die immer stärkere Hervorhebung sexueller Unterschiede teilt die Bevölkerung in immer kleinere konkurrierende Grüppchen auf. Lauert dahinter eine neue Version von „Divide et impera“?
Wolfgang Kaufmann

Seit 2014 haben Nutzer des sozialen Netzwerkes Facebook die Möglichkeit, bei der Einstellung „Geschlecht“ aus 60 Möglichkeiten zu wählen. Statt als „Mann“ oder „Frau“ kann nun jeder auch als „androgyn“, „bigender“, „genderqueer“, „nicht-binär“, „Transmensch“, „intergender“, „Viertes Geschlecht“, „Drag“, „Transvestit“, „Zwitter“ und so weiter auftreten. Dieses Zugeständnis an eine verschwindend kleine Minderheit – selbst der bundesdeutsche Lesben- und Schwulenverband schätzt, dass sich maximal drei Prozent der Menschen keinem der beiden biologischen Geschlechter zuordnen möchten – scheint auf den ersten Blick nur ein bizarrer Auswuchs politisch korrekter Detailverliebtheit zu sein. 

Tatsächlich zeigt sich hier schlaglichtartig, mit welchem Ideenreichtum einflussreiche Persönlichkeiten und Unternehmen wie Facebook und dessen milliardenschwerer Gründer und Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg versuchen, neben der multikulturellen auch eine multisexuelle Gesellschaft zu etablieren.

Dabei sehnen einige Aktivisten die selbige schon länger herbei. So kreierte das schwul-lesbische Jugendzentrum „anyway“ in Köln 2011 das Theaterstück „Out Trips“. Es spielt im Jahr 2099, in dem keines der üblichen sexuellen Rollenbilder mehr Geltung besitzt und unzählige Formen von Sexualität existieren, welche allesamt hemmungslos ausgelebt werden. Und im Mai 2017 glaubte der Bundesverband Casting e.V. sogar, dass unsere Gesellschaft bereits multikulturell und multisexuell sei, woraus die Lobbygruppe dann sogleich die Forderung ableitete, selbiges bei der Auswahl von Schauspielern im Film und Fernsehen in noch weit stärkerem Maße als bisher zu berücksichtigen.

Nähe zur „Multikulti“-Ideologie

Gleichzeitig herrscht immer noch große Verwirrung, was mit dem schillernden Begriff „multisexuell“ eigentlich gemeint sein soll: Geht es hier nur um das Nebenher von sexuellen Orientierungen, Identitäten oder Neigungen, für die Begriffe wie Asexualität, Heterosexualität, Homosexualität, Bisexualität und Polysexualität stehen? Oder auch um die zahlreichen möglichen Verhaltensweisen und Rollenmuster auf sexuellem Gebiet – beschrieben beispielsweise durch Bezeichnungen wie „Butch“ (maskuliner Part in einer lesbischen Beziehung) oder „Drag“ (hyperfeminin auftretender schwuler Mann), die sich ebenfalls bei Facebook finden? Oder um alles zusammen? 

Und können Pädophile sowie Anhänger anderer sexueller Praktiken, welche entweder als kriminell oder pathologisch beziehungsweise gar beides gelten wie die Nekrophilie, eigentlich genauso akzeptierte Mitglieder von multisexuellen Gesellschaften sein wie die Androphilen oder Gynäkophilen mit einer irgendwie gearteten Vorliebe für (noch lebende) Erwachsene? Auf jeden Fall werden die multikulturelle und die multisexuelle Gesellschaft oft in einem Atemzug genannt. Und tatsächlich bestehen enge Verbindungen zwischen beiden Phänomenen, welche vor allem bei der Betrachtung der Schattenseiten des Multikulturalismus deutlich werden. Er beruht auf der grundsätzlichen Annahme, in einer Gesellschaft sollten möglichst viele, möglichst verschiedene ethnische und kulturelle Gruppen gleichberechtigt nebeneinander existieren. 

Allerdings birgt dieser Zustand zahlreiche Risiken. Insbesondere kommt es zur Kollision von Normen und Werten, welche nicht miteinander vereinbar sind, aber gleichzeitig allesamt Gültigkeit beanspruchen dürfen, weil es nur wenige oder gar keine universellen sittlichen Richtlinien gibt. Die aus diesem fatalen moralischen Relativismus resultierenden Konflikte werden durch Verständigungsprobleme, religiös-kulturelle Eigenheiten und mangelnde Ressourcen noch verstärkt. Die Folge waren in der Vergangenheit oft katastrophale Gewaltausbrüche. 

Selbst wenn das Schlimmste nicht eintritt, sind multikulturelle Gesellschaften zumindest sehr fragil, weil die starke interne Fragmentierung für eine Desintegration sorgt. Der deutsch-französische Grünen-Politiker und damalige Dezernent des neu eingerichteten Amts für multi-kulturelle Angelegenheiten in Frankfurt am Main, Daniel Cohn-Bendit, beschrieb diese Nebenwirkungen von „Multikulti“ bereits 1991 höchst zutreffend mit folgenden Worten: „Die multikulturelle Gesellschaft ist hart, schnell, grausam und wenig solidarisch … ; sie hat die Tendenz, in eine Vielfalt von Gruppen und Gemeinschaften auseinanderzustreben und ihren Zusammenhalt … einzubüßen.“

60 oder mehr Geschlechter

Andererseits gibt es dennoch Grenzen, was diese Atomisierung der Gesellschaft betrifft. Denn viele der nebeneinander existierenden Gruppen bleiben auch unter der Ägide des Multikulturalismus intern weiterhin solidarisch und veränderungsresistent. Wer also eine Gesellschaft wirklich radikal umbauen und jeglichen Widerstand dagegen ersticken will, der muss die Menschen noch stärker in die gegenseitige Entfremdung treiben und ihren Zusammenhalt untergraben, als es mittels „Multikulti“ möglich ist. Und hier kommt nun das Konzept der multisexuellen Gesellschaft ins Spiel: Wenn jemand sich verstärkt über seine geschlechtliche Identität, Orientierung und Neigung definiert und daraufhin dann auch der jeweiligen Gruppe Gleichgesinnter zuzuordnen beginnt, erodiert zugleich seine Bindung an die bisherige soziale Gruppe – vielfach entstehen dadurch sogar ganz neue, bislang nie dagewesene Konfliktlinien. Stehen also in einer multikulturellen Gesellschaft die Gläubigen einer Religion oder die Angehörigen einer Ethnie noch relativ fest zusammen, so ändert sich das in dem Moment, in dem diese Menschen anfangen, sich nicht mehr einfach nur als Mann oder Frau zu sehen, sondern als Vertreter von einem von 60 oder gar mehr Geschlechtern.

Die multisexuelle Gesellschaft schafft somit keineswegs mehr Freiheit, sondern ist – genau wie die multikulturelle Gesellschaft – die Eintrittskarte in eine Welt noch größerer Unfreiheit. Denn sie ermöglicht die weitere Optimierung der „Spalte und herrsche“-Strategie („Divide et impera“), welche sich in jüngster Zeit immer deutlicher als perfektes Unterdrückungsinstrument erweist.