14.08.2022

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Folge 31-21 vom 06. August 2021 / Naturschönheit / Der Kurpark in Bad Polzin / 1939 war er der zweitschönste Deutschlands, nach Wiesbaden

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 31-21 vom 06. August 2021

Naturschönheit
Der Kurpark in Bad Polzin
1939 war er der zweitschönste Deutschlands, nach Wiesbaden
Brigitte Stramm

Das Heilbad Bad Polzin in Hinterpommern hat eine lange Tradition. 1337 das erste Mal als Stadt genannt, wurde es 1866 als Kurbad bekannt. Viele berühmte Persönlichkeiten kurten hier und verliehen dadurch dem Kurort eine spezielle Bedeutung. 1712 war Herzog Ferdinand von Kurland ein prominenter Gast. Königin Luise, nach ihr wurde auch eine Quelle und Kurhaus benannt, war dort und 1823 gründete Friedrich-Wilhelm III. das gleichnamige Bad. Otto von Bismarck weilte ebenfalls gerne in Bad Polzin.

1836 wurde der Kurpark im französischen Stil errichtet, ab 1902 entstand ein englischer Park entlang der Wugger – beide  sind bis heute gut erhalten. Es gab dazu einen Rosen-, Terrassen- und Alpengarten, die in dem weitläufigen Gelände ineinander übergingen. Auch heutzutage ist der Kurpark ein Besuchermagnet in dem historischen Kurort, der jetzt Połczyn Zdrój heißt – und Kuren in den historischen Häusern anbietet.

Dank des Gartenbautechnikers Otto Schäfer verfügen wir über eine interessante Dokumentation des Kurparks aus deutscher Zeit. Schwärmerisch und versiert berichtete er über den Baum- und Pflanzenbestand Folgendes: „Zwischen zerstreut liegenden Felsstücken, die von Arabis alpinum, Sedum spurium und Saxifragen überzogen sind, wachsen langstielige Königskerzen, blaublühende Ochsenzungen, die Nachtkerze mit ihren gelben Blumen und andere. Dann wieder abwechselnd in schöner Farbenharmonie Fingerkraut und Quendel. Hier wieder Phlox decussata, dort zeigen sich schon, noch etwas schwach in der Farbe, die großen Dolden der Fetthenne. Schüchtern lugen ein paar Edelweißblumen des sibirischen Rittersporns neben den gelben Blumen der Sonnenbraut und zeigen eine schöne Farbzusammenstellung.

Nahe am Bachesrand stehen Schwertlilien, Zwergschwertlilie, großblättrige Riesensteinbrech und alle möglichen Moosarten in wildromantischer Weite. Geschmackvolle gepflanzte Koniferen erhöhen den Naturcharakter der Alpenpartie. Die in den Bergen beheimatete Latschen- oder Krummholzkiefer scheint auch hier sich wohl zu fühlen. Die rotbeerige Zwergmispel kriecht über den Boden und bildet mit dem kriechenden Wacholder und der behaarten Alpenrose den Übergang zur Umrandung des Alpinums.

An den Ufern des Sees verschiedene  Arten von Laub- und Nadelhölzern. Ich will nur die seltensten Bäume nennen, wie den Eschenahorn, Schwarzahorn, Silberahorn, Tatarischer Ahorn, Ostasiatischer Ahorn, Pennsylvanischer Ahorn, morgenländische Platana. Von den Kastanienarten fallen besonders die Chinesische Kastanie und die essbare Kastanie auf. Am Rande des Sees steht eine Gruppe verschiedener Erlen, die Japanische Erle, die Kaukasische Erle. Dort wieder eine Gruppe Birken, unter denen sich auch seltene Exemplare befinden, zum Beispiel die Papierbirke und die Turkestanische Birke.

Wunderschöne Silberpappeln mit ihren weißfilzigen Blättern stehen neben der ständig zitternden Populus tremula. Einzelne besonders seltene Bäume, als Solitärpflanzen alleinstehend, erwecken mein besonderes Interesse. Es ist der in seinem Astaufbau eigenartig wirkende Geweihbaum und der ein Mittelding zwischen Laub- und Nadelbaum darstellende Ginkgobaum, doch scheint diesem das pommersche Klima nicht zuzusagen, denn sein Wachstum ist kümmerlich. Dagegen scheint der Götterbaum sich wohler zu fühlen. Durch eine blühende Rosenpergola betreten wir den Rosengarten. Rosen und abermals Rosen, wohin wir schauen! Alles in wundervoller Abwechslung. Hier scheint die Rosenpracht noch intensiver als am Brunnenplatze, weil das Gärtchen von der Pergola, die über und über mit Rosen besetzt ist, eingeschlossen wird. Vor dem Kurhause fällt das Gelände terrassenartig ab, bepflanzt mit schlanken Thuja columna. Dunkelgrüne Zypressen und schön gewachsene Blautannen geben dem Ganzen ein fremdartiges Gepräge. Dichte breite Thujahecken umrahmen die Sitzplätze und gewähren dem Ruhenden sicheren Schutz gegen etwaige kühle Winde.“