24.01.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Folge 31-21 vom 06. August 2021 / Lexikon / Modische Sprache / Wie die Ausdrucksweise Jugendlicher sich im Laufe der Zeit verändert hat

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 31-21 vom 06. August 2021

Lexikon
Modische Sprache
Wie die Ausdrucksweise Jugendlicher sich im Laufe der Zeit verändert hat
Silvia Friedrich

Neues von Duden „Jugendsprache fasse ich als eine Sprechweise, mit der sich junge Menschen nach außen sowohl von Älteren als auch von anderen Jugendlichen abgrenzen und die nach innen als eine Art Erkennungszeichen wirkt“, sagt Matthias Heine in seinem Buch „Krass. 500 Jahre deutsche Jugendsprache“. 

Wer glaubt, dass die Sprache der jüngeren Generation eine schnelllebige Verfallserscheinung sei, wird eines Besseren belehrt, denn Jugendsprache gab es in Deutschland bereits seit etwa 500 Jahren, erläutert Heine. In Luthers Tischgesprächen oder Goethes kleinen handschriftlichen Sammlungen von Studentenwörtern sei sie schon dokumentiert. Die vornehmlich aus Studentenkreisen stammende Jugendsprache hatte langfristig einen starken Einfluss auf die deutsche Standardsprache. Studententumulte sind ebenfalls keine Erfindung des 20. Jahrhunderts. An den Unis vor 250 Jahren seien die Jugendlichen viel krawalliger als heute aufgetreten, so Heine. Hochschulen seien schon immer Orte der Unzucht, des Suffs und der Gewalt gewesen. Begriffe wie „Tumult und Randale“ entstanden hier. 

Abgesehen vom französischen und Rotwelschen Einfluss auf die Studentensprache bürgerten sich auch jiddische Begriffe ein wie „schofel“ von hebräisch „safal“ für „schlecht, armselig, erbärmlich“. Die ehemals männlich dominierte Jugendsprache wird seit etwa 20 Jahren durch die sozialen Medien wie Instagram und TikTok zunehmend auch durch weibliche Elemente verstärkt. Wenn die jungen Menschen von heute ahnten, dass das Wort „krass“, das heute zu einer allgemein genutzten Lobvokabel genutzt wird, bereits 250 Jahre „auf dem Buckel“ hat! Damals jedoch mit einer anderen Bedeutung. 

Das Buch lässt einen enormen Fundus an Informationen erkennen, der den Lesern eine vergnügliche, lehr- und aufschlussreiche kulturhistorische Sprachreise durch fünf Jahrhunderte ermöglicht. 

Matthias Heine: „Krass: 500 Jahre deutsche Jugendsprache“, Duden Verlag, Berlin 2021, gebunden, 272 Seiten, 18 Euro