23.04.2024

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Folge 32-21 vom 13. August 2021 / Quereinsteiger / Von den Folgen der eigenen Politik überrascht / Viele Bundesländer bildeten zu wenig Lehrer aus und sind nun auf Akademiker ohne Lehramtsstudium angewiesen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 32-21 vom 13. August 2021

Quereinsteiger
Von den Folgen der eigenen Politik überrascht
Viele Bundesländer bildeten zu wenig Lehrer aus und sind nun auf Akademiker ohne Lehramtsstudium angewiesen

Im Jahr 2013 einigte sich die Kultusministerkonferenz der Länder darauf, Akademiker, die eine Qualifizierung durchlaufen haben, unter bestimmten Bedingungen als Lehrer anzuerkennen. Bundesweit hat mittlerweile jeder zehnte neueingestellte Lehrer kein Lehramtsstudium absolviert. Wie stark auf Quer- und Seiteneinsteiger zurückgegriffen wird, ist in den Ländern sehr unterschiedlich. 

Hamburg, Bayern und Baden-Württemberg haben in der Vergangenheit über den eigenen Bedarf Lehrer ausgebildet. Auch diese Länder bekommen nun den bundesweiten Wettbewerb um qualifizierte Lehrer stärker zu spüren. Die östlichen Bundesländer inklusive Berlin, aber auch Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind schon seit Jahren in erheblichem Umfang auf sogenannte Quereinsteiger als Lehrer angewiesen. Um bei der Suche nach Lehrern mit einem regulären Lehramtsstudium bessere Chancen zu haben, hat Sachsen 2019 eine Kehrtwende eingeleitet. Bis dahin hat der Freistaat wie Berlin Lehrer nicht verbeamtet. Der Mangel an Lehrern führte jedoch dazu, dass der Freistaat inzwischen Lehrern wieder eine Verbeamtung anbietet.

Die bundesweite Personallücke bei Lehrern hat mehrere Gründe. Generell gilt, dass die Kultusministerkonferenz bei ihren Prognosen zu Schülerzahlen in den vergangenen Jahrzehnten öfter danebenlag. Obwohl Bundes- und Landesregierungen intensiv für die Idee vom „Einwanderungsland Deutschland“ getrommelt haben, ging die Kultusministerkonferenz jahrelang von bundesweit sinkenden Schülerzahlen und einem dementsprechend sinkenden Bedarf an Lehrern aus. 

Diese Annahme ist spätestens seit 2015, seit der großen Massenzuwanderungswelle, hinfällig. Auch der von der Politik erwünschte Ausbau an Angeboten für Ganztagsschulen sorgt für einen steigenden Bedarf an Lehrpersonal. Die beiden Bildungsforscher Dirk Zorn und Klaus Klemm prognostizierten 2018 in einer Studie der Bertelsmann Stiftung, dass allein an den Grundschulen Deutschlands bis 2025 aufgrund steigender Schülerzahlen und des Ausbaus der Ganztagsschulen rund 105.000 neue Lehrkräfte eingestellt werden müssten. Demgegenüber steht die geschätzte Zahl von lediglich 70.000 Absolventen, die bis 2025 ihr Lehramtsstudium abschließen werden.

Viele Bundesländer haben zudem zu wenig Nachwuchs eingestellt. Nun müssen diese Länder mit einer hohen Zahl von Pensionierungen kämpfen. Obendrein bewegen sich schon seit einigen Jahren die Zahlen von Lehrern auf hohem Niveau, die vorzeitig in den Ruhestand gehen. Lediglich jede vierte Lehrkraft arbeitet noch bis zum Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze. N.H.