24.01.2022

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Folge 32-21 vom 13. August 2021 / Inflation / Die Notenbanken in der Zwickmühle / Höhere Preisanstiege sind kaum noch zu vermeiden – Eine Umverteilung und Entwertung von Sparerguthaben sind daher absehbar

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 32-21 vom 13. August 2021

Inflation
Die Notenbanken in der Zwickmühle
Höhere Preisanstiege sind kaum noch zu vermeiden – Eine Umverteilung und Entwertung von Sparerguthaben sind daher absehbar
Konrad Badenheuer

In Deutschland und weiteren Ländern sind die Preise zuletzt deutlich gestiegen. Alles spricht dafür, dass die Inflation weiter anzieht. Eigentlich müsste das die Europäische Zentralbank (EZB) auf den Plan rufen, doch die gibt sich gelassen, fast abgebrüht. Tatsächlich hätte sie auch kaum mehr Möglichkeiten, die absehbare Inflationswelle zu verhindern.

Die Zahl lässt Böses ahnen: Die Erzeugerpreise in Deutschland lagen im Juni um stolze 8,5 Prozent höher als vor einem Jahr. So hoch war diese Rate zuletzt im Krisenjahr 1982. Vor allem die massiv gestiegenen Rohstoffpreise, aber auch höhere Energie- und Arbeitskosten haben den Preisschub verursacht. Zuletzt kletterte diese Rate in „Euroland“ sogar auf noch nie dagewesene 10,2 Prozent. 

Alles spricht dafür, dass die höheren Erzeugerpreise schon bald an die Verbraucher weitergegeben werden. Diese haben in der Zeit des Lockdown wenig ausgeben können. Jetzt sitzt bei vielen das Geld etwas lockerer und der Handel kann seine höheren Einkaufspreise auf die Endkunden überwälzen. 

Ein Blick ins Ausland bestätigt, dass die von vielen totgeglaubte Inflation wieder da ist. Die USA meldeten im Juni eine Rate von 5,4 Prozent, im Januar waren es erst 1,4 Prozent gewesen. Auch mehrere Euroländer verzeichnen jetzt Inflationsraten von deutlich über drei Prozent.

EZB reagiert gelassen

Die EZB hat auf diese Zahlen mehr als gelassen reagiert. Sie hat sogar zu verstehen gegeben, dass ihr etwas mehr Inflation geradezu willkommen ist. Lautete das sogenannte Inflationsziel der EZB bisher knapp unter zwei Prozent, so verkündete EZB-Präsidentin Christine Lagarde zuletzt, dass die EZB nun eine Inflationsrate von zwei Prozent im mehrjährigen Durch-schnitt anstrebe. Da die Preise in Euroland in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt nur um ein Prozent jährlich angestiegen sind, heißt das im Klartext, dass die Verantwortlichen für den Euro eine Geldentwertung von rund zehn Prozent im Laufe mehrere Jahre hinnehmen würden – zusätzlich zu den ohnehin angestrebten zwei Prozent im Jahr.

Für Sparer sind das schlechte Nachrichten. Gerade die Deutschen halten große Beträge auf Girokonten oder in Form von Sparbriefen, Anleihen und Renten-fonds mit vielfach negativen Zinssätzen. Auch Girokonten haben inzwischen faktisch negative Zinssätze, weil fast alle Banken Kontoführungsgebühren verlangen. Und bei größeren Beträgen werden direkt „Verwahrentgelte“ für das angelegte Geld in Rechnung gestellt.

Es ist eine simple Rechnung: Wer eine zehnjährige Bundesanleihe mit einer Verzinsung von minus 0,5 Prozent jährlich hat, bei dem sind die ersten fünf Prozent Wertverlust fest vereinbart. Kommen dazu drei Prozent Inflation pro Jahr, so ergibt sich ein am Ende ein massiver realer Verlust von 35 Prozent.

Viele Anleger warten deswegen darauf, dass die Notenbanken endlich reagieren und die historisch beispiellos niedrigen Zinsen anheben. Das allerdings würde zu massiven Verwerfungen führen: Der Konsum und die Konjunktur würden einbrechen und viele Staaten könnten ihre Schulden kaum mehr bedienen. Erkennbar auch deswegen hält die EZB an ihrer Politik des leichten Geldes fest.

Bis zu 35 Prozent realer Verlust

Allerdings könnten die Zinsen am Ende sogar ganz ohne Zutun der Notenbanken kräftig steigen. Wenn viele Anleger gleichzeitig Angst vor Inflation bekommen und deswegen langlaufende Anleihen verkaufen, denn sinken deren Kurse. Das führt unmittelbar zum Anstieg der entsprechenden Renditen, also der langfristigen Zinsen. Die Notenbanken könnten gegen diese Entwicklung praktisch nichts mehr tun: So viele Anleihen können sie gar nicht aufkaufen. Schon der bloße Versuch wäre mit einem explosionsartigen Anstieg der Geldmenge verbunden und mit einer dann nur noch schneller steigenden Inflation.

Letzte Ursache für dieses Dilemma der Notenbanken ist die extrem lockere Geldpolitik seit der Weltfinanzkrise des Jahres 2009. Die Eurogeldmenge stieg seitdem von vier auf knapp elf Billionen Euro – viel schneller als die reale Wirtschaft. Die Menge der in Umlauf befindlichen Dollars (die sogenannte Geldmenge M1) explodierte im selben Zeitraum sogar von zwei auf 19 Billionen. Irgendwo dazwischen liegt die Expansion der Geldmenge in Großbritannien und Japan. Damit wurde weltweit die Grundlage für eine kräftige Geldentwertung gelegt, die nun kaum mehr zu verhindern ist.