24.01.2022

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Folge 32-21 vom 13. August 2021 / Bundesverdienstorden / Bei Deutschlands klassenlosem Orden heißen die Klassen „Stufen“ / Vor 70 Jahren stifte Bundespräsident Theodor Heuss die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung der Bundesrepublik

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 32-21 vom 13. August 2021

Bundesverdienstorden
Bei Deutschlands klassenlosem Orden heißen die Klassen „Stufen“
Vor 70 Jahren stifte Bundespräsident Theodor Heuss die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung der Bundesrepublik
Manuel Ruoff

Während die erste deutsche Republik gänzlich auf Orden verzichtete, kam die Bundesrepublik nur zwei Jahre ohne aus. Anfänglich versuchte Nachkriegswestdeutschland, statt mit Orden mit wertvollen Sachgeschenken seinen Dank zum Ausdruck zu bringen, doch monierte bereits der erste Bundespräsident, Theodor Heuss, dass Porzellanservice oder Ähnliches sich nicht an den Frack hängen ließen. Der erste Bundeskanzler, Konrad Adenauer, betrachtete Orden als eine Hilfe, „breite Volksschichten in eine innere Verbundenheit zum heutigen Staat zu bringen“. Auch die sozialdemokratische Opposition stand einem Verdienstorden nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, wünschte die klassenlose Gesellschaft jedoch wenigstens in der Ordensgemeinschaft realisiert zu sehen. 

So stiftete der Bundespräsident am zweiten Gründungstag der Bundesrepublik Deutschland einen klassenlosen Verdienstorden „in dem Wunsche, verdienten Männern und Frauen des deutschen Volkes und des Auslandes Anerkennung und Dank sichtbar zum Ausdruck zu bringen“. 

Da ungeachtet der von den Sozialdemokraten gewünschten Klassenlosigkeit einige Ordensträger gleicher sein sollten und wollten, wurde als (verlogene) Lösung eine ungewöhnliche Einteilung in Stufen gewählt. Dabei orientierte man sich mehr oder weniger an der traditionellen Klasseneinteilung. 

Ursprünglich stand ganz unten das Verdienstkreuz am Bande. Es folgte das an der Brust zu tragende Steckkreuz, das später in Verdienstkreuz 1. Klasse umbenannt wurde. 

Oberhalb des Verdienstkreuzes rangiert das Große Verdienstkreuz. Dieses Große Verdienstkreuz wird von Herren am Halsband und von Damen an der Damenschleife getragen. Das nächstfolgende Große Verdienstkreuz mit Stern beinhaltet einen zusätzlichen vierzackigen Bruststern und wurde 1952 noch einmal unterteilt in das Große Verdienstkreuz mit Stern und das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband. 

Es folgt das Großkreuz. Bei ihm ist der Bruststern sechszackig und das Schulterband mit Bundesadlern durchwirkt. An der Spitze steht seit 1955 die Sonderstufe des Großkreuzes. Bei ihr hat der Stern acht Spitzen und sind die Bundesadler auf der Schärpe seit 1977 von Hand gestickt. Die Sonderstufe wird grundsätzlich nur an amtierende Staatsoberhäupter und deren Ehegatten verliehen. Eine Ausnahme bildet Michail Gorbatschow, der bei seiner Auszeichnung 1999 schon nicht mehr Staatsoberhaupt war. 

Obwohl Adenauer sicherlich der für die Bundesrepublik prägendste Deutsche war, war für ihn mit dem Großkreuz grundsätzlich Schluss, da er nie die Weihen eines Staatsoberhauptes erreichte. So wurde für ihn 1954 ein Großkreuz in besonderer Ausführung geschaffen, um ihn von den anderen Großkreuzträgern abzusetzen. Bei diesem ist der goldene Schild mit dem Bundesadler im Zentrum des gold eingefassten roten Kreuzes von einem ebenfalls goldenen Lorbeerkranz umgeben. Zudem ist die Rückseite des Schulterbandes rot unterfüttert. Außer Adenauer wurde auch dessen selbsternannter Enkel Helmut Kohl zum Abschluss von dessen politischer Karriere im Jahre 1998 auf diese besondere Weise geehrt. 

Auch am unteren Ende der Skala wurde das Stufensystem weiter ausdifferenziert. Als neues Einstiegsmodell wurde 1955 die Verdienstmedaille geschaffen.