17.01.2022

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Folge 32-21 vom 13. August 2021 / Psychologie / Lügner verraten sich selbst / Gesten, Wörter, Blutfluss: Es gibt viele Anzeichen, die einen Schwindler entlarven können

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 32-21 vom 13. August 2021

Psychologie
Lügner verraten sich selbst
Gesten, Wörter, Blutfluss: Es gibt viele Anzeichen, die einen Schwindler entlarven können
Wolfgang Kaufmann

Jeder Mensch lügt mehrmals am Tag. Manche Psychologen beziffern die Zahl der Lügen auf durchschnittlich eine pro Stunde, andere wollen herausgefunden haben, dass wir in einen zehnminütigen Gespräch etwa drei Mal unwahre verbale Botschaften aussenden. Das geschieht oft aus Höflichkeit, Angst oder Egoismus – manchmal wird aber auch ganz systematisch gelogen, um andere zu manipulieren. Insofern kann es sehr hilfreich sein, zu erkennen, wenn das Gegenüber es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt.

Der erste, der in den 1960er Jahren im großen Stil auf diesem Gebiet zu forschen begann, war der Lügenexperte Paul Ekman, welcher zuletzt an der University of California in San Francisco lehrte und vorrangig auf mimische oder andere nonverbale Merkmale schaute. Dabei entwickelte Ekman sein Konzept der Mikroexpressionen. Das sind extrem flüchtige Gesichtsausdrücke, die nur für Sekundenbruchteile gezeigt werden und verraten, was in einem Menschen tatsächlich vorgeht. Jedoch treten solche Anzeichen für Lügen relativ selten auf und sind zudem auch schwer zu beobachten. 

Wenn die Nase rot wird

Deshalb suchten andere Wissenschaftler nach besser geeigneten Signalen und wurden dabei schließlich in mehreren Fällen fündig. Lügner versuchen sich selbst stärker zu kontrollieren, als jemand, der die Wahrheit sagt. Daraus resultieren Einschränkungen bei den Bewegungen der Extremitäten sowie beim Kopfnicken. Zudem nimmt der Blutfluss in Richtung Nase zu. Des Weiteren schaffen es die Schwindler nicht, ihre komplette Mimik zu beherrschen. Das gelingt zumeist nur bei der Mundpartie. Und dann wären da noch die Gesten, welche verräterisch wirken können: Wer die Wahrheit sagt, bevorzugt zeigende Gesten, wohingegen Lügner mehr metaphorische Gesten einsetzen, wie zum Beispiel das Ballen der Faust als Symbol für Stärke oder Wut.

Andere Lügenforscher konzentrieren sich dahingegen auf den Inhalt und die Struktur der verbalen Aussagen. Sie vertreten die Ansicht, dass man Falschangaben am ehesten daran erkenne, dass sie relativ vage daherkommen. So falle beispielsweise die übermäßige Verwendung von Wörtern wie „manchmal“, „vielleicht“, „teilweise“, „ziemlich“ oder  „wahrscheinlich“ auf.

Signale sind oft schwer zu erkennen

Allerdings versprechen beide Herangehensweisen keine allzu großen Erfolge. Wenn Versuchspersonen, die auf das eine oder das andere achten, Lügen von wahren Aussagen unterscheiden sollen, liegt ihre Trefferquote nur bei 54 Prozent. Da kann man in Prinzip auch raten oder eine Münze werfen. Das gilt sogar für den Fall, dass Eltern ihre eigenen Kinder beim Lügen ertappen sollen. Und auch vermeintliche Profis wie Richter, Polizisten und Psychiater erzielen keine besseren Ergebnisse.

Das bewog die Sozial- und Rechtspsychologin Kristina Suchotzki von der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz zu einer anderen Taktik: Sie fahndet nun nach kombinierten verbal-nonverbalen Anzeichen für die erhöhte Anstrengung, welche mit dem Lügen einhergeht. Denn wer lüge, so Suchotzki, müsse sowohl seine Gedanken als auch seine Gefühle in den Griff bekommen.