26.01.2022

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Folge 33-21 vom 20. August 2021 / Kolumne / Sommernachts- Ereignis

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 33-21 vom 20. August 2021

Kolumne
Sommernachts- Ereignis
Vera Lengsfeld

Es gibt sie noch – die Lichtblicke mitten im Corona-Frust, wo sich der von Politikwillkür und Behördenversagen geplagte Zeitgenosse erholen und wieder Hoffnung schöpfen kann. Einer dieser Lichtblicke ist das Globe Berlin, ein ganz besonderes Theaterprojekt. Nach eigener Aussage möchten die Betreiber zu einem „kulturellen Höhepunkt“ Berlins werden.

Das ist ihnen gelungen. Sie bieten Theater vom Feinsten. Bis zum Wiederaufbau des hölzernen Theaterhauses bespielt das Ensemble einen aus Versatzstücken des künftigen Baus zusammengesetzten offenen Ort, dessen runder Innenraum eine unmittelbare Verbindung zwischen Schauspielern und Publikum herstellt. Das funktioniert so gut wie im nachgebauten Globe aus Shakespeares Zeiten in London, nur ist es noch intimer, unmittelbarer. Die magische Wirkung der Vorstellungen, die das Publikum von Anfang an in ihren Bann ziehen, beruht allein auf der Darstellungskunst der Schauspieler.

Wenn es nach der Pause dunkel wird und der Mond der Szenerie zusätzlichen Reiz verleiht, gibt es nichts mehr, das ein solches Theatererlebnis noch steigern könnte. Tatsächlich ist gelungen, was sich die Akteure vorgenommen hatten: Wie in Shakespeares Zeiten die darstellende Kunst in direktem Kontakt zu erfahren. Was Globe bietet, ist echtes Volkstheater. Also: Wer sich etwas Gutes tun und gleichzeitig dem um sein Überleben spielenden Projekt Unterstützung zukommen lassen möchte, sollte sich nach Berlin-Charlottenburg aufmachen.

In diesen Corona-Zeiten sind wir alle aufgefordert, uns zum Stellenwert von Kunst und Kultur zu positionieren, wozu die Betreiber auffordern. Künstlerisches Schaffen gehört essenziell zur Lebensqualität. Wir wären geistig, emotional und seelisch ärmer, wenn es Kunst und Kultur nicht mehr gäbe. Wir dürfen nicht zulassen, dass „Andere darüber entscheiden wollen, ob, wie, wo und was wir leben, relevant sei“ (Globe-Programm). Es ist an uns, das unmissverständlich klar zu machen!