17.01.2022

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Folge 33-21 vom 20. August 2021 / Brände in der Türkei / Tee-Almosen für die Opfer / Erdoğan gerät wegen mangelnden Krisenmanagements und zunehmender Realitätsferne in die Kritik

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 33-21 vom 20. August 2021

Brände in der Türkei
Tee-Almosen für die Opfer
Erdoğan gerät wegen mangelnden Krisenmanagements und zunehmender Realitätsferne in die Kritik

Die Türkei wird von den verheerendsten Feuerstürmen seit Menschengedenken heimgesucht. Regierung und Behörden wirken in der Krise völlig überfordert. Staatschef Recep Tayyip Erdoğan wirft bei einem Besuch im Brandgebiet aus dem fahrenden Bus Teepäckchen heraus für die Menschen, die ihre Häuser verloren haben.

Seit Tagen lodern die Brände in den Wäldern an der Westküste der Türkei bis zur türkischen Riviera im Süden. Einwohner und Touristen sind auf der Flucht vor den Flammen. Funktionierende Wasserlöschflugzeuge, die einzige Hoffnung gegen die Katastrophe, besitzt die Türkei keine und musste sie bei Nachbarstaaten anfordern, mit denen das Land dank Erdoğans Politik eigentlich verfeindet ist. Anstatt mit Löschflugzeugen hatte der türkische Präsident sein Land in den letzten Jahren mit Drohnen aufgerüstet, die es im Krieg gegen Armenien um Berg Karabach im Herbst 2020 eingesetzt hatte. 

Angesichts der fehlenden Löschflugzeuge in der Türkei war das Volk gegen die eigene Regierung aufgebracht. Das zeigte sich bei einem Besuch Erdoğans in Marmaris, einer von den Bränden stark beeinträchtigten Stadt an der Ägäis. 

Drohnen statt Löschflugzeuge 

Erdoğan wollte sich vor Ort ein Bild von den Ausmaßen der Zerstörung machen und mit den Betroffenen sprechen. Dabei ereignete sich bei dem Konvoi des türkischen Präsidenten ein kurioses Schauspiel, das auf einem Video festgehalten wurde, welches seitdem auf Twitter kursiert und dort für ordentlich Spott über Erdoğan sorgt. Darauf zu sehen ist, wie der Konvoi des Präsidenten bei Nacht durch die Straßen von Marmaris fährt.

Der 67-Jährige steht im Urlaubshabit dabei an der offenen Tür eines großen Reisebusses und blickt auf die am Straßenrand stehenden Opfer. Viele Nutzer mokieren sich darüber, dass Erdoğan die – nach den teilweise existenzbedrohenden Waldbränden – erhitzten Gemüter der Einheimischen offenbar glaubt, mit Tee-Almosen beruhigen zu können.

Dass Erdogan, der die Muslime weltweit gerne als Opfer instrumentalisiert,  keinerlei Empathie gegenüber wirklichen Opfern kennt, hatte er bereits bei einem Besuch nach dem Grubenunglück mit 300 Toten in dem Ort Soma im Jahr 2014 gezeigt, als er dort einen demonstrierenden Bergarbeiter, der gegen die Korruption in der Bergwerksverwaltung demonstrierte, einen Tritt versetzte und ihn verhaften ließ. 

Auch Soma liegt in der Ägäisregion der Türkei, die bis 1923 von christlichen Griechen besiedelt war. Obwohl die Griechen vertrieben wurden, gilt auch heute noch die Region als sehr liberal, Erdoğans Partei AKP erhält in dieser Region traditionell ihre schlechtesten Wahlergebnisse.   

Die Demonstranten in den Brandgebieten halten dem Präsidenten vor, dass er kein einziges einsatzfähiges Löschflugzeug besitzt und zunächst auch Hilfsangebote aus westlichen Ländern abgelehnt habe, weil „alles unter Kontrolle” sei. Erdoğan wähnte bei der Brandkatastrophe „Sabotage” und „Verräter” am Werk, „die unser Land in Brand stecken”. Regierungstreue Medien griffen die Verschwörungserzählung begeistert auf, um nicht die wahren Schuldigen zu suchen. Der von seinen Kritikern als „Sultan” verspottete Staatschef hatte sich in den letzten Jahren zu seinem offiziellen Palast in Ankara, auch an der Ägäis einen Sommerpalast mit 300 Zimmern bauen lassen, das Geld für den 62 Millionen Euro teuren neo-osmanischen Palast fehlte für den Brandschutz. 

Geld für Brandschutz fehlt

Viele Türken fragen sich angesichts dieser Bilder, ob Erdoğan den Kontakt zur Realität verloren hat. Seine Protzpaläste und Prestigeprojekte wie immer größere Moscheen, die leer stehen, und der ökologisch gefährliche und ökonomisch unsinnige „Kanal Istanbul”, das chaotische Corona-Krisenmanagement und nun das flammende Inferno in den türkischen Wäldern treiben das Land immer mehr in die Krise und viele Türken in den Ruin. Die Inflation erreicht täglich neue Rekordmarken. Die schlechte Wirtschaftslage spiegelt sich in den Meinungsumfragen, in denen die Regierungspartei AKP nur noch bei 25 Prozent liegt.B.B.