27.01.2022

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Folge 33-21 vom 20. August 2021 / Ideologie / Der Abschied vom Begriff „Rasse“ ist ein Irrweg / Die Völkerfamilien der Erde sind alles andere als gleich. Das hat auch massive Folgen für die Medizin

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 33-21 vom 20. August 2021

Ideologie
Der Abschied vom Begriff „Rasse“ ist ein Irrweg
Die Völkerfamilien der Erde sind alles andere als gleich. Das hat auch massive Folgen für die Medizin
Norman Hanert

Obwohl sich Union und SPD zunächst einig waren, wird das Wort „Rasse“ vor der Bundestagswahl nicht mehr aus dem Grundgesetz gestrichen. Wie der Justiziar der Unionsfraktion, Ansgar Heveling, im Juni erklärte, existiert kein Gesetzentwurf der Koalition zur Grundgesetzänderung zum Thema „Rasse“. 

Der rechtspolitische Sprecher der Union im Bundestag, Jan-Marco Luczak, meldete zudem ganz grundlegende Bedenken an: „Das Grundgesetz ist ein historisches Dokument, dessen Sprache aus dem zeitgeschichtlichen Kontext heraus verstanden werden muss.“ Luczak weiter: „Der Begriff entspricht weder dem heutigen Sprachgebrauch noch ist er wissenschaftlich korrekt. Gerade daraus zieht er aber seine besondere Wirkkraft und Schutzwirkung.“

Auch die Befürworter einer Grundgesetzänderung verweisen regelmäßig darauf, dass der Begriff „Rasse“ wissenschaftlich nicht korrekt und widerlegt sei. Häufig wird dabei zum Beleg angeführt, alle Menschen hätten etwa 99,9 Prozent ihres Erbguts gemeinsam. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich der Verweis auf die hohe genetische Übereinstimmung allerdings als kein besonders überzeugendes Argument: Auch bei Menschen und Schimpansen sind mehr als 98 Prozent des Erbguts identisch. Verblüffend hoch ist auch die genetische Ähnlichkeit von Mensch und Maus. Beide besitzen jeweils insgesamt rund 20.000 Gene. Davon haben Forscher rund 15.000 sowohl bei der Maus als auch beim Menschen ausgemacht. Die hohe Gemeinsamkeit im genetischen Bauplan von Mensch, Schimpanse und Maus zeigt: Gemessen am Gesamtumfang des Erbguts sind es relativ wenige spezielle Gene und ihre Variationen, die für die Unterschiede sorgen. 

Feiner Unterschied, große Wirkung

Den Forschern ist in den vergangenen Jahren immer stärker bewusst geworden, wie wichtig eine genaue Kenntnis solcher feinen Unterschiede beim Menschen ist, etwa in der Medizin, bei der Entwicklung von Arzneimitteln und selbst in der Lebensmittelindustrie:

15 Prozent der Europäer vertragen beispielsweise Milchprodukte schlecht, weil das entsprechende Gen für das Enzym Laktase in der Kindheit inaktiv wird. Unter den Bewohnern Südostasiens beträgt der Anteil von Menschen mit Lactoseunverträglichkeit dagegen 98 Prozent. 

Mediziner in den USA beschäftigen sich seit einigen Jahren mit der Problematik, dass etwa Asthmamittel oder Blutgerinnungspräparate bei schwarzen Patienten mitunter deutlich anders wirken als bei weißen.

Die Pharmakogenetik (Pharmaforschung unter Berücksichtigung der genetischen Ausstattung von Patienten) kämpft bislang noch immer mit einem großen Manko: Im Jahr 2019 stammten fast 80 Prozent der bislang gemachten Erbgutanalysen von Europäern, nur etwa zehn Prozent von Asiaten. Und sogar nur rund zwei Prozent der Forschungsergebnisse lagen Genome von Afrikanern zugrunde. 

Schon das wenige vorliegende Material lässt allerdings den Schluss zu, dass die genetische Vielfalt unter den Menschen Afrikas größer ist als die auf allen anderen Kontinenten. In Südafrika, Nigeria und Kamerun sind inzwischen Projekte angelaufen, den Rückstand in der afrikanischen Genomforschung abzubauen.