20.01.2022

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Folge 34-21 vom 27. August 2021 / Ruhestandsbezüge / Beamte und Frauen werden bevorzugt / Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat im Auftrag des VDK Renten und Pensionen verglichen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-21 vom 27. August 2021

Ruhestandsbezüge
Beamte und Frauen werden bevorzugt
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat im Auftrag des VDK Renten und Pensionen verglichen
Norman Hanert

Um „schockartig steigende Finanzierungsprobleme in der gesetzlichen Rentenversicherung ab 2025“ zu vermeiden, hat der wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium bereits im Juni den Vorschlag gemacht, das Renteneintrittsalter auf 68 Jahre anzuheben. Unlängst legte der Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf noch einmal nach und legte die Latte noch höher. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes erklärte: „Wir werden in den nächsten Jahren über ein Renteneintrittsalter von 69 bis 70 Jahren reden müssen.“ Zur Begründung sagte der Chef von Gesamtmetall, das Rentensystem habe in der aktuellen Form keine Zukunft. „Wir werden das Renteneintrittsalter nicht bei 67 Jahren halten können“, so Wolf.

Für eine stärkere Differenzierung plädiert der Sozialverband VdK Deutschland, der die Interessen von rund zwei Millionen Mitgliedern vertritt. Der VdK ist gegen eine pauschale Anhebung der Altersgrenze und will dafür flexible Regelungen. Zur Begründung sagt die VdK-Präsidentin Verena Bentele: „Wer etwa ein Leben lang in körperlich und psychisch anstrengenden Berufen gearbeitet hat, muss früher in Rente gehen können, und zwar ohne Abschläge auch schon mit 63.“ Im Auftrag des VdK hat sich das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit der Frage beschäftigt, wie sich Beruf und Einkommen auf die Lebenserwartung auswirken. 

VDK plädiert für Differenzierung

Laut dem DIW haben Beamte aktuell eine Lebenserwartung von 87,2 Jahren. Für Angestellte, Selbstständige und vor allem Arbeiter ermittelten die DIW-Forscher Durchschnittswerte, die zum Teil deutlich niedriger lagen. Arbeiter schnitten mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 83,1 Jahren am schlechtesten ab. Selbstständige hatten im Schnitt eine Lebenserwartung, die zwei Jahre unter der von Beamten lag. 

Auch vom verfügbaren Haushaltseinkommen scheint die Lebenserwartung abzuhängen. Rentner aus Haushalten mit prekären Einkommen hatten demnach eine im Schnitt fünf Jahre kürzere Lebenserwartung als Senioren aus wohlhabenden Haushalten.

Als doppelt ungerecht sieht es der VdK an, dass Arbeiter nicht nur niedrigere Ruhestandsbezüge beziehen, sondern dieses auch noch kürzer tun. Aus Sicht des VdK sollte dieses berücksichtigt werden, indem das Renteneintrittsalter nach Schwere der Tätigkeit und Höhe der Rente gestaffelt wird. 

Besondere Kritik übte der Sozialverband VdK an den höheren Beamtenpensionen. VdK-Chefin Bentele führte als Beispiel eine Angestellte an, die 45 Jahre bis zum 67. Lebensjahr arbeiten muss, um eine gesetzliche Rente von 1058 Euro zu erhalten. „Eine Beamtin mit demselben Einkommen muss nur 40 Jahre bis 67 arbeiten und darf sich dann über eine Pension von 1902 Euro freuen. Das ist fast das Doppelte“, so Bentele. 

Im Zusammenhang mit der Rentengerechtigkeit bislang noch gar nicht öffentlich diskutiert wird die sehr unterschiedliche Lebenserwartung von Männern und Frauen. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes lag 2020 die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt in Deutschland bei Männern nur bei 78,9 Jahren, bei Frauen hingegen bei 83,6 Jahre.