28.01.2022

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Folge 34-21 vom 27. August 2021 / Tierschutz / Wölfe gefährden artgerechte Weidehaltung / Wegen der sprunghaft steigenden Zahl von Tierverlusten stecken Landwirte in der Zwickmühle

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-21 vom 27. August 2021

Tierschutz
Wölfe gefährden artgerechte Weidehaltung
Wegen der sprunghaft steigenden Zahl von Tierverlusten stecken Landwirte in der Zwickmühle
Norman Hanert

Die Weidehaltung von Milchkühen, Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen gilt als besonders artgerecht. Steigende Zahlen von Wolfsrissen in einigen Teilen Deutschlands bringen Landwirte allerdings immer mehr unter Druck. Laut den jüngsten Zahlen der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf wurden in Niedersachsen mit 1477 gerissenen Nutztieren im vergangenen Jahr die meisten Wolfsopfer festgestellt. Es folgten Brandenburg mit 864 Fällen von Wolfsrissen und Mecklenburg-Vorpommern mit 452. 

Parallel steigen seit einigen Jahren die Kosten für den Herdenschutz, die Entschädigungszahlungen für die Verluste von Weidetieren und der Aufwand für die Landwirte, die Weidehaltung betreiben. Nach Angaben der Bundesregierung haben sich die Präventionszahlungen in den Bundesländern 2019 gegenüber dem Vorjahr sogar mehr als verdreifacht, auf 8,04 Millionen Euro. Für den Deutschen Bauernverband sind diese Zahlen Anlass, bereits vor einem Ende der Weidehaltung zu warnen. 

Umweltverbände stellen sich quer

Der Umweltbeauftragte des Deutschen Bauernverbandes, Eberhard Hartelt, forderte, der Wolfsbestand müsse endlich reguliert werden: „Ansonsten wird die Haltung von Schafen, Ziegen, Pferden und Rindern auf der Weide zum Auslaufmodell.“ Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat sich angesichts zunehmender Schäden durch Wolfsrisse inzwischen für die Jagd auf die Tiere in bestimmten Regionen ausgesprochen. 

Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte die Ministerin, es gehe dabei nicht darum, den Wolf auszurotten. Klöckner: „Aber wenn wir die Weidetierhaltung in einigen Regionen nicht aufgeben wollen, müssen wir handeln.“ 

Auf große Zustimmung kann Klöckner damit bei vielen Landwirten in Brandenburg rechnen. Hier steigen die Zahlen von Wolfsrissen weiter, obwohl immer mehr Aufwand für den Herdenschutz betrieben wird. Von den bundesweit 128 Wolfsrudeln, 39 Paaren und neun territorialen Einzeltieren lebten im Beobachtungszeitraum vom 1. Mai 2019 bis zum 30. April 2020 allein 47 Rudel im Bundesland Brandenburg. Der Umfang der Wolfspopulation in der Mark wird mittlerweile auf mehr als 300 Tiere geschätzt. Zum Vergleich: Schweden hat eine ähnlich große Wolfspopulation. Flächenmäßig ist das skandinavische Land aber 15 Mal größer als Brandenburg. 

Trotz dieser hohen Wolfsdichte wollen Umweltverbände wie der NABU und auch die Grünen im Potsdamer Landtag am bisherigen Wolfsmanagement in Brandenburg festhalten. Dies erlaubt bislang nur unter sehr strengen Auflagen den Abschuss eines Wolfes. Eine Regulierung des Bestandes, wie sie beispielsweise in Schweden gehandhabt wird, ist von der rot-schwarz-grünen Koalition, die Brandenburg regiert, daher derzeit nicht zu erwarten. 

Der Deutsche Jagdverband geht davon aus, dass die Wolfspopulation jedes Jahr um etwa 30 Prozent anwächst. Der jagdpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Karlheinz Busen, wies inzwischen auf die Folgen des exponentiellen Wachstums hin: „Hatten wir Anfang 2019 noch 878 Wölfe in Deutschland, leben inzwischen 1624 Wölfe in unserem Land. Geht die Entwicklung so weiter, sprechen wir 2024 von 5500 Wölfen und 2029 sogar von 25.600 Wölfen“.