28.01.2022

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Folge 34-21 vom 27. August 2021 / Porträt / Der Taliban, auf den der Westen setzt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-21 vom 27. August 2021

Porträt
Der Taliban, auf den der Westen setzt

Wer sind die Männer, die nun in Kabul herrschen und den Rest der Welt das Fürchten lehren? Seit dem fluchtartigen Aufgeben Afghanistans durch die NATO stellt sich die Frage, wer künftig am Hindukusch das Sagen hat, um so dringender. 

Einer von ihnen ist Mullah Abdul Ghani Baradar. 1968 in der Provinz Uruzgan geboren, wuchs der Paschtune nach dem Einmarsch der Roten Armee 1979 quasi mit dem Widerstand gegen die Fremdherrschaft im Lande auf. Nach dem Abzug der Sowjettruppen gehörte Baradar zu den Gründern der Taliban; in dem von der radikalislamischen Terrorgruppe 1996 gegründeten Islamischen Emirat Afghanistan war er Gouverneur der Provinzen Herat und Nimrus. 

Uneinig waren sich westliche Beobachter über Baradars Status im Gesamtstaat der Taliban. Während ihn ein internes Papier der US-Geheimdienste als „Stellvertretenden Chef des Armeestabs und Kommandeur des Zentralen Armeekorps“ ausweist, führte ihn Interpol als stellvertretenden Verteidigungsminister der Taliban. Unstrittig ist, dass Baradar sich im Visier westlicher Geheimdienste befand, weshalb er im Februar 2010 im Zuge einer gemeinsamen Aktion von CIA und pakistanischem Geheimdienst ISI in Karatschi festgenommen wurde. 

Im Oktober 2018 wurde Baradar auf Drängen der USA aus pakistanischer Haft entlassen. Die Regierung in Washington sah in ihm einen moderateren Taliban-Führer, der in Verhandlungen zu einem Friedensschluss beitragen könne. Als dann am 29. Februar 2020 Repräsentanten der USA und der Taliban in Doha (Katar) den Abzugsplan der US-Truppen aus Afghanistan vereinbarten, war Baradar offizieller Vertreter der Islamisten. 

Angesichts dieser Erfahrungen ruhen nun die Hoffnungen des Westens darauf, dass Mullah Abdul Ghani Baradar im neuen Aufghanistan eine entscheidende Rolle spielen wird. Manche Beobachter handeln ihn gar als nächsten Präsidenten. Ob er sich gegenüber den Hardlinern innerhalb der Taliban behaupten kann, bleibt jedoch abzuwarten. neh