18.01.2022

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Folge 35-21 vom 03. September 2021 / Gedenken / Erinnerung als Beitrag zur Völkerverständigung / Die Auftaktveranstaltung zum Tag der Heimat in der Berliner Urania

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35-21 vom 03. September 2021

Gedenken
Erinnerung als Beitrag zur Völkerverständigung
Die Auftaktveranstaltung zum Tag der Heimat in der Berliner Urania
René Nehring

Vertreibungen und Deportation ächten – Völkerverständigung fördern“ – unter diesem Motto stand die Auftaktveranstaltung zum diesjährigen Tag der Heimat. Dazu konnte der Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV‘) Bernd Fabritius am vergangenen Sonnabend in der Berliner Urania zahlreiche Ehrengäste aus Bund, Ländern und Gemeinden sowie aus der Geistlichkeit und dem diplomatischen Corps begrüßen. 

Zu Beginn stand ein filmischer Rückblick an die Charta der deutschen Heimatvertriebenen vor 71 Jahren, deren runder Gedenktag im vergangenen Jahr Corona-bedingt nicht begangen werden konnte. Der Film erinnerte unter anderem an die Anfangsjahre der Bundesrepublik und an die Leistung der Ostvertriebenen beim Aufbau eines demokratischen Deutschlands nach dem Krieg. 

In seiner Ansprache schlug BdV-Präsident Fabritius dann eine Brücke zwischen dem Gestern und Heute. Neben der Verbitterung darüber, dass Flucht und Vertreibung noch immer in internationalen Konflikten angewandt werden, betonte er, dass es „gerade die Heimatverbliebenen und ihre Familien sind (…), die vor Ort in unseren Nachbarländern einer gemeinsamen europäischen Erinnerungskultur und einer guten Verständigung den Boden bereiten“. 

Umso mehr betrübt es den Präsidenten, dass die Hand der Versöhnung noch immer nicht in allen Heimatgebieten ergriffen wird: „Wie schön wäre es, wenn unser steter verständigungspolitischer Dialog mit den Nachbarn im Osten dort auch auf Spitzenebene der Politik Früchte tragen würde: Von einigen unserer östlichen Nachbarländer erwarten wir noch heute eindeutige Bekenntnisse zum Unrechtscharakter der Vertreibungen, die unsere Landsleute mit brutaler Härte trafen. Bis heute sind Unrechtsdekrete in einigen Ländern Teil der geltenden Rechtsordnung, wenn ich nur an Tschechien oder auch an Serbien denke.“

Desweiteren erinnerte Fabritius an die Deportation der Deutschen in der Sowjetunion, die exakt vor 80 Jahren begonnen hatte, sowie an den Leidensweg jener Landsleute in den folgenden Jahrzehnten. 

Einen überaus launigen Festvortrag hielt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der von Fabritius nicht nur als Ehrengast, sondern auch als Mitglied der Sudetendeutschen Landsmannschaft und auch des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland begrüßt wurde. 

Söders Ansprache war denn auch weniger eine programmatische Grundsatzrede als vielmehr ein Bekenntnis der Verbundenheit zu den Vertriebenen, die für ihn persönlich – so Söder mit leichtem Grinsen – nicht zuletzt auf dem Genuss zahlreicher Speisen aus östlichen Landen beruht. Doch der Vortrag hatte auch ernste Seiten. So betonte er, dass für ihn das Schicksal der deutschen Vertriebenen nicht gleichzusetzen ist mit dem heutiger Flüchtlinge, „denn Sie, meine Damen und Herren, sind Landsleute!“ Mit Einblicken in die Familiengeschichte – ein angeheirateter Onkel etwa war trotz Heirat einer alteingesessenen Fränkin erst dreißig Jahre nach seiner Ankunft in der neuen Dorfgemeinschaft allmählich akzeptiert worden – zeigte Söder, dass ihm das Schicksal der Landsleute aus dem Osten durchaus bewusst ist. Deshalb werde er auch künftig für ihre Anliegen eintreten. 

Beendet wurde die Veranstaltung mit einem geistlichen Wort von dem Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge, Weihbischof Dr. Reinhard Hauke. 

Bereits am Tag zuvor hatte die Bundesversammlung des BdV ein neues Präsidium gewählt. Dabei wurde Präsident Bernd Fabritius mit 94,5 Prozent der Delegiertenstimmen in seinem Amt bestätigt. Zu Vizepräsidenten wurden Raimund Haser MdL, Christian Knauer, Stephan Mayer MdB, Egon Primas, Johann Thießen und Stephan Grigat gewählt, der als Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen auch Herausgeber der Preußischen Allgemeinen Zeitung ist. Weitere Präsidiumsmitglieder sind Rita Hagl-Kehl MdB, Milan Horáček, Steffen Hörtler, Siegbert Ortmann, Brunhilde Reitmeier-Zwick und Editha Westmann MdL. Die Präsidentin des Frauenverbandes im BdV, Dr. Maria Werthan, gehört kraft Amtes dem Präsidium an.