26.01.2022

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Folge 35-21 vom 03. September 2021 / Buchstabiertafel / Alphabet soll „entnazifiziert“ werden / „N“ wie „Nathan“, „Nordpol“ oder „Nürnberg“: Wegen weniger Rückstände aus der NS-Zeit soll die ganze Reihe geändert werden

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35-21 vom 03. September 2021

Buchstabiertafel
Alphabet soll „entnazifiziert“ werden
„N“ wie „Nathan“, „Nordpol“ oder „Nürnberg“: Wegen weniger Rückstände aus der NS-Zeit soll die ganze Reihe geändert werden
Frank Bücker

Voraussichtlich schon Mitte 2022 will das Deutsche Institut für Normung (DIN) eine neue Fassung des Buchstabier-Alphabets anordnen. Der Antisemitismusbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, Michael Blume, hatte einen entsprechenden Hinweis gegeben: „Über Jahrzehnte wurde in Deutschland eine Buchstabiertafel tradiert, aus der die Nationalsozialisten alle deutsch-jüdischen Namen getilgt hatten. Es war Zeit, das gemeinsam aufzuarbeiten und zu beenden.“ 

Blume saß dann auch in dem Expertengremium, welches das neue Alphabet geschaffen hat. Nach längeren Hin und Her beschloss man, statt der Vornamen künftig Städtenamen zu verwenden.

Seit 1890 existiert dieses Werk und wurde in der Vergangenheit mehrfach verändert. 1905, 1926 in der Weimarer Republik und 1934 in der Zeit des Nationalsozialismus gab es mehr oder weniger geringfügige Veränderungen. 

Kleine Änderungen reichten aus

Die Änderungen aus der NS-Zeit wurden bereits 1950 meist wieder rückgängig gemacht. „S wie Samuel“ wurde 1934 in „Siegfried“ und 1950 wieder in Samuel umbenannt. Einige Veränderungen wie „F wie Friedrich“ wurde 1934 in „Fritz“ umbenannt und 1950 die meisten dieser Veränderungen rückabgewickelt. 

Ein eifriger Nationalsozialist schrieb damals: „In Anbetracht des nationalen Umschwungs in Deutschland halte ich es für nicht mehr angebracht, die in der Buchstabiertabelle des Telefonbuchs aufgeführten jüdischen Namen (...) noch länger beizubehalten.“ Andere Namen wie „M gleich Marie“ wurden 1950 in „Martha“ verändert. Die jüdischen Namen David und Nathan, die 1934 „umgewandelt“ wurden, kamen 1950 nicht wieder. Auch Isidor, der 1924 für Ida getilgt wurde, fand nicht wieder Aufnahme. Dem Anliegen wäre also Genüge getan, wenn David, Nathan und Isidor wieder ins Buchstabier-Alphabet aufgenommen würden. 

Anders als Herr Blume glauben machen will, gibt es da also recht wenig aufzuarbeiten, da dies im Wesentlichen schon vor 70 Jahren erfolgt ist, ohne dass großer publizistischer Aufwand betrieben wurde. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, begrüßte Blumes Vorschlag dennoch: „Zum 75. Jahrestag der Befreiung sollten wir uns auch von der Nazi-Sprache und ihren Relikten befreien.“ Damit bläst Schuster ein Problem auf, das in Wirklichkeit keines ist. 

Bürgermeister freuen sich

Einige Bürgermeister waren recht erfreut, dass die Namen ihrer Städte nun Teil des Buchstabieralphabets werden sollen. Da man sich an den Kraftfahrzeugkennzeichen orientierte, blieb beispielsweise Hamburg (Kennzeichen HH) unberücksichtigt. Andere jubelten lauthals: „Wenn es in den Sprachgebrauch übergeht, ist Xanten in aller Munde.“ Wieder andere sehen Grund zur Klage. Saarland, Rheinland-Pfalz, Bremen, Hamburg und Sachsen-Anhalt gingen leer aus. Dagegen zeigte man sich in Tübingen begeistert: „Vom damit verbundenen Bekanntheitsgrad würden wir als vergleichsweise kleine Stadt besonders profitieren.“ Ein anderer Gesichtspunkt des dringenden Reformbedarfs war die „Geschlechterungerechtigkeit“. Eberhard Rüssing, Obmann des zuständigen Arbeitsausschusses, klagt: „So enthält die aktuelle Tafel 16 männliche und nur sechs weibliche Vornamen, andere zeitgemäße Namen fehlen komplett.“