24.01.2022

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Folge 35-21 vom 03. September 2021 / Vor 150 Jahren / Johann Ludwig Quandt erforschte die Geschichte Pommerns / Die Familie wirkte segensreich in Ostpreußen und Pommern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35-21 vom 03. September 2021

Vor 150 Jahren
Johann Ludwig Quandt erforschte die Geschichte Pommerns
Die Familie wirkte segensreich in Ostpreußen und Pommern
Martin Stolzenau

Johann Ludwig Quandt entstammte einer namhaften Familie, machte als evangelischer Theologe in Pommern Karriere und fungierte lange als Superintendent. Doch größere Bekanntheit erlangte er vor allem als herausragender Kanzelredner und als Hobby-Historiker. Sein Hauptinteresse galt dabei mit zahlreichen Veröffentlichungen der Geschichte Pommerns. Damit erreichte er auch über seinen Tod vor 150 Jahren hinaus bis in die Gegenwart bei Geschichtswissenschaftlern eine gehörige Nachwirkung.

Johann Ludwig Quandt wurde am 22. September 1801 in Stettin geboren, der einstigen pommerschen Residenzstadt. Sein Großvater hatte einen bekannten Namen. Das war Johann Jacob Quandt, der seine Karriere 1721 als Hofprediger in Königsberg begonnen hatte und danach zum Generalsuperintendenten für ganz Preußen aufgestiegen war. Dieser Mann leitete das Kirchen-, Schul-und Armenwesen in Preußen, fungierte zehnmal als Rektor der Albertus-Universität in Königsberg und prägte als Lehrer Johann Christoph Gottsched, der in die deutsche Literaturgeschichte einging. Doch bei der Geburt von Johann Ludwig war der berühmte Vorfahre schon gestorben. Der Vater des Jungen hatte es in Anführungsstrichen nur zum preußischen Unteroffizier gebracht, sorgte aber für einen weiterführenden Bildungsweg und die frühe Orientierung auf eine Theologen-Laufbahn. Mit Folgen. Der Knabe besuchte nach der Stadtschule in Greifenhagen das Königliche Stadt-Gymnasium in Stettin und begann 1820 das Theologiestudium an der Berliner Universität, wo er sich zusätzlich auch mit Geschichte befasste. Quandt absolvierte beide Examen, wurde 1824 ordiniert und erhielt anschließend in Hasenfier seine erste Pfarrstelle. Der Ort liegt im ehemaligen Landkreis von Neu­stettin in Hinterpommern. 

Parallel zur Übernahme des Pfarramtes heiratete der Theologe Charlotte Luise Stoltenburg. Das war die Tochter eines Bierbrauers und Schnapsbrenners in der Unterwiek in Stettin, die für eine Frau in der Zeit über eine ungewöhnliche Bildung verfügte, sich ebenfalls für Literatur und Geschichte interessierte und in der Folge seine geschichtlichen Forschungen zu Pommern begleitete. Diese Frau gedieh für Quandt in mehrfacher Hinsicht zum Segen.

Beide führten eine glückliche Ehe, betrieben gemeinsame Erkundungen und blieben 12 Jahre in Hasenfier. Dann wurde Quandt nach Rügenwalde versetzt, wo er ab 1836 als Pfarrer der Marienkirche  fungierte und zusätzlich auch das Amt des Superintendenten ausübte. Die Marienkirche aus dem frühen 14. Jahrhundert hatte mehrere Brände erlebt, ist ein spätgotischer Ziegelbau mit einem 60 Meter hohen Westturm, einer interessanten Fürstengruft und dem berühmten Rügenwalder Silberaltar, der durch die Her­zoginwitwe Elisabeth im 17. Jahrhundert in die Marienkirche kam. Die Kostbarkeit war nach dem II. Weltkrieg zunächst verschwunden und ist in einzelnen Teilen in- zwischen wieder aufgetaucht, die jetzt in der Kirche zu besichtigen sind. 

Der geschichtsträchtige Sakralbau war für 13 Jahre der Arbeitsplatz von Quandt. Er erfüllte seine seelsorgerischen Pflichten und die Amtsaufgaben als Superintendent und betrieb weiter mit Unterstützung seiner Frau seine heimatgeschichtlichen Forschungen. Die diesbezüglichen Veröffentlichungen reichten von Untersuchungen über pommersche Urkunden über „Bischof Ottos erste Reise in Pommern“ bis zur geschichtswissenschaftlichen Aufarbeitung der „Landestheilungen in Pommern“ in den „baltischen Studien“. Damit erlangte er in der Fachwelt eine wachsende Bekanntheit. 

1849 gab es für das Ehepaar Quandt mit der Versetzung nach Persanzig die nächste Zäsur. Der Ort galt als das älteste Dorf der Region, wurde im Gefolge einer slawischen Siedlung errichtet und gehörte bei Quandts Wechsel ebenfalls zum Landkreis Neustettin. 

Er fungierte weiter in der Doppelfunktion als Pfarrer und Superintendent, übernahm die Leitung der lutherischen Konferenz in Köslin und bearbeitete weitere historische Themen. Das reichte von „Ostpommern und seine Fürsten“ über „Zur Urgeschichte der Pomeranen“ und „Stettin zur wendischen Zeit“ bis zur Beteiligung am Werk „Geschichte des Geschlechts von Kleist“. 

Zwischendurch musste der Theologe 1856 den frühen Tod seiner Frau verkraften. Danach  ließ er es ohne die Unterstützung seiner Frau im Alter ruhiger angehen. Quandt erlebte noch das Erwachsenwerden von fünf seiner acht Töchter, starb am 7. Juli 1871 in Persanzig und wurde 69 Jahre alt. Seine Tochter Clara machte parallel eine eigene Karriere als Pädagogin und Schriftstellerin.