26.01.2022

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Folge 35-21 vom 03. September 2021 / Hochadel / Die Wurzeln der Battenbergs / So unscheinbar das sächsische Seifersdorf ist, so bedeutend wurde es für die Welt des Adels

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35-21 vom 03. September 2021

Hochadel
Die Wurzeln der Battenbergs
So unscheinbar das sächsische Seifersdorf ist, so bedeutend wurde es für die Welt des Adels
Wolfgang Kaufmann

Die kleine 600-Seelen-Gemeinde Seifersdorf im Radeberger Land nördlich von Dresden gilt unter Eingeweihten als Ort, in dem die Wiege eines wesentlichen Teils des europäischen Hochadels steht.

Seifersdorf gehörte ab 1747 zum Besitz des kurfürstlich-sächsischen Premierministers Graf Heinrich von Brühl und ging dann in die Hände von Brühls jüngstem Sohn Hanns Moritz über, der ab 1775 hier residierte. Im gleichen Jahr kam Hans Moritz Hauke in Seifersdorf zur Welt, dessen Vater Friedrich Karl Emanuel der Sekretär des neuen Grafen von Brühl war. Hauke machte später als Berufssoldat Karriere und avancierte zum General sowie stellvertretenden Kriegsminister von Kongress-Polen. Außerdem erhob ihn der russische Zar Nikolaus I. 1829 in den Grafenstand.

1807 heiratete der Sachse Sophie Lafontaine, die Tochter eines prominenten Arztes. Das Paar hatte elf Kinder, darunter die 1825 in Warschau geborene Nachzüglerin Julia Teresa Salomea. Diese diente der Zarin Maria Alexandrowna (Marie von Hessen-Darmstadt) ab etwa 1845 als Hofdame und lernte so den Bruder der Monarchin, Prinz Alexander von Hessen-Darmstadt, kennen. 

Der entschied sich 1851 gegen den ausdrücklichen Willen des Zaren dazu, eine nicht standesgemäße Ehe mit der inzwischen in anderen Umständen Befindlichen einzugehen. Julia erhielt daraufhin von ihrem Schwager, Großherzog Ludwig III. von Hessen-Darmstadt, den vakant gewordenen Titel einer Gräfin von Battenberg. Zudem stieg sie dann 1858 auch noch zur erblichen Fürstin von Battenberg auf – wonach ihr Mann nun ebenfalls den Namen Battenberg zu führen begann und so die entsprechende Seitenlinie des Hauses Hessen begründete.

Der zweitälteste Sohn der beiden, Prinz Alexander Josef von Battenberg, fungierte von 1879 bis 1886 als gewählter Fürst von Bulgarien und erklärte dann seinen Thronverzicht. Dahingegen gingen der Stammhalter Prinz Ludwig Alexander von Battenberg und sein jüngerer Bruder Prinz Heinrich Moritz von Battenberg nach England. Der letztere heiratete 1885 Prinzessin Beatrice von Großbritannien und Irland und zeugte unter anderem Prinzessin Victoria Eugénie von Battenberg, die 1906 durch ihre Vermählung mit Alfons XIII. Königin von Spanien wurde und die Urgroßmutter des jetzigen spanischen Monarchen Felipe VI. ist.

Ludwig Alexander wiederum, der es bis zum Großadmiral und Ersten Seelord brachte und seinen Namen 1917 wegen des Krieges mit Deutschland in „Mountbatten“ anglisierte, schloss 1884 die Ehe mit Prinzessin Viktoria von Hessen-Darmstadt, einer Enkelin von Queen Victoria. Dieser Verbindung entsprangen vier Kinder, darunter Prinzessin Louise von Battenberg, ab 1950 infolge Heirat Königin von Schweden, und Prinzessin Alice von Battenberg, die 1903 Andreas, Prinz von Griechenland und Dänemark, ehelichte und 1921 einen Sohn namens Philip gebar, den späteren Prinzgemahl von Königin Elizabeth II. Somit haben auch die vier Kinder, acht Enkel und zehn Urenkel der jetzigen Queen abstammungsmäßige Wurzeln in dem verträumten sächsischen Ort Seifersdorf.