17.01.2022

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Folge 36-21 vom 10. September 2021 / Journalismus / Leitmedien im Wahlkampf für das linke Lager / In geradezu aufreizender Einseitigkeit springen tonangebende Meinungsmacher den Parteien links der Mitte zur Seite

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-21 vom 10. September 2021

Journalismus
Leitmedien im Wahlkampf für das linke Lager
In geradezu aufreizender Einseitigkeit springen tonangebende Meinungsmacher den Parteien links der Mitte zur Seite
Hans Heckel

Dankbarkeit ist keine Kategorie im Ringen um die politische Macht. Wenn die CDU dies noch nicht gewusst haben sollte, erfährt sie es gerade im laufenden Wahlkampf auf schmerzhafte, wenn nicht gar vernichtende Weise.

Wenn man jedenfalls im Adenauerhaus geglaubt hatte, in den grünlinks dominierten Medien Sympathie dafür zu ernten, dass man jahrelang grünlinke bis radikal linke Positionen übernommen und große Teile des bürgerliches Wählerspektrums gen AfD verjagt und nachher noch beschimpft hat, so wurde man bitter enttäuscht. Dieser Tage ziehen die in 16 Merkel-Jahren von der Union umschmeichelten Meinungsmacher aller Anbiederei zum Trotz in eine erbarmungslose Schlacht gegen die bürgerlichen Parteien. 

FDP darf nicht Rang 1 besetzen

Die Einseitigkeit der medialen Wahlkampfbegleitung kommt bisweilen in geradezu aufreizender Offenheit daher – wie jüngst im WDR-Wissenschaftsmagazin „Quarks“. Bei einer Rangfolge der ambitioniertesten „Klimapolitik“ war die FDP überraschend auf Platz 1 gelandet. Da dies den Redakteuren des Staatssenders aber nicht gefiel, stuften sie die Liberalen kurzerhand – gewissermaßen „händisch“ – auf den vorletzten Platz zurück. Begründung: Man zweifle daran, dass die Partei ihre Ziele auch in die Tat umsetzen werde. Mit diesem Einwand kann man nach Belieben jedes Wahlprogramm zerlegen: Wer weiß schon mit Sicherheit, was von den Versprechen nach einer Regierungsübernahme übrig bleibt? Diese Unsicherheit aber betrifft nicht bloß die Zusagen der Liberalen, sondern die Versprechen sämtlicher Parteien.

Wo Will kontert – und wo nicht

So aber konnten die WDR-Redakteure ihre gewünschte Sympathie-Reihenfolge wiederherstellen: Ganz oben die Grünen, ganz unten die AfD und gleich darüber auf dem zweitschlechtesten Platz die FDP.

Unionskandidat Laschet kann tun oder lassen, was er will. Er wird entweder verspottet oder kritisiert. Konkurrent Scholz kommt deutlich besser weg. Anne Will etwa kontert so gut wie jede Äußerung eines Politikers von Union, AfD oder FDP mit einer abweisenden Nachbemerkung, wohingegen sie Äußerungen von Repräsentanten des linken Spektrums fast immer unkommentiert stehen lässt.

Der RBB verschiebt eine Dokumentation über die skandalöse Entlassung des langjährigen Leiters der Berliner Stasi-Gedenkstätte Hubertus Knabe vom 1. September auf einen Termin nach der Wahl. Drahtzieher des Skandals war Kultursenator Klaus Lederer, der zur Berliner Landtagswahl, die ebenfalls am 26. September stattfindet, als Spitzenkandidat der Linkspartei antritt. Hat natürlich nichts miteinander zu tun, wie der Staatssender beteuert.

Aber die staatlichen Medien „kämpfen“ nicht allein. Im Nachrichtenkanal „Welt“ kommentiert der Moderator einen Auftritt von SPD-Kandidat Scholz bei protestierenden Mitarbeitern des Amazon-Konzerns mit reinster SPD-Parteitagsrhetorik: „Wenn einer für soziale Gerechtigkeit ist, dann sind es die Genossinnen und Genossen.“ Amazon betreibt übrigens seit Jahren Steuervermeidung in Milliardenhöhe. Auch ein Finanzminister Scholz hat das nicht gestoppt.

92 Prozent der Volontäre bei der ARD, so ergab unlängst eine Umfrage (die PAZ berichtete), zählen sich selbst zum rot-grün-dunkelroten Lager. Die Nachwuchsjournalisten wurden von älteren Kollegen ausgesucht, die mit ziemlicher Sicherheit nicht wesentlich anders ticken. Diese weltanschauliche Schieflage dringt im Bundestagswahlkampf 2021 mit voller Wucht an die Oberfläche.

Die Spaltung vertieft sich

Ein Nebenprodukt dieser medialen Linkslastigkeit ist der Trend, dass sich immer mehr Deutsche von den sogenannten Leitmedien abwenden. Auch auf diese Weise kann sich jene „Spaltung der Gesellschaft“ manifestieren, die doch angeblich so bitterlich beklagt wird.