17.01.2022

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Folge 36-21 vom 10. September 2021 / Inflation / Wirklich nur ein temporäres Problem? / Was dafür spricht, dass wir es mit einem länger anhaltenden Preisanstieg zu tun haben

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-21 vom 10. September 2021

Inflation
Wirklich nur ein temporäres Problem?
Was dafür spricht, dass wir es mit einem länger anhaltenden Preisanstieg zu tun haben
Norman Hanert

Der Zustand des Rentensystems, die Zuwanderung nach Deutschland, die Ausbreitung schwerer Gewaltkriminalität oder die Angst um die Ersparnisse sind Sorgen, die vielen Deutschen unter den Nägeln brennen, die jedoch im Wahlkampf bislang bemerkenswert wenig thematisiert wurden. Speziell der Verlust von Kaufkraft und die Entwertung von Ersparnissen kann jedoch sehr schnell zu einem der wichtigsten Probleme der kommenden Legislaturperiode werden. 

Geht es um die Inflationsentwicklung der letzten Monate, ziehen Kommentatoren immer öfter Vergleiche zu den hohen Inflationsraten der 70er und 80er Jahren. Das gilt auch für die sogenannte importierte Inflation. Im Juli lagen die Preise von Einfuhren um 15 Prozent über denen des Juli 2020. Ein ähnlich starker Anstieg war zuletzt im September 1981 als Folge der zweiten Ölpreiskrise zu konstatieren. 

Importierte Inflation

Auch aktuell haben Energiepreise einen großen Anteil am Anstieg der Importpreise. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag der Importpreis von Erdgas um 170,5 Prozent, der von Erdöl um 68,9 Prozent und der von Steinkohle um 71,6 Prozent höher. Die Preise für Stromlieferungen aus dem Ausland stiegen in den letzten zwölf Monaten sogar um 171,4 Prozent. 

Produktions- und Personalengpässe

Einige Ökonomen weisen darauf hin, dass bei den Preissprüngen ein statistischer Basiseffekt eine wichtige Rolle spielt. Durch die Vollbremsung der Weltwirtschaft während der Corona-Krise im vergangenen Jahr waren die Preise für viele Güter stark gefallen. Umso stärker fällt mit dem Anziehen der Nachfrage nun der prozentuale Preisanstieg aus. 

Diese Entwicklung wird allerdings noch durch weitere Faktoren verschärft. Ein Teil der Unternehmen hat die Dynamik des Aufschwungs völlig unterschätzt. Die Folge sind Produktions- und Personalengpässe.

Steigende Transportpreise

Obendrein leidet der globale Warentransport noch immer unter der Corona-Pandemie. Insbesondere auf dem Schiffsweg von Asien nach Europa und in die USA fehlen Container, zum Teil auch Schiffsbesatzungen. Als Folge sind die Transportpreise im Seehandel von China nach Europa in den letzten Monaten geradezu durch die Decke gegangen. Laut einer Auswertung des Bochumer Unternehmens Setlog sind die Frachtkosten für Container auf der Route Asien-Europa im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit zum Teil um das Sechs- bis Achtfache höher. Hiesigen Unternehmen machen zudem generelle Lieferschwierigkeiten auf dem Weltmarkt, etwa bei Halbleitern, zu schaffen.

Viele Ökonomen und Kommentatoren sehen die aktuellen Preisschübe nur als eine vorübergehende Folge der Corona-Krise. Die Befürworter der These von der vorübergehenden Inflation hoffen, dass bereits in den kommenden Monaten die Preisdynamik wieder abbricht und sich die Lage im Jahr 2022 normalisiert. 

„Green Deal“

Allerdings gibt es auch Stimmen, die weniger optimistisch sind. So sieht der frühere Bundesbankchef Axel Weber beispielsweise eine länger anhaltende Inflationsgefahr: „Ich glaube nicht, dass die jetzigen Inflationsraten so vorübergehend sein werden, wie Notenbanken jetzt glauben.“

Gestiegene Löhne in Asien

Tatsächlich werden sich gerade die Verbraucher in der EU darauf einrichten müssen, dass im Zuge des „Green Deal“ der EU-Kommission die Energiepreise auch in den kommenden Jahren ein massiver Preistreiber bleiben. Bert Rürup, Chefökonom des „Handelsblatts“, wies zudem auf gestiegene Löhne in China und anderen asiatischen Ländern hin. Aus Sicht des ehemaligen Wirtschaftsweisen spricht dies gegen ein Sinken der Preise. Gerade bei Konsumgütern haben die Importe aus Asien in der Inflationsstatistik bislang einen allgemein dämpfenden Effekt gehabt.

 Offen ist zudem die Frage, ob sich wie in den 70er Jahren eine sogenannte Lohn-Preis-Spirale einstellt. Die Bedingungen für einen solchen inflationstreibenden Aufschaukelungseffekt sind derzeit durchaus vorhanden. Das Statistische Bundesamt hat im August eine Teuerungsrate von 3,9 Prozent ermittelt. Nach Angaben des Bundesamts hat die allgemeine Teuerung im zweiten Quartal dieses Jahres zu einem Reallohnverlust bei den Tarifbeschäftigten geführt. Bei ihnen lagen die Verdiensterhöhungen unterhalb der allgemeinen Preissteigerung. Dementsprechend steigt der Druck auf die Gewerkschaften, für ihre Mitglieder bei Tarifverhandlungen wieder stärkere Lohnzuwächse zu fordern.