16.01.2022

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Folge 36-21 vom 10. September 2021 / Hintergrund / Das demaskierende Schweigen der Muslime

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-21 vom 10. September 2021

Hintergrund
Das demaskierende Schweigen der Muslime
Bodo Bost

Der muslimische Religionsphilosoph Milad Karimi, der 1979 als Flüchtling nach Deutschland kam und an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Islamische Philosophie lehrt, vermisst deutliche Kritik islamischer Länder und Institutionen am brutalen Regime der Taliban. Karimi wirft islamischen Gelehrten und Regierungen vor, zu der menschenverachtenden Taliban-Herrschaft, die mit dem Islam unvereinbar sei, zu schweigen. Anstatt Kritik und Abscheu kommt von maßgeblichen Muslimführern wie dem selbsternannten „Kaid“ (Führer) aller Muslime Erdogan sogar Verständnis für die Radikalislamisten, mit dessen religiösen Bekenntnissen Erdogan keinerlei Probleme hat. 

Auch die Golfstaaten, die schon in der Vergangenheit als Vermittler zwischen dem Westen und den Taliban gedient haben, hatten die Taliban und ihr „Emirat Afghanistan“ bereits in ihrer ersten Herrschaftsperiode 1996 diplomatisch anerkannt. Von ihnen wird ein solcher Schritt auch jetzt bald erwartet. Allein Katar könnte zögern, könnte sonst doch die Austragung der Fußball WM 2022 in Gefahr geraten boykottiert zu werden, da zu viele Teilnehmer-Länder am Krieg gegen den Terror in Afghanistan beteiligt waren. 

„Infantiles Islamverständnis“

Der sunnitische Islam kennt anders als die Kirchen und das Judentum keine religiöse Hierarchie. Kalif, Scheich, Emir et cetera sind zwar religiös besetzte Titel im Islam, aber es herrscht die Vielfalt und sogar die Konkurrenz der Lehrmeinungen und Islamschulen. Im Grunde könnte jeder männliche Muslim eine solche Schule gründen und sich zum Emir erklären, wie es Abu Bakr al-Bagh-dadi als „Emir des IS“ 2014 in Mosul getan hat. Al-Baghdadi stand in der Tradition der Salafisten, die wiederum wie die Wahhabiten in Saudi-Arabien eine Rückkehr zum Ur-Islam propagieren, als Antwort auf die Krise des Glaubens in der Moderne. 

Die Taliban stehen in der Tradition der indischen Islamschule von Deoband, die seit 1866 in Britisch-Indien den Kampf gegen die Ungläubigen als Lösung für die Krise des Islams nach dem Untergang des Mogulreiches propagierte. Aber nicht die radikalen Moslems von Deoband haben 1947 Indien und Pakistan mit einem Kampf gegen die Ungläubigen befreit, sondern der gewaltlose Widerstand des Hindus Mahatma Gandhi. Die indischen Deobandis haben sich in der Folge an die neue Umgebung angepasst und den Kampf gegen die Ungläubigen hintangesetzt. 1966 erschien Indira Gandhi zum 100. Jubiläum der Schule und propagierte das friedliche Zusammenleben der Religionen und die historisch kritische Schriftforschung als neue zentrale Aufgaben von Deoband, dem sich die Islamführer auf dem Subkontinent bis heute fügten. 

Nicht so in Pakistan und Afghanistan. Pakistan wurde als erster dezidiert islamischer Staat der Neuzeit mit der Hauptstadt Islamabad gegründet, die Schule von Deoband entwickelte für Pakistan eine islamische Herrschaftsideologie. Und für Afghanistan entstand in den pakistanischen Flüchtlingslagern eine islamische Opfertheologie gegen die Fremdherrschaft der Sowjets zwischen 1979 und 1989, aus der schließlich 1994 die Taliban entstanden. 

Der afghanische Religionsphilosoph Karimi bezeichnete die Taliban im Deutschlandfunk als rein politische Bewegung von „Menschen, die nicht mal eine Grundschulausbildung haben“ und ihre Taten religiös zu begründen versuchten. Ihr Islamverständnis sei ebenso infantil wie mörderisch und blasphemisch. „Die Menschen in Afghanistan verdienen das nicht und meine Religion verdient das nicht“, sagte Karimi. Die Taliban müssten von Muslimen isoliert werden. Dazu müssten mehr Islamgelehrte Stellungnahmen gegen die Extremisten wagen und die islamischen Staaten die Taliban nicht anerkennen. Afghanistan dürfe nicht zum Modell für einen angeblichen Gottesstaat und einer Art „sunnitischem Iran“ werden, forderte Karimi. Im Iran allerdings gibt es mit dem Ayatollah-Amt eine religiöse Hierarchie und eine schiitische Herrschaftstheologie der Statthalterschaft des Rechtsgelehrten (Welāyat-e Faqih).