16.01.2022

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Folge 36-21 vom 10. September 2021 / Porträt / Sturer Lokführer

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-21 vom 10. September 2021

Porträt
Sturer Lokführer
H. Tews

Aus Sicht vieler Zugführer war es höchste Eisenbahn für einen Streik. Hätten sie im Frühjahr die Arbeit niedergelegt, hätte kaum jemand von ihren Forderungen nach einem Flächentarifvertrag mit einer Entgelterhöhung zum 1. März 2021 sowie einer Corona-Sonderprämie Notiz genommen. Damals im Lockdown fanden sich einzelne Zugreisende allein und verlassen im Großraumwagen wieder.

Dass jetzt ausgerechnet in der Ferienzeit gestreikt wird, macht den Vorsitzenden der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) für viele zum meistgehassten Mann Deutschlands. Claus Weselsky, so heißt es, habe man es zu verdanken, dass die wenigen Züge, die an den Streiktagen noch fuhren, überfüllt waren und Abstandsgebote keine Rolle spielten. Ihm ginge es nur um einen Machtkampf mit der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, die mit der Deutschen Bahn bereits einen neuen Tarifvertrag ausgehandelt hat. 

Doch damit wird man Weselsky nicht gerecht. Der 62-jährige Gewerkschaftsboss aus Sachsen, der zu DDR-Zeiten zum Schlosser und Lokführer ausgebildet wurde, will um jeden Preis verhindern, dass man den Lokführern die Betriebsrente um 50 Euro auf 100 Euro kürzt. So kritisiert er das Management der DB AG, „das sich selbst die Taschen füllt und den kleinen Eisenbahnern die Renten wegnehmen will. Das kann so nicht sein!“

So hat er das zuletzt verbesserte Lohnangebot der Bahn auch deshalb abgelehnt, da es die Forderungen bei der Altersversorgung unberücksichtigt ließ. Vor dem Hintergrund, dass sich das Bahn-Management die Taschen vollstopft – allein Vorstandsmitglied und Ex-Bundesminister Ronald Pofalla „verdient“ jährlich mehr als 1,2 Millionen Euro – gilt CDU-Mitglied Weselsky als harter und nicht erpressbarer Verhandler, was die Bahn schon 2014 nach einer intensiven Streikphase zu spüren bekam.

Und so wird das Streikritual wohl auch diesmal das gewohnte Ende finden: Ein altgedienter Politiker wird als Schlichter einen Weg finden, mit dem beide Seiten ihr Gesicht wahren und sich als Sieger im Tarifstreit fühlen können.