17.01.2022

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Folge 36-21 vom 10. September 2021 / Ungern-Sternberg / Der „Weiße Baron“

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-21 vom 10. September 2021

Ungern-Sternberg
Der „Weiße Baron“
Erik Lommatzsch

Ein unumstrittener Vorzeigeheld war Baron Roman-Nikolai-Maximilian Feodorowitsch von Ungern-Sternberg nie, selbst nicht zu Zeiten, als die Maßstäbe für das Urteil über Persönlichkeiten vergangener Epochen noch nicht so engstirnig waren wie heute. Bekannt war er auch als „Weißer Baron“, der im Russischen Bürgerkrieg nach der Oktoberrevolution die Bolschewiki bekämpfte, oder als „Blutiger Baron“, wodurch seine Grausamkeit unterstrichen werden sollte. Höhepunkt seines Wirkens war die beherrschende Stellung, die er 1921 für einige Monate in der Mongolei einnahm.

Geboren wurde Ungern-Sternberg am 10. Januar 1886 in Graz. Er entstammt einer baltendeutschen Adelsfamilie. In Reval besuchte er das Gymnasium. Anschließend erhielt er in Sankt Petersburg eine militärische Ausbildung. Danach diente er bei Kosakenregimentern in Ostsibirien und bereiste die Mongolei. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges kämpfte er in Galizien und Ostpreußen. Anerkannt war sein Mut, allerdings galt er auch als psychisch labil und wenig diszipliniert.

Unter Grigorij Semjonow, einem der wichtigsten zarentreuen Befehlshaber des Bürgerkrieges, kämpfte er ab Ende 1917 von der Transbaikalregion aus gegen die Rote Armee. Diese konnte zunächst erfolgreich zurückgedrängt werden. Aus Freiwilligen formierte Ungern-Sternberg, inzwischen im Rang eines Generalsmajors, die Asiatische Kavalleriedivision, deren Angehörige aus über 16 Nationalitäten stammten. Soll er diesbezüglich sehr offen gewesen sein, so wird auf der anderen Seite immer wieder auf seinen ausgeprägten Antisemitismus hingewiesen. Er verstand sich als Christ, bekannte sich aber auch zum tibetischen Buddhismus und war Monarchist durch und durch.

Von Semjonow trennte er sich und agierte seit Herbst 1920 in der sogenannten Äußeren Mongolei. Diese war bis 1911 chinesische Provinz gewesen. Mit Unterstützung des damaligen Zaren hatte sie sich gelöst und für selbständig erklärt, was von China nicht akzeptiert wurde. Der Bogd Gegen, der höchste mongolische Lama, der zugleich Anspruch auf die Herrschaft über das Gebiet erhob, gelangte durch das Wirken der Truppen Ungern-Sternbergs wieder an die Macht, dem „Weißen Baron“ verlieh er den höchsten Fürstentitel „im Range eines Khans“. Halten konnte Ungern-Sternberg sich allerdings nur kurz. Verraten von den eigenen Leuten wurde er an die Bolschewiki ausgeliefert und am 15. September 1921 im heutigen Nowosibirsk hingerichtet.