19.01.2022

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Folge 36-21 vom 10. September 2021 / Shoot on sight order / Fadenscheinige Neutralität der USA

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-21 vom 10. September 2021

Shoot on sight order
Fadenscheinige Neutralität der USA
Manuel Ruoff

Am 7. Dezember 1941 griff Japan die Pazifikflotte der USA im Hafen von Pearl Harbor an. Am darauffolgenden Tag erklärte der US-Kongress den Kriegszustand mit Japan. Am 11. Dezember erklärten die Achsenmächte Deutschland und Japan den USA den Krieg. Damit waren die Vereinigten Staaten nun auch formell Partei im Zweiten Weltkrieg. 

Faktisch waren sie es schon lange vorher gewesen, denn ihre Neutralität im Zweiten Weltkrieg war fadenscheinig. Nur ein Beispiel ist die Direktive des US-amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt „Shoot on Sight“ (Angriff bei Sichtung). Vorwand für seine „Shoot on Sight Order“ war Roosevelt der nach der „Greer“ benannte sogenannte Greer-Zwischenfall. Bei der „Greer“ handelte es sich um einen nach dem Konteradmiral James A. Greer benannten Zerstörer der Wickes-Klasse, der noch aus dem Ersten Weltkrieg stammte und nach Beginn des Zweiten Weltkrieges reaktiviert worden war. 

Am 4. September 1941 befand sich die „Greer“ auf Versorgungsfahrt nach Island, als ein britisches Kriegsflugzeug den US-Zerstörer über ein getauchtes deutsches U-Boot in der Nähe informierte. Auf der „Greer“ begaben sich alle Mann auf Gefechtsstation, und das US-Schiff lief mit 22 Knoten in Richtung des U-Bootes, bei dem es sich um U 652 vom Typ VII C handelte. Die „Greer“ bekam Sonarkontakt mit U 652 und manövrierte so, dass das deutsche Boot nicht auftauchen konnte. Derart in die Enge getrieben, schoss U 652 zwei Torpedos auf die „Greer“. Daraufhin warf das US-Schiff Wasserbomben auf das deutsche U-Boot. 

Militärisch ging die Sache aus wie das Hornberger Schießen. Sowohl die deutschen Torpedos als auch die US-amerikanischen Wasserbomben verfehlten ihr Ziel. Nach mehreren Stunden Verfolgung durch den Zerstörer konnte das U-Boot entkommen. Die „Greer“ setzte ihre Fahrt fort.

Politisch nutzte Roosevelt den Vorfall für seine „Shoot on Sight Order“. Am 11. September 1941 redete er in einer Radioansprache, der 18. der berühmten „Fireside Chats“ (Kamingespräche), „über die Aufrechterhaltung der Freiheit der Meere und den Greer-Vorfall“. Er kritisierte in dieser Ansprache den Angriff von U 652 auf die „Greer“ als unprovozierten „Akt der Piraterie“ und gab bekannt, dass in den für die Verteidigung der USA relevanten Gewässern die Schiffe und Flugzeuge der US-Streitkräfte fortan deutsche U-Boote angreifen und Kriegsschiffe der Achsenmächte sich dort auf eigene Gefahr aufhalten würden.