19.01.2022

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Folge 36-21 vom 10. September 2021 / Sehenswert / Eine der ältesten Dorfkirchen Vorpommerns in Tribohm / Dorfkirchen – die Schönen vom Lande

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-21 vom 10. September 2021

Sehenswert
Eine der ältesten Dorfkirchen Vorpommerns in Tribohm
Dorfkirchen – die Schönen vom Lande
Martin Stolzenau

Die Kirchen waren über Jahrhunderte Mittelpunkte in den Dörfern und Städten. Sie dokumentieren zudem bis heute vielgestaltige architektonische und künstlerische Leistungen. Doch die Instandhaltung blieb vielerorts, besonders in den neuen Bundesländern auf der Strecke. So sind zahlreiche Kirchenbauten als Kulturdenkmäler von regionaler und nationaler Bedeutung inzwischen substanziell stark gefährdet. Deshalb bildeten sich Fördervereine zum Erhalt der Baudenkmäler. 

Die Deutsche Stiftung Denkmalpflege startete eine Aktion „Rettet unsere Kirchen“, die über Jahre für Spenden sorgte, um die gefährdeten Sakralbauten zu erhalten. Zu den betroffenen Kirchen, denen mittlerweile auf diesem Wege geholfen werden konnte, gehört die denkmalgeschützte Dorfkirche in Tribohm im Landkreis Vorpommern-Rügen. 

Dendrochronologische Untersuchungen ergaben, dass sie um 1240 erbaut wurde und damit zu den ältesten erhaltenen Kirchenbauten in ganz Nordvorpommern gehört, ein weitgehend original erhaltener Feldsteinbau. 1421, vor 600 Jahren, erhielt die Kirche in Tribohm zudem einen hölzernen Kirchturm. 

Der Ort Tribohm wurde urkundlich erstmals in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts schriftlich erwähnt. Das geschah im Zusammenhang mit der Übereignung von Land durch den adligen Gutsherrn Eckard von Dechow an das neue Kloster Neuenkamp. Dieses Zisterzienserkloster entstand ab 1231 mit Erlaubnis des Rügenfürsten Wizlaw I. im Gebiet der heutigen Stadt Franzburg, entwickelte sich als Tochterkloster des niederrheinischen Klosters Kamp und verfügte nach großen Schenkungen bald über Besitztümer in rund 90 Städten und Dörfern auf Rügen, in Pommern und Mecklenburg. Das reichte vom Kampschen Hof in Stralsund als Handelsplatz des Klosters über das Mühlenmonopol in Plau bis zum Besitz in Tribohm. Parallel entstand die Kirche, über die das Kloster Neuenkamp das Patronat ausübte, das sie 1456 an die Universität Greifswald abtrat. 

Nach Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg sowie im Nordischen Krieg wurden Kirche und Kirchturm mit der Inneneinrichtung nach 1745 gründlich saniert. Die Sanierungsarbeiten betrafen auch den Altar, die Kanzel, den Beichtstuhl und die Patronatslogen, die ein barockes Gesicht erhielten.

Die nächste Sanierung erfolgte 100 Jahre später. Mittendrin der Einbau einer neuen Orgel und die Schenkung eines Gemäldes von Bernhard Plockhorst. Die Orgel schuf Carl August Buchholz in Berlin, ein einst deutschlandweit bekannter Orgelbauer. 

Plockhorst war zu Lebzeiten ein berühmter Maler, der in Weimar als Kunstprofessor an der Großherzoglichen Kunstschule lehrte und zahlreiche Häuser sowie Kirchen mit seiner religiösen Malerei ausschmückte. Seine Christusdarstellungen sind bis heute in den USA verbreitet. Dagegen ist er hierzulande jetzt nur noch Experten ein Begriff. Die Buchholz-Orgel und das Plockhorst-Gemälde hoben einst den Wert der kirchlichen Innenausstattung.

Doch nach langer stiefmütterlicher Behandlung gedieh die Dorfkirche in Tribohm zum Pflegefall. Der Pfarrer, Denkmalschützer und schließlich die Deutsche Stiftung Denkmalpflege (DSD) sorgten ab 1997 für Erhaltungsarbeiten. Das reichte von der Dachsanierung über die Restaurierung der Mauern und der Innenausstattung bis hin zur archäologischen Untersuchung des Chorraumes. 

Bis 2010 wurden rund 750.000 Euro an Spenden investiert. Die Liste der Spender ist lang. Sie reicht vom Kirchenkreis, dem Bundesland und der Stiftung KiBa über die Reemtsma-, die Zeit- und die Hoffmann-Stiftung bis zur Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Mittendrin ein Spendenkonzert des Deutschlandfunks in der Reihe „Grundton D“ mit Michaela Petri, der „dänischen Nachtigall“. 

Nun ist die Kirche in Tribohm von außen und innen wieder ein Schmuckstück und wurde zuletzt in einer Sendereihe des Norddeutschen Rundfunks „Dorfkirchen – die Schönen vom Lande“ durch Monika Schepeler einem größeren Publikum vorgestellt. Tribohm ist inzwischen ein Ortsteil der Gemeinde Ahrenshagen-Daskow südwestlich von Stralsund.