28.01.2022

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Folge 37-21 vom 17. September 2021 / RAUMFAHRT / Außerirdische Müllhalde / Elon Musks Starlink-Satelliten erhöhen die Kollisionsgefahr im All erheblich

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 37-21 vom 17. September 2021

RAUMFAHRT
Außerirdische Müllhalde
Elon Musks Starlink-Satelliten erhöhen die Kollisionsgefahr im All erheblich
Wolfgang Kaufmann

Mit dem Satellitennetzwerk Starlink will das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX, dessen Gründer, Haupteigentümer und Chef der US-Milliardär Elon Musk ist, das Internet in praktisch jeden Winkel der Erde bringen. Dazu hat es seit Mai 2019 bereits über anderthalbtausend Satelliten gestartet – und bis 2027 könnten möglicherweise noch weitere 40.000 folgen. Das erhöht die Gefahr von Kollisionen im All, die bereits jetzt beträchtliche Ausmaße angenommen hat.

Wie die Europäische Weltraumagentur (ESA) bekannt gab, prallen derzeit im Durchschnitt zwölf Mal pro Jahr vom Menschen in die Erdumlaufbahn entsandte Objekte aufeinander. Dadurch entstehen zahlreiche Trümmerteile und sind verheerende Kettenreaktionen mit immer neuen Kollisionen möglich. Deshalb sprach die ESA von einer mittlerweile unhaltbar gewordenen Situation im Orbit.

Wie schlimm diese tatsächlich ist, zeigt eine weitere Statistik, welche der Leiter der Astronautics Research Group der britischen Universität Southampton, Hugh Lewis, im US-Fachmagazin „Space“ vorstellte. Aus den Angaben über die Bahnen der momentan im All befindlichen Satelliten in der Datenbank CelesTrak errechnete Lewis, dass es pro Woche mehr als 3000 Beinahe-Zusammenstöße geben muss. Als solche gelten alle vorausberechneten Annäherungen auf unter 1000 Meter, denn die realen Bahnen der künstlichen Erdtrabanten weichen oft um einige hundert Meter von den theoretischen Werten ab.
Laut Lewis sind Starlink-Satelliten inzwischen schon an der Hälfte aller Fast-Kollisionen beteiligt. Und dabei dürfte es angesichts der anvisierten weiteren Massenstarts kaum bleiben. Wie der britische Wissenschaftler schätzt, könnte die Beinahe-Zusammenstoß-Quote von SpaceX auf bis zu 90 Prozent steigen, wenn die ersten Ausbauphasen des Starlink-Netzes beendet sind und über 4000 Satelliten von Musk um die Erde kreisen.

Bis jetzt hat SpaceX jedoch immer Glück gehabt. So vermochte es die Firma im April dieses Jahres, das drohende Aufeinandertreffen eines Starlink-Satelliten und eines Raumflugkörpers des britischen Kommunikationsunternehmens OneWeb zu verhindern. Das gelang durch die rechtzeitige Kontaktaufnahme zwischen SpaceX und OneWeb, in deren Folge einer der Satelliten das Kommando zum Ausweichen erhielt. Allerdings erfolgte die Koordination der Aktion damals vergleichsweise umständlich und langsam per E-Mail-Verkehr. Das führte nur deshalb nicht zur Katastrophe, weil noch genügend Zeit zum Reagieren zur Verfügung stand.