19.01.2022

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Folge 37-21 vom 17. September 2021 / Züricher Rede / „Therefore I say to you: Let Europe arise“

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 37-21 vom 17. September 2021

Züricher Rede
„Therefore I say to you: Let Europe arise“
Dirk Klose

„Therefore I say to you: Let Europe arise!“ (Darum rufe ich Ihnen zu: Lassen Sie Europa wieder aufleben!) Es war ein flammender Aufruf, den Winston Churchill vor 75 Jahren, am 19. September 1946, in der Universität Zürich „an die europäische Jugend“ richtete. Kriege und Völkerhass dürften sich nicht wiederholen; „wir müssen eine Art Vereinigte Staaten von Europa errichten“. Die Rede Churchills, der damals nicht Premier, sondern Oppositionsführer im britischen Unterhaus war, wirkte im zerstörten Europa wie ein Fanal, besonders in Deutschland. Er zeigte eine Möglichkeit auf, aus dem Elend der Nachkriegszeit herauszukommen und in einer friedlicheren Welt zu leben.


Churchill war im Zweiten Weltkrieg der eisenharte Gegner Deutschlands. Die Waffenbrüderschaft mit Josef Stalin, der für ihn lange der „gute Onkel Joe“ war, hat er immer hochgehalten. Gleichwohl sah er mit Enttäuschung und tiefer Sorge, wie Stalin einen aggressiven Annexionskurs in der östlichen Hälfte Europas forcierte, dem auch die westliche anheimzufallen drohte. Schon vor Zürich hatte er am 5. März 1946 in Anwesenheit des US-Präsidenten in Fulton von einem „Eisernen Vorhang“ in Europa gesprochen.


In Zürich setzte er vor allem auf Versöhnung: „Wir alle müssen den Schrecknissen der Vergangenheit den Rücken kehren … Lasst Gerechtigkeit, Gnade und Freiheit herrschen!“ Und dann, nach einem bitteren Ausfall gegen Deutschland, dem er die Schuld an beiden Weltkriegen gab, der unerhörte Vorschlag: „Der erste Schritt zu einer Neuschöpfung der europäischen Völkerfamilie muss eine Partnerschaft zwischen Frankreich und Deutschland sein. Es gibt kein Wiederaufleben Europas ohne ein geistig großes Frankreich und ein geistig großes Deutschland!“ Sein eigenes Land sah er dabei nicht direkt involviert, eher als eine Art Clearingstelle zwischen Europa, den Vereinten Nationen und dem damals noch intakten Commonwealth.
Damals wirkte die Rede wie ein Lichtblick in dunkelster Zeit. Und dann ging es bei der westeuropäischen Integration auch ziemlich schnell: Gründung des Europarats im Jahr 1949, ein Jahr später die Montanunion, 1957 dann die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Und jedes Mal wirkte der Impuls nach, den Churchill in Zürich gegeben hatte.




Dirk Klose ist freier Journalist in Berlin und arbeitet vorwiegend zu zeitgeschichtlichen und kulturpolitischen Themen. Zuvor war er für Buchkritik verantwortlicher Redakteur der vom Deutschen Bundestag herausgegebenen Wochenzeitung „Das Parlament“.