25.06.2024

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Folge 45-21 vom 12. November 2021 / Vor der Vertreibung / Wie litauisch Preußisch Litauen war / Autochthon waren die Prußen – Viele Litauer starben bei der Großen Pest – Viele assimilierten sich

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 45-21 vom 12. November 2021

Vor der Vertreibung
Wie litauisch Preußisch Litauen war
Autochthon waren die Prußen – Viele Litauer starben bei der Großen Pest – Viele assimilierten sich
Manuel Ruoff

Die auch als „Kleinlitauen“ bezeichnete Region Preußisch Litauen im Nordosten des heutigen Ostpreußen war ursprünglich von Prußen bewohnt. Nach deren Niederwerfung durch den Deutschen Orden lebten nur noch wenige prußische Schalauer und Nadrauer sowie Alt-Kuren dort. Nach der Festlegung der Grenze in diesem Raum zwischen dem Deutschordensstaat und Polen-Litauen begann im 15. Jahrhundert eine Neubesiedlung der Großen Wildnis. Es kamen aus Litauen zurückgekehrte Prußen, Deutsche und Letten. Zwischen dem Zweiten Thorner Frieden und der Mitte des 16. Jahrhunderts wanderten vermehrt auch Litauer ein, vor allem aus dem benachbarten Samaiten. Bis zur Pestepidemie von 1709/10 war die Landbevölkerung mehrheitlich litauisch und die Stadtbevölkerung mehrheitlich deutsch.

Durch die Große Pest wurde die rund 300.000 Köpfe zählende Bevölkerung mehr als halbiert. Unter den etwa 160.000 Todesopfern waren vor allem Litauer. Vorher hatten bereits der Zweite Nordische Krieg mit seinem Tatareneinfall sowie nachfolgende Hungersnöte und Seuchen die Bevölkerungszahl vermindert. 

Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. reagierte auf diesen Bevölkerungsschwund mit dem Rétablissement, einem Wiederaufbau, zu dem auch eine gezielte Einwanderungspolitik gehörte. Im Ergebnis wuchs die Bevölkerung Ostpreußens zwischen 1713 und 1740 um 160.000 Menschen auf 600.000. Aus der Pfalz kamen ebenso Siedlungswillige wie aus Nassau. Aus der Schweiz kamen 2000 und aus Salzburg gar 17.000. 

Ausgesprochen gut assimilierten sich die Einwanderer aus Litauen. Die Bereitschaft, die deutsche Kultur einschließlich der Sprache zu übernehmen, war groß. Entsprechend eklatant ist die Abnahme der litauischen Muttersprachler.

In dem weitgehend mit Preußisch Litauen identischen Regierungsbezirk Gumbinnen stieg die Zahl der Einwohner von 1817 bis 1825 um 23 Prozent, die der litauischen Muttersprachler aber nur um zwölf. Von 1852 bis 1890 sank die Zahl der litauischen Muttersprachler von über 151.000 auf gut 121.000. 1910 waren es in den Regierungsbezirken Königsberg und Gumbinnen nur noch rund 114.000. Und das bei einer Einwohnerzahl von 1,4 Millionen. 

Um 1900 lebte mehr als die Hälfte der preußischen Litauer nördlich der Memel, und trotzdem waren sie selbst dort nur eine Minderheit. Davon zeugen nicht nur Wahlergebnisse, sondern auch eine litauische Volkszählung aus dem Jahre 1925. In jenem Jahr bezeichneten sich 72,5 Prozent der Memelländer als Deutsche beziehungsweise Kulturdeutsche, aber nur 27,5 Prozent als Litauer.