17.06.2024

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Folge 45-21 vom 12. November 2021 / Krimi / Unter SS-Soldaten in der Anstalt / Jussi Adler Olsen schildert in seinem Erstlingswerk spannend, wie es zwei britischen Piloten gelang, in Deutschland unterzutauchen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 45-21 vom 12. November 2021

Krimi
Unter SS-Soldaten in der Anstalt
Jussi Adler Olsen schildert in seinem Erstlingswerk spannend, wie es zwei britischen Piloten gelang, in Deutschland unterzutauchen
Angela Selke

Im Winter 1944 machen die beiden britischen Royal-Air-Force-Piloten Bryan und James sich mit ihrem Aufklärungsflugzeug auf in den Süden Deutschlands, um Hinweise auf einen militärischen Stützpunkt ausfindig zu machen. Sie werden abgeschossen und können sich nur knapp retten. Ihr Absprung ist den Deutschen nicht entgangen, und sie machen sich mit Hunden auf die Suche. Völlig durchgefroren erreichen die Briten einen Zug, auf den sie aufspringen können. Es handelt sich um einen Lazarettzug, und Bryan und James müssen innerhalb weniger Minuten ihre Uniformen entsorgen und zwei tote Soldaten durch das Zugfenster befördern. Sie legen sich in die freigewordenen Betten. 

Der Austausch bleibt unbemerkt, und die beiden Briten werden in eine Heilanstalt – das Alphabethaus – eingeliefert. Es handelt sich um eine Abteilung für seelisch schwer traumatisierte hochrangige SS-Soldaten. Bryan und James treten nicht mehr in Kontakt zueinander, da sie beobachtet werden. Es darf auf keinen Fall herauskommen, dass sie Briten sind. Alle Kranken sollen schnell wieder für den Kriegsdienst eingesetzt werden, mit Elektroschocks und gefährlichen Medikamenten wird an ihnen herumexperimentiert. 

Die Zeit in dem Hospital ist eine Tortur. Nur Schwester Petra kann den Kranken etwas Freude bringen. Irgendwann wird es Bryan zu viel. Er riskiert die Flucht ohne James, der nur apathisch in seinem Bett liegt.

Im zweiten Teil von Jussi Adler Olsens   Thriller „Das Alphabethaus“ geht es um Bryan, der 1972 als britischer Arzt an den Olympischen Spielen in München als Berater teilnehmen soll. Bisher hat er versucht, Deutschland aus seinem Gedächtnis zu streichen, doch ihn plagt das schlechte Gewissen, James zurückgelassen zu haben. Dann nimmt er die Gelegenheit wahr und fährt nach Freiburg, wo sich die Anstalt befand. Er versucht, Gerhard Peukert zu finden, James’ deutscher Name. Bryan begibt sich auf die gefährliche Suche nach dem Verbleib seines besten Freundes. 

Dieser im dänischen Original 1997 herausgegebene und jetzt auf Deutsch neu aufgelegte Krimi ist sehr gut gelungen. Die Handlung wird fesselnd erzählt. Die aussichtslose Situation der Briten in der Heilanstalt wirkt authentisch und hat sich vermutlich in vielen Fällen so zugetragen. Die Details der NS-Herrschaft werden realistisch geschildert, wobei recht neutral berichtet wird, ohne Hass und Rache. Der Roman bereitet ein großes Lesevergnügen. 

Jussi Adler Olsen: „Das Alphabethaus“, Neuausgabe, dtv, München 2021, Taschenbuch, 588 Seiten, 11,95 Euro