14.04.2024

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Folge 49-21 vom 10. Dezember 2021 / Corona / Droht eine Bildungskrise? / Ifo-Institut erteilt der deutschen Schulpolitik während der Pandemie ein schlechtes Zeugnis

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-21 vom 10. Dezember 2021

Corona
Droht eine Bildungskrise?
Ifo-Institut erteilt der deutschen Schulpolitik während der Pandemie ein schlechtes Zeugnis
Peter Entinger

Während der vierten Corona-Welle diskutiert die Politik abermals über Schulschließungen. Und wie immer stellt sich dabei auch die Frage nach der Digitalisierung. 

Nach einer Erhebung des Ifo-Instituts – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München haben Schulschließungen in Deutschland Kinder und Jugendliche im internationalen Vergleich besonders stark eingeschränkt. Nicht nur dass „die anderen Länder für digitalen Fernunterricht besser gerüstet“ gewesen seien, so Ifo-Forscherin Larissa Zierow, andere „Länder in Europa“ hätten auch „größeren Wert darauf“ gelegt, „die Schulen weitgehend offen zu halten“. In der Tat hatten die Schulen in den Niederlanden, in Spanien und in Schweden deutlich kürzer geschlossen als in Deutschland. Die Bundesrepublik schloss die Schulen 74 Tage vollständig und 109 Tage teilweise, macht zusammen 183 Tage. Länger schlossen waren die Schulen nur in Polen mit insgesamt 273 Tagen. Im Mittelfeld des Ländervergleichs liegen Österreich und die Niederlande mit 152 und 134 Tagen, während Frankreich, Spanien und Schweden mit 56, 45 und 31 Tagen die kürzesten Schulschließungen hatten.

Vergleich mit dem Ausland

Als Hauptursache für den Absturz des deutschen Bildungssystems nennen die Forscher die mangelnde Digitalisierung der Bildungseinrichtungen. Deutschland liegt demnach in Bezug auf Online-Lernplattformen und Ressourcen für die Nutzung digitaler Technologien im Unterricht auf den letzten Rängen, während Skandinavien Vorreiter ist. Dies manifestiere sich auch in Unterschieden in Art und Frequenz des (Online-)Unterrichts während der Pandemie. So stimmten die Schulleitungen von nur 33 Prozent der Schüler in Deutschland der Aussage zu, dass eine effektive Online-Plattform an der Schule existiere. Beim Spitzenreiter Schweden hingegen bejahten 80 Prozent die Frage, ob eine effektive Lernplattform vorhanden sei. 

Auch bei der Frage, ob effektive Ressourcen für Lehrkräfte zur Verfügung stehen, um den Umgang mit digitalen Geräten zu erlernen, liegt Deutschland im Ländervergleich an hinterster Stelle. Lediglich 41 Prozent der befragten Schulleitungen stimmten der Aussage zu, dass sie ausreichende technische Voraussetzungen hätten. Im Gegensatz hierzu lag der Zustimmungswert in Schweden und Österreich bei 83 und 79 Prozent, gefolgt von den Niederlanden, Frankreich und Polen mit zwischen 71 und 67 Prozent. 

Relativ viele Schulschließungen

Im Gegensatz zu anderen Ländern gelang es in Deutschland kaum, dauerhaften Online-Unterricht anzubieten. Einer Elternumfrage zufolge hatten 57 Prozent der Schüler in Deutschland während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 weniger als einmal die Woche Online-Unterricht mit der ganzen Klasse, nur sechs Prozent täglich, und 45 Prozent sogar nie. Dies änderte sich zwar etwas während der zweiten Phase der Schulschließungen zu Anfang 2021, als ein gutes Viertel der Schüler täglich gemeinsamen Online-Unterricht hatte. Doch hatten immer noch 39 Prozent diesen nur höchstens einmal pro Woche. 

Relativ wenig Digitalisierung

Das Ifo-Institut kam darüber hinaus zu der Auffassung, dass die Schulen nachgewiesenermaßen keine Pandemietreiber gewesen seien. „Umso bedenklicher ist es daher, dass die Belange der Schüler während der Pandemie hinten angestellt wurden. Gerade auch in Deutschland waren die Einschränkungen für Schulkinder oftmals größer als für erwachsene Arbeitnehmer.“ So habe in Frankreich beispielsweise für abhängig beschäftigte Erwachsene eine Homeoffice-Pflicht bestanden, wenn die Arbeit zuhause möglich war. Außerdem seien Ausgangsbeschränkungen für Erwachsene strenger als für Schüler gewesen. Als Resümee fordert das Institut die Bildungspolitik in Deutschland auf, aktiv effektive Konzepte für Kinder und Jugendliche zu entwickeln, um einer drohenden Bildungskrise entgegenzuwirken.